Die olympischen Ringe hängen über dem Olympiastadion in Berlin (Quelle: dpa)

Vorgaben von SPD, CDU und Piraten beschlossen - Abgeordnetenhaus für Olympia-Bewerbung

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat einer Bewerbung für Olympische Spiele 2024 oder 2028 unter Bedingungen zugestimmt. In dem Beschluss heißt es, die Berliner müssten am Konzept beteiligt werden und verbindlich abstimmen. Ungewöhnliche Allianz: die Bedingungen wurden mit den Stimmen der rot-schwarzen Koalition und der Piraten verabschiedet. Der Deutsche Olympische Sportbund hält sich allerdings noch alle Optionen für die Olympia-Bewerbung offen.  

Das Berliner Abgeordnetenhaus stimmt einer Bewerbung für Olympische Spiele 2024 oder 2028 grundsätzlich zu - allerdings hat es dazu am Donnerstag Bedingungen verabschiedet. Wichtigstes Kriterium sei die Beteiligung der Berliner am Konzept und am Ende eine verbindliche Bürgerabstimmung. Verabschiedet wurden die Vorgaben mit den Stimmen von SPD, CDU und Piraten. Ein Sonderausschuss im Parlament solle die Bewerbung vorbereiten und Beteiligungsmöglichkeiten entwickeln. Der CDU-Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen sagte: "Wir sagen nicht bedingungslos Ja zu Olympia, sondern Ja zu einer Bewerbungsphase".  

Ein als Bär verkleideter Mann hat am 11.08.2014 in Berlin am Neptun-Brunnen die Hände durch symbolische olympische Ringen gesteckt (Quelle: dpa)
Seltsame Allianz: CDU, SPD und Piraten beschließen Olympia-Bewerbung - Linke lehnen Olympia komplett ab

Die Parlamentarier erwarten zudem Reformen des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und fordern mehr Gestaltungsspielräume für die Städte. Austragungsort und IOC müssten Vertragspartner auf Augenhöhe sein. Zur Bedingungen macht das Parlament auch ein solides Finanzierungskonzept ohne die Aufnahme neuer Schulden. Der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner sagte, hier sei auch der Bund in der Pflicht. Die Sportstätten und das Olympische Dorf müssten nach den Spielen weiter genutzt werden. Temporäre Wettkampforte, die wieder abgerissen würden, müssten die Ausnahme sein.

Grünen enthielten sich - Linke lehnen ab

Die Grünen-Fraktion enthielt sich bei der Abstimmung. Sie hatte einen eigenen Antrag vorgelegt, der die Beteiligung der Bürger bereits bei der Entwicklung des Konzeptes stärker in den Mittelpunkt stellte. "Wir wollen eine sachorientierte Entscheidung und keine nach Bauchgefühl", sagte die Abgeordnete Anja Schillhaneck. Der rot-schwarze Senat bringe es kaum fertig, glaubhafte Beteiligungsverfahren zu entwickeln.

Die Linke lehnt eine Bewerbung ab, weil sie nicht daran glaubt, dass ihre schärferen Bedingungen erfüllt werden. Zuerst müsste aus Sicht der Linken in marode Schulen sowie sanierungsbedürftige Straßen und Brücken investiert und das Problem fehlender bezahlbarer Wohnungen gelöst werden. Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) lenke mit der Olympia-Bewerbung nur von den vielen Baustellen der Stadt ab, kritisierte die Linke-Abgeordnete Gabriele Hiller.

DOSB hält sich alle Optionen offen

Die Entscheidung über die deutschen Bewerber-Stadt für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 wird wahrscheinlich erst im kommenden Jahr und nicht wie zunächst geplant noch in diesem Dezember fallen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann hält sich beim weiteren Vorgehen des deutschen Sports im Falle einer Bewerbung Berlins oder Hamburgs weiter alle Optionen offen. Im Anschluss an die Veranstaltung "Dialog mit Vertretern der Zivilgesellschaft" in Frankfurt/Main, sagte er, die nächsten Schritte bis zum Start des offiziellen Bewerbungsverfahrens des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Ende 2015 sollten eng mit der Bevölkerung abgestimmt werden.

"Wir sollten die Menschen nicht nur überzeugen, sondern mit den Menschen gemeinsam ein stimmiges Konzept entwickeln", sagte Hörmann. Zu den Teilnehmern der Dialog-Veranstaltung zählten neben Vertretern Berlins und Hamburgs auch zahlreiche weitere Politiker und Sportfunktionäre sowie Judo-Olympiasieger Ole Bischof als Athletenvertreter. Bei den meisten von ihnen fand die Diskussion positive Resonanz. "Es wurden nicht so viele Fragen beantwortet, dafür aber viele gestellt. Das ist zu einem solchen Zeitpunkt des Verfahrens wichtig", sagte Ulrike Spitz von Transparency International Deutschland und forderte, es müssten weitere Veranstaltungen folgen.

Henkel zeigte sich in Frankfurt angetan

Berlins Innenminister Frank Henkel (CDU), der für den Sport zuständig ist, äußerte sich ebenfalls positiv über die Veranstaltung. Es hätte viele "Gedankenanstöße" gegeben. Zudem sei die Hauptstadt offen für Olympia. Henkel bezog sich damit auf Umfragewerte, wonach 53 Prozent der Berliner für Olympia sind. "Das ist eine klare Mehrheit, und wir stehen erst am Anfang des Prozesses", deutete Henkel die Umfragewerte.

Die DOSB-Spitze wird nun auf Präsidiumsebene die weitere Vorgehensweise diskutieren. Eine definitive Entscheidung über einen möglichen deutschen Kandidaten für die Spiele 2024 oder 2028 wird erst im kommenden Jahr fallen.