Mahnmal für die unbekannten Maueropfer am Spreeplatz (Quelle: imago)

Streit um entwendete Gedenkkreuze - Die Kreuze sind wieder da

Der Diebstahl der Gedenkkreuze für die Opfer der Berliner Mauer hat für heftige Reaktionen gesorgt. Die Künstleraktion gegen die Flüchtlingspolitik der EU löste vielerorts Empörung aus. Und der Streit geht weiter: Jetzt geht es um die Rolle des Gorki-Theaters in der Aktion. Die Kreuze wurden inzwischen wieder an Ort und Stelle zurückgebracht.  

Die gestohlenen 14 weißen Gedenkkreuze für die Berliner Mauertoten sind wieder zurück. Wie die Polizei am Montag mitteilte, brachten vier Personen die entwendeten Kreuze am Sonntagabend wieder an die Gedenkstätte zurück. Unter Polizeiaufsicht hätten die 27, 32 und 41 Jahre alten Männer sowie eine 31-jährige Frau die Kreuze wieder angeschraubt. Nach Feststellung der Personalien hätten die Beamten die vier wieder laufen lassen. Die Ermittlungen werden beim polizeilichen Staatsschutz fortgeführt.

Die Aktionskünstler des sogenannten Zentrums für politische Schönheit (ZPS) hatten in der vergangenen Woche die Kreuze am Spreeufer hinter dem Reichstagsgebäude entwendet, um so auf die vielen Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die bei dem Versuch umkommen, auf EU-Gebiet zu gelangen. Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum in Berlin fuhren die Aktivisten nach Südosteuropa und demonstrierten mit Bolzenschneidern an Zäunen der EU-Außengrenze.

Grüne: Henkel versucht Gorki-Theater zu bedrohen

Unterdessen ist ein Kommentar von Berlins Innensenator Frank Henkel zum Diebstahl der Kreuze bei den Landesgrünen auf heftige Kritik gestoßen, in dem der CDU-Politiker dem Maxim-Gorki-Theater Mittäterschaft an der Aktion vorwirft. Henkel habe keinerlei Anhaltspunkte für seine Anschuldigungen vorgelegt, sagten die Grünen-Abgeordneten Canan Bayram und Benedikt Lux am Montag im Innenausschuss. Stattdessen versuche er, das Theater zu bedrohen.

Der Berliner SPD-Politiker Aziz Bozkurt verurteilte Henkels Kommentar als abstoßend und nicht hinnehmbar. "Der Versuch, das Theater und die Intendantin an den Pranger zu stellen, ist ein dummer Versuch, durch Druck Kunst gefügig zu machen", sagte der
Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt laut einer Mitteilung.

Henkel hatte am Wochenende in einem Gastkommentar im "Tagesspiegel" geschrieben, die "verabscheuungswürdige Tat" erhalte eine neue Dimension: "Denn mittlerweile gibt das Maxim-Gorki-Theater zu, die Aktion unterstützt zu haben, auch wenn das Ausmaß noch nicht ganz klar ist." Der Senator wirft Intendantin Shermin Langhoff vor, sich hinter dem Kunstbegriff zu verstecken, "wenn sich am Opfergedenken versündigt wird".

Aktion europäischer Mauerfall des Zentrums für politische Schönheit: Aktivisten halten Bolzenschneider in die Luft (Quelle: Björn Kietzmann)
Mit Bolzenschneidern gegen Zäune: Protest gegen die Abschottung der EU vor Flüchtlingen.

Gorki-Intendantin Langhoff lobte Mut der Aktivisten

Die Intendantin hatte der Zeitung zufolge anlässlich der Abreise der Aktivisten vor dem Theatergebäude eine Rede gehalten, in der sie betonte, keinesfalls das Andenken an die Mauertoten schmälern zu wollen. Sie sei jedoch froh, dass die Aktivisten den Mut hätten, eine Debatte zu forcieren.

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" hat das Theater das Zentrum für Politische Schönheit auch in anderer Hinsicht bei seiner Aktion unterstützt. So hätten die Aktivisten, die die Kreuze entwendet haben, Mittel aus dem Hauptstadtkulturfonds erhalten. Zudem bestätigte Langhoff der Zeitung, dass Duplikate der Kreuze in ihrem Haus gefertigt wurden. Den Plan, die Mauerkreuze zu stehlen, habe sie aber nicht gekannt.

Die Aktionen des "Zentrums für Politische Schönheit"

Die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit

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1 Kommentare

  1. 1.

    Ich fand die Aktion zwar Wirkungsvoll aber irgendwie zu "eurozentrisch". Mauern werden nicht nur auf der Außengrenze der EU aufgebaut. In der mexikanischen Grenze zu USA oder in Israel entwickelte sich in diesem Moment denselben Horror und dasselbe unmenschliche Drama wie in Marokko, Melilla oder Bulgarien.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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