Demonstration von Hooligans in Köln (Bild: DPA)

Veranstalter korrigiert Teilnehmerzahl nach oben - 10.000 Hooligans in Berlin erwartet

Für eine am 15. November in Berlin geplante Hooligan-Demonstration hat der Veranstalter rund 10.000 Teilnehmer angemeldet. Zunächst war gegenüber der Polizei nur von 1.000 Demonstranten die Rede gewesen. Sie wollen sich unter dem Motto "Gegen Salafisten, Islamisierung und Flüchtlingspolitik" auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor versammeln.

Für eine am 15. November in Berlin geplante Hooligan-Demonstration hat der Veranstalter offiziell rund 10.000 Teilnehmer angemeldet. Die Berliner Polizei teilte dem rbb auf Anfrage auch mit, dass die Anmelder zunächst nur 1.000 Teilnehmer angegeben hatten. Die Demonstration unter dem Titel "Gegen Salafisten, Islamisierung und Flüchtlingspolitik" soll von 15 bis 21 Uhr am Pariser Platz direkt am Brandenburger Tor stattfinden. Nach rbb-Informationen kommt der Anmelder aus dem Sauerland und gehört zum Umfeld des virtuellen Hooligan-Netzwerkes "Hogesa".

Der Polizei ist der Anmelder nach eigenen Angaben nicht bekannt - gleichzeitig räumte sie ein, dass sie nicht beurteilen könne, wieviele Hooligans zu der geplanten Demo kommen. "Was am 15. November passiert, kann derzeit noch keiner einschätzen. Der Anmelder der Hooligan-Demonstration ist polizeilich nicht einschlägig bekannt, weder aus dem Rechtsextremen-Milieu noch von der Hooligan-Szene", sagte der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings könne der Anmelder auch ein Strohmann sein, der vorgeschoben worden sei. Die "Hooligans gegen Salafisten" seien ja kein Verein oder eine feste Gruppierung, bei der es verantwortliche Ansprechpartner gebe.

Hooligans sind keine politische Bewegung

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) will ein Verbot solcher "HoGeSa"-Versammlungen durch die Versammlungsbehörde prüfen lassen. "Der Rechtsstaat muss alle Mittel ausschöpfen, damit sich die neue Dimension von Straßenmilitanz, die wir in Köln erlebt haben, nicht wiederholt", sagte Henkel. Gewaltbereiten Gruppierungen dürfe nicht tatenlos die Straße überlassen werden.

Nach den Hooligan-Krawallen in Köln geht die Deutsche Polizeigewerkschaft davon aus, dass in Zukunft Verbote derartiger Aufmärsche eher vor Gericht Bestand haben. Derzeit werten die Beamten Bilder und Videos der gewalttätigen Kölner Hooligan-Demonstration am 26. Oktober aus. Auch Beamte der Berliner Polizei waren vor Ort und machten zahlreiche Teilnehmer aus der Berliner Hooligan-Szene aus, sagte der Berliner Polizei-Sprecher Thomas Neuendorf. Mit dem gesammelten Material der Polizei vom Wochenende könnten Richter überzeugt werden, dass es sich bei der Verbindung von Hooligans mit Rechtsextremisten um keine politische Bewegung handelt, so der Bundesvorsitzende Rainer Wendt, am Mittwoch dem rbb. "Sondern um Krawallmacher, die die Konfrontation mit der Polizei suchen, die Andersdenkende verfolgen und die auf nichts weiter aus sind als auf Gewalt."

Ausschreitungen am 9. November befürchtet

Vollkommen neuartig für die szenekundigen Beamten sei die Tatsache, dass in Köln an sich verfeindete Hooligan-Gruppen erstmals einträchtig vorgegangen seien, so Neuendorf. Auch für den 9. November rechnen die Behörden mit Versuchen der Hooligan-Szene, eine bereits bei der Polizei angemeldete Demonstration direkt am Reichstag für Ausschreitungen zu nutzen. Diese Demonstration wurde von einer Anmelderin aus dem Umfeld der sogenannten "Reichsbürger" unter dem Titel "Für die Heimat und den Weltfrieden" am 9. November direkt am Platz der Republik von 11 Uhr bis 22 Uhr angemeldet.

In Berlin sind laut Senat 1.554 gewaltorientierte Hooligans registriert; 1.311 von ihnen zählen zur Kategorie "gewaltbereit", 243 zur Kategorie "gewaltsuchend". Unter ihnen sind zudem 86 "der rechten Szene zugehörig", also Rechtsextremisten oder Neonazis. Das teilte die Senatsinnenverwaltung bereits im Sommer in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit. Laut Experten steigt sowohl die Zahl der Hooligans, als auch die der Rechtsextremisten in den Reihen der Schläger.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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