
Sozialminister Baaske stellt Leitlinien für die Pflegepolitik vor - "Weiter so geht nicht"
Die Anzahl der Pflegefälle in der alternden Bevölkerung Brandenburgs wird bis 2030 zunehmen - und zwar dramatisch. Die Landesregierung sucht nach Auswegen aus dem Dilemma, und soll dafür jetzt auch Geld in die Hand nehmen – fordert Sozialminister Baaske.
Die Aussichten sind beunruhigend: Um 70 Prozent wird die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen bis 2030 steigen: Derzeit werden in Brandenburg etwa 96.000 alte Menschen gepflegt, 2030 werden es 162.000 sei. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Sozialministeriums in Potsdam hervor.
Der Bedarf an Pflegekräften wächst sogar noch stärker. Bei den ambulanten Diensten werden 2030 rund 21.000 Beschäftigte gebraucht, derzeit sind es noch 12.500. In den Heimen verdoppelt sich der Bedarf von heute 16.400 auf 33.000 Pflegekräfte.
Gleichzeitig gibt es im Land aber immer weniger junge Menschen, und immer weniger wollen den Beruf des Altenpflegers ergreifen.

Minister: „Weiter so“ geht schon aus finanziellen Gründen nicht
Angesichts dieser Fakten sei klar, dass ein "weiter so" nicht in Frage kommt, schon aus finanziellen Gründen, meint Sozialminister Günter Baaske (SPD). Denn bei "weiter so" müsse das Land im Jahr 2030 200 Millionen Euro mehr an Sozialhilfe ausgeben.
Also bläst Baaske zum "pflegepolitischen Aufbruch": Die Landesregierung müsse jährlich rund sieben bis acht Millionen Euro Landesmittel zusätzlich einsetzen: unter anderem für Pflegekurse für Angehörige, mehr Pflege-Wohngemeinschaften und mehr Beratung zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit.
Baaske will vor allem so lange wie möglich verhindern, dass Menschen überhaupt pflegebedürftig werden. Das Zauberwort heißt "aktives Altern" und meint: Wer länger fit und vital bleibt, wird nicht so schnell zum Pflegefall. "Hier werden heute noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft", so der Politiker.
Auch die Strukturen müssten sich auf dieses Ziel ausrichten: "Dazu gehören barrierefreier Wohnraum und öffentlicher Nahverkehr, wohnortnahe Betreuungs- und Alltagsdienstleistungen, aber auch Orte der Begegnung für Seniorinnen und Senioren", sagte Baaske am Montag.
Die Landesregierung will außerdem die gesundheitlichen und pflegerischen Angebote besser miteinander verbinden - vor allem im ländlichen Raum. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unterstützung von pflegenden Familienangehörigen und Freunden. Denn in Brandenburg leben immerhin rund drei Viertel der Pflegebedürftigen noch in den eigenen vier Wänden. Die Helfer sollen künftig stärker von außen unterstützt werden, etwa durch städtische Dienste.
Landesregierung will Pflege so lange wie möglich vermeiden
Und – ganz hinten im Programm – finden sich die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte, die verbessert werden sollen. Denn auch die Bezahlung müsse stimmen, sagt Baaske: "Pflegekräfte müssen für ihre wertvolle und anstrengende Arbeit auch gut verdienen."
Der Minister ruft deshalb die Wohlfahrtsverbände auf, einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Ver.di für Brandenburg abzuschließen, der dann für allgemeinverbindlich erklärt werden kann. Damit würden Mindeststandards für alle Pflegeanbieter festgelegt.
An den 16 Altenpflegeschulen in Brandenburg lernen nach Angaben des Ministers derzeit 1.700 Frauen und Männer. Wenn es mehr Bewerber gebe, könne man das Angebot auch aufstocken, so der Minister.
In Brandenburg müssen die Altenpflegeschüler immerhin nicht für ihre Ausbildung bezahlen - im Gegensatz zu Berlin, wo an 30 von 31 staatlich anerkannten Schulen Schulgeld fällig ist.
Die Zukunft der Pflege wird an diesem Donnerstag auch Thema bei einer Tagung in Potsdam sein. Dort will dann auch Ministerpräsident Dietmar Woidke zum Thema "demographischer Wandel" sprechen.



