
Kritik an Betreuungsschlüssel - Brandenburger Kitas erhalten mehr Geld
In Brandenburg haben Eltern kaum Probleme, einen Kitaplatz für ihr Kind zu finden. Doch der Betreuungsschlüssel gehört im bundesweiten Vergleich zu den schlechtesten. Künftig sollen auf einen Erzieher weniger Kinder fallen, daher gibt es nun mehr Geld vom Land. Allerdings immer noch nicht genug, wie die Landes-CDU rügt.
Die rund 1800 Kindertagesstätten in Brandenburg erhalten in diesem Jahr neun Millionen Euro mehr Zuschüsse vom Land. Dies hat der Landtag am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen. Die Neuregelung war nach einem Urteil des Landesverfassungsgerichts notwendig geworden, wonach die Zuteilung der Zuschüsse auf die Kommunen zu pauschal sei.
Die kreisfreien Städte Brandenburg an der Havel, Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) hatten erfolgreich auf eine Erhöhung der Finanzhilfe für die Kitas geklagt. In dem neuen Gesetz ist nun ein Mehrkostenausgleich in Höhe von neun Millionen Euro vorgesehen, weil die Kitagruppen kleiner werden und das Kitapersonal besser bezahlt wird.
Betreuungsschlüssel deutlich unter Bundesdurchschnitt
Die Landesregierung zahlt nun für dieses Jahr rund 227 Millionen Euro Zuschüsse für die Kitas, davon rund 47 Millionen Euro für mehr Erzieher. Damit soll der Betreuungsschlüssel für Ein- bis Dreijährige auf einen Erzieher für sechs Kinder und bei den unter Sechsjährigen auf eins zu zwölf gesenkt werden.
Der CDU genügt die Erhöhung der Zuschüsse nicht. Brandenburg habe im bundesweiten Vergleich einen der schlechtesten Betreuungsschlüssel, kritisierte der bildungspolitische Sprecher, Gordon Hoffmann. "Eine Erzieherin betreut hier mehr als sechs Kinder - der Bundesdurchschnitt liegt bei einem Betreuer auf 4,5 Kinder." Dafür müsse das Land mehr Geld in die Hand nehmen.
Kinder bleiben länger als kalkuliert in den Kitas
Die Bertelsmann-Stiftung hatte in ihrem Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2013 die Betreuung in den Kitas verglichen. Demnach ist der Ausbau der Kita-Plätze in Brandenburg weit vorangekommen. Eine Modellstudie der Stiftung in der Landeshauptstadt Potsdam zeige jedoch, dass die Kinder in der Regel länger als die vom Gesetzgeber kalkulierten 7,5 Stunden in der Kita blieben. Dies gelte auch für die anderen Einrichtungen im Land. So sei eine Erzieherin in Potsdamer Kitas im Durchschnitt für 7,2 Kinder unter drei Jahren zuständig. Das Gesetz schreibe dagegen einen Personalschlüssel von eins zu sechs vor.
Die Stiftung empfiehlt einen Betreuungsschlüssel von eins zu drei bei den unter Dreijährigen. Laut ihren Wahlkampfprogrammen will die rot-rote Regierungskoalition mit der Einstellung weiterer Erzieher den Betreuungsschlüssel für unter Dreijährige in der kommenden Legislaturperiode auf eins zu fünf verbessern.
Im Jahr 2008 hatte der Bund ein Programm zum Ausbau der Kinderbetreuung gestartet. Denn seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung ihrer Kinder, wenn sie mindestens ein Jahr alt sind. Bislang entstanden rund 4.800 neue Plätze in Brandenburg, bis Ende des Jahres sollen es 6000 sein.
In Brandenburg besuchen knapp 84 Prozent aller zwei- und fast 70 Prozent aller einjährigen Kinder eine Tagesbetreuung. Damit gehört das Land laut Jugendministerin Martina Münch (SPD) bundesweit zur Spitze.


