Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU, l-r), Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesratspräsident Volker Bouffier (CDU) und der Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof legen in der Neuen Wache in Berlin Kränze nieder (Quelle: dpa)

Gedenken zum Volkstrauertag - Mit Deutschland trauern

Zum Volkstrauertag ist in Berlin an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert worden. Bundespräsident Gauck und Verteidigungsministerin von der Leyen legten in der Gedenkstätte Neue Wache Kränze nieder. Anschließend fand im Bundestag eine Feierstunde statt. Dort lobte der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, Deutschland für das Engagement in der Aufarbeitung.

Der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor hat die Deutschen für ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gelobt. In der Erforschung des eigenen Gewissens seien sie weltweit ein Vorbild, sagte Primor am Sonntag in der Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag in Berlin. In Denkmälern sei die "Erinnerung an die eigene nationale Schande" verewigt worden. "Das haben bis heute nur die Deutschen getan", sagte der 79 Jahre Publizist, der von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in Deutschland war: "Mit so einem Deutschland trauere ich gerne zusammen." Primor verwies darauf, dass in anderen Ländern mit Denkmälern und Gedenkstätten an große Siege erinnert werde und Helden gewürdigt würden, die dem Vaterland Ruhm brächten: "Aber wo haben Sie jemals weltweit eine Nation gesehen, die Denkmäler baut, um sich an das eigene Verbrechen zu erinnern?"

Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, spricht anlässlich des Volkstrauertages bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 16.11.2014 im Bundestag in Berlin (Quelle: dpa)
Der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor lobt die Deutschen für ihr Geschichtsbewusstsein

Kränze für die Opfer und Gefallenen

Bundespräsident Joachim Gauck gedachte der Opfer von Gewalt und Krieg, der Kinder, Frauen und Männer aller Völker. "Unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen - zu Hause und in der ganzen Welt." Gauck erinnerte an Opfer der heutigen Kriege und Bürgerkriege, von Terrorismus und politischer Verfolgung. Getrauert werde auch um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Ausland ihr Leben verloren hätten. Gedacht werde auch derer, die in Deutschland Opfer von Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache geworden seien. Gauck und Verteidigungsministerin von der Leyen hatten vor der Feierstunde Kränze in der Gedenkstätte Neue Wache niedergelegt. An der Zeremonie nahmen auch der Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als amtierender Bundesratspräsident und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) teil.

Volkstrauertag 1952 wieder eingeführt

Bereits am Morgen hatten Vertreter der Bundeswehr und der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, Kränze auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee niedergelegt. Am
Volkstrauertag wird in Deutschland alljährlich der Toten beider Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Der Volkstrauertag, der jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen wird, wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Die Ursprünge reichen bis in das Jahr 1922. Damals veranstaltete der Volksbund eine Feier, um das Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges zu wahren. Seine zentrale Gedenkfeier begeht der Volksbund seit einigen Jahren im Plenarsaal des Bundestages in Berlin. Auch in Brandenburg wurde heute an mehreren Orten der Toten der beiden Weltkriege sowie der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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