S-Bahn-Ring-Plan (Quelle: dpa)
Inforadio | 28.10.2014 | Sebastian Schöbel

National Express aus dem Rennen - Letzter Bahn-Konkurrent um den S-Bahn-Ring gibt auf

Seit Jahren beschäftigt den Berliner Senat die Zukunft der Ringbahn. Nach der S-Bahn-Krise 2009 wurden die Rufe nach einem Betreiberwechsel immer lauter. Doch die Ausschreibung des Rings ist nun offenbar krachend gescheitert: Der letzte Konkurrent der Bahn zieht sich zurück, weil das Risiko einfach zu groß geworden ist. Von Sebastian Schöbel

Aus dem Wettbewerb um den S-Bahn-Ring, immerhin das Filetstück des Berliner Nahverkehrs, ist eine Solofahrt der Deutschen Bahn geworden. Wie der rbb erfuhr, hat sich auch der letzte Konkurrent des Bahn-Konzerns, das englische Unternehmen National Express, aus dem Wettbewerb zurückgezogen. Die Entscheidung ist laut Brancheninsidern bereits Mitte Oktober gefallen.

National Express war laut rbb-Informationen neben der Deutschen Bahn der letzte verbliebene Bewerber im Feld. Andere Firmen, unter anderem aus Frankreich, China und Japan, hatten sich schon vorher zurückgezogen.
Damit endet ein langer Ausschreibungsprozess am Ende wohl mit dem Ergebnis, dass alles beim Alten bleibt.

Forderungen des Senats machten Wettbewerb schwierig

Ein "Desater", meint Heiko Herberg von der Berliner Piratenfraktion. "Das ganze Verfahren hat man überhaupt erst gestartet, um durch mehrere Bewerber der Macht, die die Deutsche Bahn beim Preis und den Gebühren ausüben kann, etwas entgegenzusetzen. Jetzt haben wir ein teures Bewerbungsverfahren, und am Ende bleibt trotzdem die Deutsche Bahn übrig. Obwohl wir seit fünf Jahren keinen ordentlichen Betrieb der S-Bahn haben."

Warum sich National Express zurückgezogen hat, war vom Unternehmen selbst nicht zu erfahren. Man dürfe sich zur Ausschreibung wegen der Schweigepflicht nicht äußern, so das Unternehmen auf Anfrage des rbb.

Brancheninsider nennen gegenüber dem rbb jedoch Gründe: So sei die Ausschreibung auf Drängen des Senats etliche Male verändert und zunehmend komplizierter gemacht worden. Besonders kritisch war demnach die Bedingung, dass alle Bewerber um den Ring einen eigenen Fuhrpark mit rund 400 Zügen mitbringen und finanzieren, was rund 800 Millionen Euro gekostet hätte. Ein Kardinalfehler, meint Heiko Herberg. "Einem Bewerber zu sagen, du kannst hier 15 Jahre fahren, musst aber eigene Züge kaufen, wo du danach gar nicht weißt, was du mit denen anfangen kannst: Das ist für jemanden, der nicht wie die Deutsche Bahn über die S-Bahn auch andere Linien befährt, ein Geschäft, das man nicht kalkulieren kann."

Grüne bezweifeln Objektivität der Ausschreibung

Die Finanzierung der 400 Züge wäre laut Informationen des rbb aber nicht unmöglich gewesen, Geldgeber dafür hätten sich durchaus finden lassen, heißt es. Allerdings wollten vor allem Banken nach der Finanzkrise 2008 Sicherheiten sehen.

Doch diese Sicherheit war schließlich dahin, als in diesem Jahr die Entscheidung fiel, den bis 2017 laufende Vertrag mit der Deutschen Bahn bis 2023 zu verlängern. Damit, so Brancheninsider, war die Ausschreibung auch für National Express endgültig wirtschaftlich zu riskant geworden.  

Für die Berliner Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ramona Pop, drängt sich nun der Verdacht auf, dass der Wettbewerbsgewinner aus Sicht des Senats schon von Anfang an feststand. "Das wird man sich genauer anschauen müssen, aber es macht den Eindruck, dass in dieser Ausschreibung der Wettbewerb nicht von vornherein gewünscht gewesen ist."

Die Grünen kündigen nun an, sich die Unterlagen zur Ausschreibung noch einmal ganz genau anzuschauen, wenn das Verfahren abgeschlossen ist. Eine politische Bewertung traut sich Ramona Pop aber schon heute zu: "Nach all den Rechtsstreitigkeiten, der Dauer des Verfahrens, macht es den Eindruck, dass das der kleine BER des Michael Müller werden könnte."

Beitrag von Sebastian Schöbel

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