Leer sind sich die Halterungen für die Gedenkkreuze der Mauertoten am 03.11.2014 am Spreeufer im Berliner Regierungsviertel. Im Hintergrund ist das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zu sehen. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 03.11.2014 | Laurence Thio

Aktionskünstler wollen auf Opfer an EU-Grenzen hinweisen - Gedenkkreuze für Maueropfer entwendet

Nur wenige Tage vor dem Mauerfall-Jubiläum sind in Berlin sieben Gedenkkreuze für Maueropfer verschwunden. Aktionskünstler wollen die Kreuze an die Außengrenzen der EU bringen, um auf das Schicksal von Flüchtlingen dort hinzuweisen. Politiker haben wenig Verständnis für die Aktion.

Sieben Gedenkkreuze für Mauertote sind im Berliner Regierungsviertel entwendet worden. Das Fehlen der Kreuze am Spreeufer vor dem Reichstagsgebäude wurde am Montagmorgen entdeckt. Zu der Aktion hat sich eine Gruppe von Aktionskünstlern bekannt - das "Zentrum für politische Schönheit".

Die weißen Kreuze sollten an die Außengrenzen der EU gebracht werden, sagte deren Sprecher Philipp Ruch. Mit der Aktion will die Gruppe an die mehreren Tausend Toten erinnern, die beim dem Versuch, die EU-Grenzen zu überwinden, gestorben sind. "Der Europäische Vorhang muss fallen!", fordert das "Zentrum für politische Schönheit" auf seiner Internetseite.

Wegen der offensichtlich politischen Motivation der Täter ermittelt der Staatsschutz.

Fotos von Kreuzen angeblich aus Marokko

Die Gruppe hat auf ihrer Internetseite Fotos veröffentlicht, auf den mutmaßlich Flüchtlinge mit den weißen Kreuzen oder Kopien davon zu sehen sind. Die Fotos sollen den Angaben zufolge in der spanischen Enklave Melilla in Marokko entstanden sein. Außerdem werden Bilder mit ähnlichen, allerdings unbeschrifteten Kreuzen an verschiedenen Stacheldrahtzäunen gezeigt.

Die Installation am Reichstag war von einem privaten Verein zur Erinnerung an die Opfer der deutschen Teilung aufgestellt worden. Die sieben weißen Kreuze erinnern auf Vorder- und Rückseite an 13 namentlich genannte sowie die unbekannten Opfer der Mauer.

CDU-Politiker empört

Berlins CDU-Fraktionschef Florian Graf zeigte sich erschüttert. "Der Diebstahl von Mauerkreuzen entwürdigt das Andenken an die Menschen, die für ihre Freiheit gestorben sind, und überschreitet jede moralische Form von Auseinandersetzung in der Sache", erklärte er. Die Flüchtlingsaktivisten hätten ihrem Anliegen mit dem Diebstahl der Kreuze "wieder einmal einen Bärendienst erwiesen".

Der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner bezeichnete die Aktion als pietätlos. "Es ist unfassbar, wie die Opfer der SED-Diktatur von ideologischen Wirrköpfen für gegenwärtige Zwecke missbraucht werden." Opfergruppen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus verurteilte den Raub als "brutalen Akt". Damit werde von sogenannten Flüchtlingsaktivisten das Gedenken der Toten von Mauer und Stacheldraht während der Teilung Deutschlands in den Schmutz gezogen, betonte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung, Hugo Diederich. Dies grenze an Zynismus.

Die Aktivisten werben mit dem Diebstahl der Kreuze auch für eine Aktion, bei der sie am kommenden Wochenende - parallel zu den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Deutschland - in Südeuropa Löcher in Grenzanlagen schneiden wollen. Im Namen von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) versprachen sie zudem, mit einer vermeintlichen "Kindertransporthilfe des Bundes" syrische Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen.

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