Bauarbeiten in Berlins historischer Mitte (Quelle: dpa)
Inforadio | 24.07.2014 | Tina Friedrich

Serie | Teil 4 | Öffentlicher Dienst in Berlin - Outsourcing als Etikettenschwindel?

Tausende Stellen im Berliner öffentlichen Dienst streichen, das ist der Plan. Eine Methode: Outsourcing. Stellen in der Verwaltung wurden gestrichen und die Arbeiten an private und freie Träger und Unternehmen abgegeben - zum Beispiel bei der Verkehrslenkung. So sind die Posten zwar auf den Personallisten verschwunden, aber billiger für den Haushalt wurde es dadurch oft nicht. Von Tina Friedrich

Wer im Sommer in Berlin mit dem Auto unterwegs ist, kennt dies gut: Stau, Unfall, Baustelle: nichts geht mehr. Die Informationen darüber, wo die Berliner gut oder schlecht vorankommen, sammelt die Verkehrsinformationszentrale - kurz: VIZ. Sie ist eine einhundertprozentige Tochter von Siemens - und arbeitet im Auftrag der Verkehrslenkung Berlin, also der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Aufgaben, die die Zentrale von der Stadt übernehmen darf, sind klar definiert, sagt der Leiter der Verkehrsredaktion Andreas Müer. "Die Aufgaben, die wir erfüllen, greifen nicht unmittelbar in den Verkehrsablauf ein. Die Beeinflussung des Verkehrs durch beispielsweise Sperrungen sind eine Hoheitsaufgabe und nur von Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung durchführbar."

Heißt: vor neuralgischen Staustraßen warnen ja - ein Tempolimit einführen nein.

Foto: dpa-bildfunk
Wird beim Outsourcing der Wartung von Ampelanlagen Geld gespart?

Ein anderer Bereich, den die Verkehrslenkung an externe Firmen vergeben hat - ist die Planung und Wartung der mehr als zweitausend Ampelanlagen der Stadt - eine echte Arbeitserleichterung, wie der Leiter der Verkehrslenkung Jörg Lange sagt.

"Wir machen es, weil wir sonst die Arbeit dort gar nicht schaffen würden. Wir haben jetzt schon eine lange Bearbeitungszeit zwischen Antragseingang und Anordnung – das würde sonst noch länger dauern."

Müller: "Outsourcing spart kein Geld"

In der Zeit zwischen 2006 und 2012 hatte die Verkehrslenkung durch Auslangerungen rund 20 Posten eingespart. Mehr aber auch nicht, denn Outsourcing kostet Geld. Rund eineinhalb Millionen Euro bekommt die Verkehrsinformationszentrale jedes Jahr von der Verkehrslenkung.

Davon bezahlt die VIZ vier Redakteure, die im Schichtbetrieb Informationen aufbereiten, einige Techniker und Administratoren. Das Geld kommt aus verschiedenen Projekttöpfen und einem eigenen Posten für langfristig ausgelagerte Aufgabenbereiche. Im Haushalt macht es also keinen Unterschied, ob die Angestellten direkt für die Verkehrslenkung arbeiten oder indirekt über die VIZ bezahlt werden - das gibt auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller zu.

"Ich glaube, Outsourcing bedeutet überhaupt nicht, dass man Geld spart. Der einzige Vorteil ist, dass man möglicherweise schneller die entsprechenden Fachkräfte an Bord hat und mit denen dann in die Umsetzung gehen kann."

Geht es nach Jörg Lange, könnte die Verkehrslenkung ruhig noch mehr Aufgaben an Dritte abgeben, gerade im Sommer. "Wir haben jetzt den größten Stress mit den Baustellen-Anträgen, das macht total viel Arbeit."

Beitrag von Tina Friedrich

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