Inforadio | 28.06.2014 | Sebastian Schöbel-Matthey

Abriss von Aschingerhaus geplant - Weg mit dem Schmuddeleck in der City West

Die City Ost rund um den Alex und die City West rund um den Bahnof Zoo boomen und liefern sich damit ein regelrechtes Duell. Neben dem Waldorf Astoria und dem Bikini-Haus hat die City West schon zwei Hingucker - und bald soll ein weiterer dazukommen: Dort, wo jetzt noch das Aschingerhaus mit dem Beate Uhse Museum steht. Von Sebastian Schöbel-Matthey

Eigentlich schimpft Regula Lüscher nicht so oft über Berliner Gebäude. Dafür ist die Senatsbaudirektorin aus Basel zu sehr Schweizerin, zu diplomatisch. Beim Aschingerhaus am Bahnhof Zoo hingegen wird sie ausnahmsweise deutlich: "Ich bin sehr froh, wenn dieses Haus ersetzt wird, weil es doch hier in der City ein Schandmal ist."

Das Aschingerhaus - benannt nach zwei ehemaligen Berliner Bierhallenbetreibern - ist in der Tat das Kontrastprogramm zum schmucken neuen Waldorf Astoria und dem wiederhergestellten Bikini-Haus: Ein düsterer Riegel aus den 70er Jahren mit Casino, Schnellimbissen und einem Sexladen mit angeschlossenem Erotikkino: "Schmuddelecke beschreibt es eigentlich ganz gut." Das meint auch Siegfrid Schlosser, Charlottenburger Bezirksabgeordneter für die Piraten: "Als ich das erste Mal da war, war unten drin ein großes Pressecafé, wo man interessante – auch ausländische – Zeitungen und Zeitschriften verkaufen konnte, und wo ich meine ersten Pornohefte gekauft habe. Das war anno 1975 oder 1976.

Dunkle Einkaufspassage im Aschingerhaus in der Berliner City West (Quelle: rbb/S.Schöbel-Matthey)
Richtig einladend wirkt diese dunkle Passage im Aschinerhaus nicht

Einen Prachtbau wird es wohl nicht geben

Nun steht das Aschingerhaus vor dem Abriss, der US-Investor Hines will dort einen Neubau hinstellen - und trifft damit auf keinerlei politischen Widerstand. Im Bezirksparlament wurde das Vorhaben bisher nicht einmal kontrovers dikutiert, sagt Stefan Häntsch von der CDU: "Wahrscheinlich sind alle froh, wenn sich dort etwas verändert – insofern ist es eher eine gespannte freudige Erwartung."

Allerdings: Ein bisschen Unmut gibt es dann doch - aber ganz anders, als man vermuten könnte. Denn wenn es  nach Baustadtrat Marc Schulte gehen würde, hätte Hines ruhig hoch hinaus bauen dürfen: "Ich hätte mir an dieser Stelle einen richtigen Eye-Catcher für die City West gewünscht, einen namhaften Architekten, der vielleicht auch mal eine ganz andere als die eckige Kastenform macht – einen Gehrybau oder etwas anderes. Natürlich hätte das auch dort stattfinden können."

Wird es aber nicht, weil Hines dafür einen neuen Bebauungsplan brauchen würde - was aber mindestens zwei Jahre länger gedauert hätte. Luxus, den sich Hines nur in der City Ost mit dem neuen Wohnturm auf dem Alexanderplatz leisten mag - nicht aber in der City West am Bahnhof Zoo.

Hostel? Gastronomie? - oder Wohnungen?

Bleibt noch die Frage: Was soll aus dem neuen Gebäude werden? Wohnungen hält Pirat Siegfrid Schlosser für ausgeschlossen: "Leider werden wir dort keine Sozialwohnungen bekommen oder Wohnungen, die Menschen mit einem normalen Einkommen bezahlen können."

Er könnte sich hingegen eine Reihe kleiner Geschäfte und Restaurants vorstellen. Das sieht CDU-Politiker Stefan Häntsch genauso - und macht noch einen weiteren Vorschlag: "Für eine touristische Nutzung in Form eines Hotels wäre es prädestiniert."

Durchaus auch ein Hostel, meint Häntsch, damit hat man an dem Standort Erfahrung.
Eines aber, da sind sich Bezirksregierung und Opposition einig, soll auf keinen Fall in das neue Hines-Haus am Bahnhof Zoo einziehen: Irgendein Großhändler für Textilien oder Elektronik. Und schon gar kein Discounter. Das, so Baustadtrat Schulte, sei so nah am Kudamm einfach der falsche Ort dafür.

Beitrag von Sebastian Schöbel-Matthey