Die Gedenkstätte an der Stelle, wo sich die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Neubrandenburg befand, aufgenommen am 04.11.2014 in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) (Quelle: dpa)

Gedenken in Berlin und Brandenburg - Jüdische Gemeinde erinnert an Novemberpogrome

Der diesjährige 9. November stand ganz im Zeichen des Mauerfalls vor 25 Jahren. Er ist aber auch ein Schicksalstag für Millionen von Juden: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten Synagogen und jüdische Geschäfte. In Berlin und Brandenburg wurde an dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte erinnert.

Die Jüdische Gemeinde in Berlin hat am Montag an die Novemberpogrome von 1938 erinnert. Bei der Gedenkveranstaltung im Gemeindehaus Fasansnstraße mahnte Innensenator Frank Henkel, dass auch heutzutage gegen Antisemitismus vorgegangen werden müsse.   

Die Zivilgesellschaft müsse einschreiten, wenn Juden wie zuletzt im Sommer auf antiisraelischen Demonstrationen in der Öffentlichkeit beleidigt oder gar attackiert werden, so der CDU-Politiker. Berlin sei stolz darauf, dass die Stadt Jahrzehnte nach dem Holocaust Jüdinnen und Juden eine sichere und lebenswerte Heimat geworden ist. "Und wir werden alles tun, damit das so bleibt", versicherte Henkel.

Namenslesung für die mehr als 55.000 ermordeten Berliner Juden

Das musikalische Rahmenprogramm der Gedenkfeier gestalteten der Geiger David Malaev gemeinsam mit den Kantoren Jochen Fahlenkamp und Avitall Gerstetter. Zum Abschluss wurde am Mahnmal des Jüdischen Gemeindehauses ein Kranz niedergelegt. Das Gedenkgebet sang Kantor Isaac Sheffer.

Bereits seit dem Montagvormittag wurden zudem vor dem Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg die Namen aller 55.696 ermordeten Berliner Juden von Freiwilligen verlesen. Alle Berliner waren dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Die jährliche Namenslesung gibt es seit 1996.

Rosen liegen auf Stolpersteinen (Quelle: imago stock&people)
Stolpersteine erinnern an die ermordeten Juden im Nationalsozialismus

Wegen der Feiern zum 25 Jahrestag des Mauerfalls in Berlin am Wochenende wurde das Gedenken der Jüdischen Gemeinde einen Tag später als üblich durchgeführt. 

Bereits am Sonntag hatten Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche an die Pogrome gegen Juden vom 9. November 1938 erinnert. Der evangelische Landesbischof, Dröge, sagte, die nationalsozialistischen Taten seien wie ein Gegenbild der friedlichen Revolution in der DDR. Der Kölner Kardinal Woelki appellierte an alle Christen, wo immer es heute nötig sei, gegen jede Form von menschlicher Gewalt und Unterdrückung aufzustehen.

Frankfurt (Oder) erinnerte mit Sternmarsch an die Opfer

In Frankfurt (Oder) erinnterten rund 150 Menschen mit einem Sternmarsch am Sonntagnachmittag an die Pogromnacht vor 76 Jahren. Die Strecke führte vom Bahnhofsvorplatz zu rund 140 Stolpersteinen in der Oderstadt. Die im Pflaster eingelassenen Steine verweisen in vielen Städten auf die einst dort lebenden Juden.

Zwei der Stolpersteine des Sternmarschs lagen im angrenzenden polnischen Slubice. Bis 1945 war das Stadtgebiet Teil von Frankfurt (Oder). Auch in anderen brandenburgischen Städten und in Berlin wurde am Sonntag der Opfer der Pogromnacht gedacht.

Rund 400 Juden starben bei den Pogromen

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen Juden übergegangen. Etwa 1.400 Synagogen wurden deutschlandweit angezündet, zudem Tausende jüdische Geschäfte zerstört und Wohnungen verwüstet. Etwa 30.000 Juden wurden anschließend in Konzentrationslager deportiert, rund 400 bei den Pogromen ermordet.

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