"Prohibition ist gefährlich" - Hanfverband startet Kino-Spots zur Legalisierung von Cannabis

Um die Legalisierung von Cannabis wird in Deutschland erbittert gestritten - in Berlin etwa um einen legalen Coffeeshop in Kreuzberg, um dem Problem des illegalen Dealens Herr zu werden. Der Deutsche Hanfverband bringt nun noch einmal Schwung in die Diskussion mit Kino-Spots zur Legalisierung. Von Annette Miersch

Aus großen blauen Augen fleht eine alte Dame einen Apotheker an: "Guten Tag, ich brauche bitte Dronapinol." – "Das ist cannabishaltig, das darf ich Ihnen nicht verkaufen", antwortet der Apotheker – "Aber das ist das einzige Medikament, das wirkt"! Die Frau bittet den Apotheker vergeblich.

Auf der Suche nach einem Dealer landet sie schließlich in einer verkommenen Tiefgarage: Vor grellen Scheinwerflicht erscheinen die bedrohlichen Silhouetten dreier Kerle, die auf sie zukommen. Der Film lässt es offen: vielleicht sind es Dealer, fiese Schläger? Egal, soweit muss es erst gar nicht kommen, so die Sprecherstimme aus dem Off, die "Sicherheit statt Kriminalisierung" fordert.

 

Plakativ bleibt die Botschaft auch in den anderen beiden Legalisierungs-Spots, die der Deutsche Hanfverband seit Dienstag in deutschen Kinos zeigt: Harmlose, gutbürgerliche Konsumenten stehen brutalen, beängstigenden Dealern gegenüber. Das ist gewollt, erklärt Spot-Initiator Georg Wurth, Geschäftsführer des Interessenverbandes für Legalisierungs-Befürworter: "Dass die Konsumenten in dem Film harmlos sind, ist Absicht, weil das natürlich so ist. Die werden kriminalisiert und das ist nicht in Ordnung".

In einem der Spots wird der kriminelle Schwarzmarkt dargestellt – Dealer werden mit Waffen gezeigt, jemand wird gefoltert - zum Schluss warnt der Sprecher aus dem Off: "Prohibition ist gefährlich."

"Das ist natürlich schon plakativ", gesteht Wurth ein. Aber: "Dealer sind nicht alle böse, das sind nicht alles fiese Kriminelle. Aber diejenigen, die mit ihre Vorstellungen mit Waffengewalt durchsetzen oder ihre Marktanteile sichern wollen, die wollen wir da heraus haben – genauso wie diejenigen, die Cannabis strecken."

Polizisten bei einer Drogen-Razzia im Görlitzer Park (Quelle: dpa)
Fast schon alltägliches Bild: Drogenrazzia im Görlitzer Park in Kreuzberg

Wurth: Konsumenten nicht weiter kriminalisieren

Die aktuelle Cannabis-Debatte in Berlin verfolgt der Lobbyist natürlich mit. Im Streit um den Görlitzer Park setzt Innensenator Henkel von der CDU mittlerweile auf mehr Durchsuchungen und verstärkte Polizeipräsenz, auch Berlins Drogenbeauftragte fordert härteres Vorgehen gehen Dealer und Kiffer. Georg Wurth hält solche Verbote für den falschen Weg. Vor allem sollten Konsumenten nicht weiter kriminalisiert werden, sagt er. Von Experten höre er zudem immer wieder, das Betäubungsmittelgesetz gehöre auf den Prüfstand.

Die drei Hauptanliegen des 2002 gegründeten Verbandes sind die Legalisierung von Cannabis, die Entkriminalisierung der Konsumenten und Dealer und medizinische Aspekte des Hanfs. Insgesamt drei Spots von jeweils 30 Sekunden Länge hat der Verband entsprechend produzieren lassen. 450.000 Euro wurden investiert, sagt Wurth. Und das Brett, das er damit bohren will, ist hart.

"Die gleiche Verantwortung wie bei Alkohol"

Viele Bürger sind skeptisch: "Ich bin nicht für die Legalisierung von Cannabis, weil es eine Droge ist", sagt ein Passant nach der Premiere der Spots am Potsdamer Platz. "Dieses illegale dealen ist schwierig", kommentiert eine junge Frau. Ein Mann sagt: "Die Illegalisierung finde ich unmöglich – auch, weil mein Sohn das einmal gemacht hat – in der Berufsschule auch noch!" – "Ich sehe es genau anders", sagt ein Befürworter, "Es sollte legalisiert werden. Wobei dann jeder die gleiche Verantwortung hat, wie bei Alkohol."

Ab Donnerstag soll die Legalisierungs-Werbung bundesweit in etwa 50 Filmtheatern laufen, gekoppelt an neue potentielle Kassenschlager. "Eine Kampagne dieser Größenordnung hat es hier noch nie gegeben", betont Wurth im Netz. Auf seiner Webseite stellt der Hanfverband eine Liste mit den Kinos bereit. Online werden die Spots in den kommenden Tagen nacheinander ebenfalls veröffentlicht.

Ab Sonntag sollen alle drei Filme in Kurz- und Langfassung auf dem Youtubechannel des Deutschen Hanfverbands zu sehen sein.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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