Video: Abendschau | 21.06.2014 | Arndt Breitfeld

Christopher Street Day in Berlin - Ein CSD, drei Paraden und hunderttausende Teilnehmer

Zum Christopher Street Day sind am Samstag zwei größere Paraden mit mehreren Hunderttausend Menschen durch die Berliner Innenstadt gezogen. Neben der großen CSD-Parade unter dem Motto "LGBTI*-Rechte sind Menschenrechte" zog ein kleinerer, von einem Aktionsbündnis neu ins Leben gerufener Demozug von der Botschaft Ugandas nach Schöneberg. In Kreuzberg fand am Abend ein alternatives CSD-Fest statt.

Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin an den Feiern zum Christopher Street Day teilgenommen. Mit rund 30 Umzugswagen zogen sie bei der größten Berliner CSD-Parade vom Olivaer Platz / Ecke Kurfürstendamm zur Siegessäule, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Noch bis Mitternacht werden rund um die Siegessäule Live-Acts auftreten und DJs bei verschiedenen Partys auflegen. Der Verantalter des Berliner CSD, der in diesem Jahr unter dem Motto "LGBTI*-Rechte sind Menschenrechte" stand, hatte vorab mit 500.000 Teilnehmern und Schaulustigen bei der Parade gerechnet.

Nach einem Streit um die Ausrichtung des CSD gab es in diesem Jahr jedoch mehrere Paraden und Demonstrationen. Die zweite Demo, die sich nach einem Streit um den CSD-Verein gebildet hatte, startete an der Botschaft des homosexuellenfeindlichen Landes Uganda und endete im Schöneberger Kiez an der Motzstraße.

Die deutlich politischer ausgerichtete, aber auch deutlich kleinere Demo wurde von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (beide SPD) und der Grünen-Politikerin Renate Künast eröffnet. Laut Angaben des Veranstalters kamen etwa 7.000 Menschen. Wie die Polizei mitteilte, verlief alles friedlich.

Weiterhin Diskriminierungen und Übergriffe

Die Bundesfamilienministerin hatte den Christopher Street Day in Berlin genutzt, um mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen zu fordern. Es gebe immer noch Diskriminierungen und Übergriffe auf Schwule und Lesben sowie schwulenfeindliche Sprüche in Fußballstadien und auf Schulhöfen, sagte Schwesig vor der Parade.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit verwies auf die politische Dimension des CSD und seine Forderungen, wie zum Beispiel die Abschaffung der homophoben Gesetzgebung in Ländern wie Uganda oder Russland. Zudem unterstrich Wowereit die Bedeutung des CSD für die Hauptstadt: "Berlin ist eine offene und internationale Metropole", sagte er dem rbb. "Es ist eine tägliche Verpflichtung, dieses offene Klima zu schaffen", so Wowereit während der Demonstration am Samstag. Denn auch in Deutschland sei die Gleichstellung noch nicht vollendet, so Wowereit.

Mit Hinblick auf die vorangehenden Streitigkeiten innerhalb der Community kommentierte Wowereit augenzwinkernd, dass "die Vielfalt halt auch bei den unterschiedlichen CSD da" sei, er sich aber im nächsten Jahr wieder eine gemeinsame CSD-Parade wünsche.

Federn, Schminke und Protest

Querelen in der queeren Community

In Berlin hatte es monatelang Querelen wegen des Verhaltens des Vereins und einer geplanten Namensänderung gegeben. Die politischen Parteien und andere wichtige Akteure sprangen ab und machen bei der kleineren Demo mit. "Hauptsache, die Menschen gehen auf die Straße", sagte Michael Wilke, Mitveranstalter der größten Parade. "Natürlich hätte man sich die Diskussion ersparen können, das hätte es uns allen leichter gemacht."

Während des Umzugs äußerten sich unterschiedliche Veranstalter, Politiker und Teilnehmer des CSD optimistisch, dass die schwul-lesbische Community im nächsten Jahr wieder zusammen demonstrieren wird.

Seit dem Nachmittag fand in Berlin-Kreuzberg außerdem ein alternatives CSD-Fest statt. Der CSD muss sich dieses Jahr in Berlin außerdem gegen starke Konkurrenz behaupten: Den ganzen Samstag über stieg auch die Fête de la musique - und am Abend spielte die deutsche Nationalelf gegen Ghana.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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