
Brandenburger Regierung lehnt Wiedereröffnung ab - Haasenburg-Jugendheime bleiben zu
Auch ein neues Konzept hilft den Haasenburg-Jugendheimen nicht. Weil Erziehung dort oft Drangsalieren hieß, will die Brandenburger Landesregierung die Heime nicht wiedereröffnen. Damit wurde ein Vergleichsvorschlag des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg abgelehnt.
Die Brandenburger Landesregierung ist gegen eine Wiedereröffnung der Haasenburg-Jugendheime. Einen entsprechenden Vergleichsvorschlag des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg lehnte das Kabinett ab. Die Jugendministerin Martina Münch (SPD) begründete die Entscheidung, mit überzogenen und drangsalierenden Erziehungsmaßnahme, die in den Heimen praktiziert worden seien. Der Betreiber hatte gegen die Schließung geklagt, die das Jugendministerium wegen schwerer Missstände verfügt hatte.

Konzept gut - Realität verheerend
Mehrere Jugendliche, die in den Haasenburg-Heimen untergebracht waren, hatten schwere Vorwürfe gegen die Betreuer erhoben. Sie seien misshandelt worden, beispielsweise stundenlang auf Liegen fixiert worden. Eine Untersuchungskommission hatte erhebliche Mängel in drei Heimen der Haasenburg GmbH festgestellt. "Eine neue Konzeption würde an diesen grundlegenden Defiziten nichts ändern", sagte Ministerin Münch weiter.
In den Häusern waren Minderjährige aus verschiedenen Bundesländern untergebracht, für die von Familiengerichten freiheitsentziehende Maßnahmen genehmigt waren, weil sie als Gefahr für sich selbst oder andere gelten. Das Konzept der Heime ist laut Bildungsministerium gut gewesen. Der Sprecher Stephan Breiding sagte dem rbb: "Für uns ist maßgeblich, was in den Heimen passiert ist". Die zahlreichen Berichte der Kinder über das Leiden in den Heimen hätten zu dem Entschluss geführt, mit diesen Einrichtungen nicht mehr zusammenarbeiten zu können. Breiding: "Sie sind nicht verantwortungsvoll genug mit den Bewohnern umgegangen".
300 Mitarbeiter haben Arbeitsplatz verloren
Die Haasenburg GmbH hat bislang keine Fehler eingeräumt. Der Geschäftsführer erklärte, die Entscheidung über die Fortsetzung der Heime liege jetzt beim Gesellschafter. Durch die Schließung der drei Heime haben 300 Mitarbeiter ihre Jobs verloren.
Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt wegen der Vorwürfe in rund 70 Fällen gegen Erzieher und Heimbetreiber. An den Standorten in Jessern, Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Märkisch-Oderland) gab es zuletzt 114 Plätze, 60 davon geschlossene.



