Neuer Lehrplan ab dem Schuljahr 2015/16 - Weniger Geschichte für Brandenburgs Schüler

Brandenburger Lehrer sorgen sich um einen Abbau des Unterrichts im Fach Geschichte. Nach einem neuen Rahmenlehrplan soll dieser teilweise in das Fach Gesellschaftswissenschaften aufgehen und in den höheren Klassen reduziert werden. Der Verband der Geschichtslehrer ist besorgt. Über den neuen Lehrplan kann demnächst im Internet diskutiert werden.

Gerade noch wurden die Deutschen für ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gelobt, nun soll Kinder der Geschichtsunterricht gekürzt werden. Der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor sprach am Sonntag im Bundestag von einem vorbildlichen Umgang des Landes mit der eigenen Geschichte - während der Verband der Geschichtslehrer über einen drohenden Abbau des Fachunterrichts im Brandenburg klagt.

Nach einem neuen Rahmenplan solle dort der Geschichtsunterricht in den Klassen 5 und 6 künftig in einem allgemeinen Fach Gesellschaftswissenschaften aufgehen, sagte der Landesvorsitzende Günter Kolende. "Da ist die Vermittlung der Geschichte nur noch ein Teil neben Geografie und politischer Bildung." Für eine fundierte Vermittlung des Geschehens gerade in den letzten 25 Jahren nach der Wende bleibe zu wenig Platz.

Bildungsminister Baaske lädt zur Diskussion ein

Diese bedenkliche Entwicklung setze sich in der Sekundarstufe I fort, wo es in den Klassen 7 und 9 nur jeweils eine Wochenstunde Geschichte gebe. "Das reicht nicht für eine Vermittlung früherer Epochen wie dem Absolutismus und dem 18. Jahrhundert, aber auch nicht für die deutsche Geschichte seit der Weimarer Republik", sagt Kolende. In den Klassen 8 und 10 gibt es jeweils zwei Wochenstunden. Der Verband fordert den Erhalt des Geschichtsunterrichts in der Grundschule und mindestens zwei Wochenstunden in allen Klassen der Sekundarstufe I.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) wird den Verband einem Ministeriumssprecher zufolge zu einem Gespräch über den Rahmenlehrplan einladen. Nach Angaben des Ministeriums soll der Plan außerdem demnächst ins Netz gestellt und mit den Beteiligten diskutiert werden, bevor er zum Schuljahr 2015/2016 in Kraft treten soll.
In dem neuen Fach in den Klassen 5 und 6 solle Geschichte mit anderen gesellschaftlich wichtigen Themen verknüpft werden. Das sei im Saarland bereits eingeführt und werde in Thüringen erprobt. Geschichte und Erinnerungskultur behalte in Brandenburg aber einen hohen Stellenwert, betonte Engels. Allein für das Gedenkstättenkonzept setze das Land daher 13 Lehrkräfte ein.

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