Christoph Partsch, Berlins Vertrauensanwalt (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 03.12.2014 | Tina Friedrich

Porträt des Berliner Vertrauensanwalts - Der Mann fürs Korrupte

Berlin war jahrzehntelang berüchtigt für seinen Behörden-Filz, der so manchem Baulöwen windige Geschäfte ermöglichte. Seit nunmehr drei Jahren bezahlt der Senat Christoph Partsch dafür, die Korruption in den eigenen Reihen aufzudecken. Als so genannter Vertrauensanwalt nimmt er Korruptions-Hinweise von jenen entgegen, die selbst anonym bleiben wollen. Tina Friedrich stellt den "lebenden Briefkasten" vor.

Wer zu Christoph Partsch kommt, erhebt meist schwere Vorwürfe: Millionen versickern, Rechnungen verschwinden, Aufträge gehen an Firmenfreunde. Für Partsch wertvolle Hinweise. Diskretion ist Ehrensache. Wer anonym bleiben will, ist beim promovierten Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei am Kurfürstendamm genau richtig.

Denn Partsch muss dem Gericht oder der Staatsanwaltschaft nicht sagen, wer sein Informant ist. Für einige steht die berufliche Existenz auf dem Spiel, wenn sie Korruption in der eigenen Behörde aufdecken. "Gerade wenn es sich um sehr bedeutende Hinweise handelt, besteht zu Recht die Besorgnis, was passiert mir, wenn ich bekannt werde als Hinweisgeber? Dafür ist meine Stelle eingerichtet, dass ich die Person schützen kann," erläutert Partsch.

Hinweise zu Vergabeverfahren, Krankenhäusern, Baustellen

Seit drei Jahren ist Partsch Vertrauensanwalt des Landes Berlin. Hunderte Hinweise erreichen ihn pro Jahr per Post, Telefon oder E-Mail. 90 Prozent der Hinweisgeber prangern Korruption an, zum Beispiel bei Vergabeverfahren, in Krankenhäusern oder auf Baustellen, vor allem von Bezirken. Zuständig ist er allerdings nur für Vorfälle in den Senatsverwaltungen. Und auch dann ermittelt er nicht selbst.

"Ich hab nur eine Mittlerrolle, ich gebe das weiter, und sage dann: Bitte berichten Sie mir, wie es ausgegangen ist", sagt Partsch. In der Mehrzahl der Fälle bekomme er dann die Antwort: Wir haben uns das angesehen und sehen da keinen Anlass zu weiteren Nachforschungen. "Aber es gibt auch Fälle, wo staatsanwaltliche Ermittlungen eingeleitet werden - und die dauern dann."

"Als Steuerzahler muss sich dafür einsetzen"

15 Fälle waren bisher in diesem Jahr strafrechtlich relevant. Auch wenn das nicht besonders viel ist, ist Partsch zufrieden. Wenn er Zeit findet, vernetzt er sich mit Gleichgesinnten, wie auf dem Antikorruptions-Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und informiert sich zum Beispiel über neue Entwicklungen beim Informantenschutz. In seiner Kanzlei berät er zudem auch Versicherungen, Banken und mittelständische Unternehmen, die "Corporate Government"-Systeme einführen wollen - auch da geht es also darum, Korruption aufzudecken und ihr vorzubeugen.

Als Idealist sieht sich Partsch nicht. "Ich glaube als Steuerzahler wie als Bürger dieses Staats muss man sich dafür einsetzen, dass Korruption, was unglaublich viel Steuergeld kostet, zurückgedrängt wird und der Staat besser wird." Er sieht sich dennoch erst am Beginn seiner Aufgabe - und wäre schon damit zufrieden, wenn ein paar mehr Menschen wüssten, dass es in Berlin einen Vertrauensanwalt gibt.

Beitrag von Tina Friedrich

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