Der Mochowsee (Quelle: Amt Lieberose/Oberspreewald)

Geschenk vom Land - Drei Seen, zwei Gemeinden - und viele Pflichten

Brandenburg hat zahlreiche Seen vom Bund gekauft und will damit sicherstellen, dass sie für Bürger und Touristen zugänglich bleiben. Die Gemeinden Schwielochsee und Jamlitz im Südosten Brandenburgs bekommen in Kürze drei der Gewässer aus dem ersten Seenpaket vom Land übertragen. Der zuständige Amtsdirektor Bernd Boschan im rbb-Interview über Freuden und Sorgen mit so einem Geschenk.

Bereitet es eher Freude oder Sorgen, wenn man drei Seen geschenkt bekommt?

Das macht im überwiegenden Teil Freude. Sorgen vielleicht dahingehend, dass man mehr Verantwortung hat und bei der Entwicklung eines solchen Seengebiets etwas weiter denken muss. Aber ansonsten überwiegt die Freude.

Was macht eine Gemeinde mit einem solchen See?

Die Gemeinde hat sich im Vorfeld Gedanken gemacht. Es handelt sich bei dem Großen Mochowsee um einen touristisch genutzten See. Diese Nutzung will man weiter aufrecht erhalten. Es geht nicht darum, diese Nutzung weiter auszubauen, sondern man möchte natürlich die Landschaft und Naturausstattung erhalten. Man möchte sie pflegen und sie dann den Gästen in entsprechender Form darbieten. Die anderen beiden Seen - Raduschsee und Schäferteich - werden von Fischereibetrieben und Anglern genutzt. Und natürlich sind sie für den Wasserhaushalt von entscheidender Bedeutung.

Amtsdirektor Bernd Boschan (Quelle: Amt Lieberose/Oberspreewald)
Bernd Boschan, Amtsdirektor für Lieberose/Oberspreewald, dem auch die Gemeinden Schwielochsee und Jamlitz unterstehen

War vorher eigentlich klar, dass Sie die Seen bekommen?

Wir hatten eine recht eindeutige Meinungsbildung in den Gemeindevertretungen. Es handelt sich um die Vertretungen in Jamlitz und Schwielowsee. In beiden war die Entscheidung recht schnell gefasst worden, dass man sich um diese Seen bemühen sollte. Es gab da kaum Bedenken, sondern es ging eher darum, die hoheitlichen Rechte und Pflichten der Gemeinden für diese Seen zum Ausdruck zu bringen. Deswegen sind die Beschlüsse für diese Anträge gefasst worden. Und wir freuen uns, dass diesen so stattgegeben wurde.

Welche Pflichten sind das?

Es reicht nicht zu sagen: schön, dass wir einen See haben. Man ist verpflichtet, am Ufer für die Verkehrssicherung Sorge zu tragen. Man ist verpflichtet, die landschaftlichen und naturschutzfachlichen Ziele einzuhalten. Das heißt, wenn es dort besondere Biotope gibt, gilt es diese zu bewahren und vor Verschmutzung zu schützen. Man ist für die Reinhaltung und Bewirtschaftung dieser Seen mit zuständig.

Bringt das mehr, als es dann kostet?

Es ist ganz schwer zu sagen. Ich denke, das hält sich die Waage. Wir haben beim Großen Mochowsee noch einiges zur Verbesserung der Wasserqualität vorzunehmen. Es ist schwer zu sagen, zu welchem Kostenumfang. Wir arbeiten hier mit den Landesbehörden zusammen, die Gemeinde steht also nicht alleine da. Auch das Land Brandenburg nimmt hier seine Verantwortung hinsichtlich der Erhaltung dieser Landschaftsbiotope wahr. Wir wollen das gemeinsam zwischen Gemeinde und Land lösen.

Bei den anderen beiden Seen ist das meiner Meinung nach eine Nullrunde, die weniger ertragsorientiert, sondern eher dem Heimatgefühl und der Landschaftspflege geschuldet ist.

Es könnte also schlimmer kommen, wie in Wandlitz, wo der Eigentümer die Anlieger für die Nutzung des Sees zur Kasse gebeten hatte.

Ja, das ist dann natürlich ein ganz harter Eingriff, wenn man einen privaten Seeeigentümer hat, der vorgibt, in welcher Form die Nutzung passieren soll und der Pachten und Kosten für die Gemeinde verursacht, um beispielsweise eine Bademöglichkeit zu erhalten. Das ist ein sehr negatives Beispiel.

Haben sie die Seen schon bekommen?

Nein, wir haben am Montag in der Sitzung der Gemeindevertretung Schwielochsee eine Vereinbarung hinsichtlich der gemeinsamen Ziele zur Landschaft und zum Naturschutz getroffen. Diese Vereinbarung wird in den nächsten Tagen mit dem Landesumweltministerium abgeschlossen. Das ist die Grundlage, dass die Seen durch das Finanzministerium in den nächsten zwei Monaten übertragen werden.

Das Interview führte Martina Rolke, rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder)

Diese drei Seen gehen an die Gemeinden Schwielochsee und Jamlitz

Hintergrund

Nach Protesten aus den neuen Bundesländern, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, hatte sich die bundeseigene Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft mbh (BVVG) auf Initiative von SPD und Linke im August 2009 bereiterklärt, im Rahmen eines Moratoriums die weitere Privatisierung von Seen aus dem Treuhandvermögen vorerst einzustellen und Verhandlungen mit den Ländern aufzunehmen.

Erstes Seenpaket: Im August 2012 hatte sich das Land Brandenburg mit der BVVG auf die Übernahme von 65 Seen zu einem Betrag von insgesamt 3,74 Millionen Euro geeinigt. Zu diesem ersten Paket gehören neben den drei oben genannten Seen unter anderem auch der Fahrländer See in Potsdam, der Mellensee im Landkreis Teltow-Fläming und der Dreetzsee im Landkreis Oberhavel. Insgesamt umfasst das Paket 3.135 Hektar Wasserfläche nebst angrenzenden Uferflächen verschiedener Nutzungsarten.

Zweites Seenpaket: Mit dem zweiten Paket übernimmt das Land Brandenburg von der BVVG insgesamt 51 Gewässer und teilweise Gewässerrandstreifen mit einer Gesamtfläche von 820,51 Hektar für einen Ausgleichsbetrag von 1,72 Millionen Euro.

Derzeit verhandelt das Land mit der BVVG über ein drittes und viertes Seenpaket.

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