Ex-Regierungssprecher Klaus Bölling im Alter von 86 Jahren gestorben (Archivbild von 2007, Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 02.11.2014 | Andreas Jöhrens

Früherer Regierungssprecher starb im Alter von 86 Jahren - Klaus Bölling ist tot

1974 berief ihn Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Regierungssprecher - seitdem prägte Klaus Bölling das Sprecheramt wie nur wenige vor und nach ihm. Seine Karriere hatte der gebürtige Potsdamer beim "Tagesspiegel" und bei RIAS Berlin begonnen. Jetzt ist Bölling im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der frühere Regierungssprecher Klaus Bölling ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Mit Bölling verliert das politische Berlin eine seiner prägenden Persönlichkeiten. Noch viele Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Politik war Bölling als Publizist und Kommentator tätig.

Archivbild: Klaus Bölling im Jahr 1981 als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR in seinem Büro in Ost-Berlin (Quelle: imago)
Klaus Bölling im Jahr 1981 als ständiger Vertreter der BRD in seinem Ostberliner Büro

Vom Zeitungsredakteur zum Intendanten

Bölling war Jahrgang 1928 und wurde in Potsdam geboren. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er als Flakhelfer eingesetzt. Später machte Bölling im Berliner Bezirk Zehlendorf sein Abitur und studierte er an der Ost-Berliner Humboldt-Universität Geschichte und Germanistik.

Bereits ab 1947 arbeitete Bölling als Redakteur beim Berliner Tagesspiegel und bei RIAS Berlin. Später wechselte er zum Westdeutschen Rundfunk (WDR). Dort entwickelte er in den 60er-Jahren zusammen mit Gerd Ruge die Sendung "Weltspiegel", die bis heute in der ARD ausgestrahlt wird. 1969 wechselte Bölling nach Washington und leitete dort vier Jahre lang das ARD-Studio. Anschließend übernahm er das Intendantenamt bei Radio Bremen.

Regierungssprecher Klaus Bölling mit Bundeskanzler Helmut Schmidt (Archivbild von 1977, Quelle: dpa)
Waren gut befreundet: Klaus Bölling (li.) und Bundeskanzler Helmut Schmidt

Gesicht der Bundesregierung in bewegten Zeiten

Im Laufe des Jahres hatte sich Bölling als kritischer Begleiter des Zeitgeschehens etabliert und sich nicht nur in der ARD einen Namen gemacht. Auch Bundeskanzler Helmut Schmidt war auf den Potsdamer aufmerksam geworden und berief das SPD-Mitglied 1974 zum Sprecher der Bundesregierung.

Bölling trat das Amt an, ohne zu wissen, welche Herausforderungen am Ende der 70er-Jahre auf ihn warten würden. So wurde seine Zeit als Regierungssprecher unter anderem durch die Terroranschläge der "Roten Armee Fraktion" (RAF) geprägt. Während der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu hielt Bölling Kontakt zu den Flugzeugentführern.

Im Februar 1981 trat er die Nachfolge von Günter Gaus als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR an. Ein Jahr später kehrte er jedoch in sein Amt als Regierungssprecher zurück und übte dies bis zum Ende der sozialliberalen Koalition im Jahr 1982 aus.

Steinmeier würdigt Verdienste von Bölling

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Bölling als "Stimme der Regierung von Helmut Schmidt". Bölling habe sich vor allem Ende der 70er-Jahre große Verdienste erworben: "Der 'Deutsche Herbst' 1977 hat im kollektiven Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland tiefe Spuren hinterlassen. Auch in diesen wirklich schwersten Momenten und unter allergrößtem Druck hat Klaus Bölling mit seiner ruhigen Art und großen Glaubwürdigkeit Vertrauen geschaffen", sagte Steinmeier, der sich derzeit in Indonesien aufhält.