Ruine der Eisfabrik an der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte (Archivbild, Quelle: Imago)

Eisfabrik soll Raum für Kreative bieten - Kunstort statt Spekulationsobjekt

Sie wollen das Gelände vor Spekulanten bewahren: Die alte Eisfabrik am Spreeufer in Berlin-Mitte war zuletzt in den Schlagzeilen, als Obdachlose sie besetzten. Ein Teil des Areals steht in den nächsten Tagen zum Verkauf. Zwei Initiativen erinnern an eine altes, neues Konzept: eine Mischnutzung aus Kunst, Kultur und Wohnen. Von Bettina Rehmann

Erst vor kurzem war die ehemalige Eisfabrik, eine Industrieruine in bester Lage an der Spree und einer der letzten Freiräume in Mitte, geräumt worden. Obdachlose hatten das Gebäude besetzt. Jetzt steht wieder alles leer, und die Frage im Raum, was mit dem Gebäude und dem dazugehörigen Gelände geschehen soll.

Die zwei derzeitigen Eigentümer, TLG Immobilien und die Bochumer Telamon Immobilien, konnten sich bisher nicht auf eine gemeinsame Nutzungsform einigen.

Die TLG sah zuvor noch eine Mischnutzung aus Lofts, Gewerbe, Wohnungen und Büros vor. Jetzt will sie ihren Teil des Geländes – den vorderen Bereich an der Köpenicker Straße – offenbar in der kommenden Woche zum Verkauf ausschreiben.

Die "Stiftung Zukunft Berlin" warnt daher vor einem Zuschlag für Spekulanten. In einer Pressemitteilung erinnerte die Stiftung daran, dass man sich Ende vergangenen Jahres auf eine Mischnutzung von Kunst, Kultur, kleinem Gewerbe und Wohnen geeinigt habe.

Luftbild des Eisfabrik-Geländes (Quell: Bing Maps)
Um dieses Gelände geht es: Die Eisfabrik liegt zwischen Spreeufer und Köpenicker Straße

Forum Stadtspree: Vereinbarungen einhalten

Das Forum Stadtspree, eine Diskussionsplattform zwischen Spreeakteuren, Senat und Bezirken, fordert in der Mitteilung, "am Ufer der Spree wie vereinbart einen Ort für Kulturschaffende und Kreative entstehen zu lassen."

Stefan Richter, Vorstand der "Stiftung Zukunft Berlin" sagte im rbb, man habe neue Investoren gefunden, die an dem gesamten Areal interessiert seien: "Uns ist es gelungen, zwei Investoren zu finden, die sagen, 'wir würden das gesamte Objekt übernehmen und es als Kunstort entwickeln'".

Zudem existierten teilweise konkrete Anfragen potenzieller Nutzer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Es könnten Ateliers, Werkstätten, Studios, Büros, Gastronomiebetriebe, Bildungsstätten, Clubs oder Wohnprojekte entstehen.

Archivbild: Ehemalige Bewohner der Eisfabrik und Unterstützer protestieren vor der Berliner SPD-Zentrale nach der Räumung der Eisfabrik für die Unterkunft in Wohnungen (Quelle: dpa)
Zuletzt stand "Eisfabrik" sinnbildlich für die Zuwanderungsproblematik.

Bezirk will nur einen Investor für Areal

Aus Sicht des Bezirks Mitte ist eine solche Entwicklung wünschenswert, das Problem jedoch sind die zwei Grundstücke, mit zwei unterschiedlichen Inhabern, aus denen das Areal besteht.

Am liebsten würde Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) nur einen Investor sehen: Der beste Weg sei, "wenn einer hier alleine dieses Areal entwickeln würde, zu Kunst, Kultur und Wohnen – das wäre eine gute Lösung."

Kann man den Gerüchten glauben schenken, denkt auch Telamon über den Verkauf seines Areals (hinterer Teil an der Spree mit Eisfabrik) nach. 2008 hatte die TLG Teile des Geländes mit der unter Denkmalschutz stehenden Eisfabrik an die Bochumer Immobilienfirma Telamon verkauft. Damals hieß es bereits, ein Umbau und eine Nutzung als "Kunstort" stünden an. Telamon ist ebenfalls Investor beim Radialsystem V auf der gegenüberliegenden Uferseite der Spree.

Beitrag von Bettina Rehmann

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