Außenansicht des Rathauses in Lichtenberg (Quelle: imago)
Video: Abendschau | 02.12.2014 | Florian Eckardt

Nach dem Abgang von Bezirksbürgermeister Geisel in den Senat - Gerangel um Neu-Besetzung im Lichtenberger Rathaus

Die Berliner SPD-Politikerin Birgit Monteiro soll Chefin des Lichtenberger Rathauses werden und damit die Nachfolge von Bezirksbürgermeister Andreas Geisel antreten, der in den Senat wechselt. So jedenfalls plant der Parteikreisvorstand. Aber die Linke im Bezirk will das nicht einfach so hinnehmen und bastelt an neuen Allianzen für einen Linken-Bezirksbürgermeister.

Birgit Monteiro, SPD-Parlamentarierin im Abgeordnetenhaus, soll nach dem Willen ihrer Partei neue Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg werden. Der Kreisvorstand werde vorschlagen, sie als Nachfolgerin des designierten Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel zu nominieren, teilte die SPD am Dienstag mit. Wenn die Kreisdelegiertenversammlung am 20. Dezember zustimmt, könnte Monteiro im Januar gewählt werden.

Nachfolgerin für Andreas Geisel

Die 45-jährige Monteiro würde dem bisherigen Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (ebenfalls SPD) nachfolgen, der unter dem designierten Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) Stadtentwicklungssenator werden soll. Monteiro ist seit 1995 Mitglied der SPD. Fünf Jahre lang war sie Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Lichtenberg. 2006 wurde sie dann ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Dort ist sie nun seit 2011 arbeitsmarktpolitische Sprecherin und Sprecherin für Behindertenpolitik.

Und SPD-Kreischef Ole Kreins schien sich am Dienstag sicher: Für die Wahl der Bezirksbürgermeisterin werde die mit CDU und Grünen gebildete Zählgemeinschaft fortgesetzt. Die drei Parteien - die SPD mit 16 Stimmen, die CDU mit sieben und die Grünen mit fünf Stimmen - erreichten dann die nötige Mehrheit von 28 Stimmen und hätten als stärkste politische Kraft das Vorschlagsrecht.

Birgit Monteiro (Quelle: SPD Landesverband)
Die Berliner SPD-Politikerin Birgit Monteiro

Neue Kandidaten - neue Allianzen?

Aber wie steht es mit der Einigkeit der drei Partner? Wechseln die Grünen womöglich die Seite? Bartosz Lotarewicz, Grünen-Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), lässt

offen, was seine Fraktion tun wird: "Dadurch, dass Herr Geisel nun Stadtentwicklungssenator wird, verändert sich die Situation dahingehend, dass wir uns nochmal zusammensetzen müssen und über die neue Situation weiterberaten müssen."

"Weiterberaten" heißt wohl so viel wie: Sollen die anderen doch erstmal aus der Deckung kommen. Die Grünen also könnten jetzt den Preis hochtreiben: ihre Zustimmung zur SPD-Kandidatin gegen ein "Mehr" an Grüner Politik im Bezirk. Denn auch die Linke hat Interesse an den Grünen als Partner, denn die Partei will natürlich ihren Kandidaten Andreas Prüfer zum Bürgermeister machen. Seit 2001 ist der 56-jährige, zweifache Vater Bezirksstadtrat.

Und so bastelt die Linke also an einer eigenen Zählgemeinschaft. Doch allein mit den Grünen wäre die nötige Mehrheit in der BVV mit 25 Stimmen noch nicht erreicht. Es fehlt ein dritter Partner, wie Evrim Sommer, Bezirksvorsitzende der Partei, erklärt: "Klar ist, dass wir natürlich gerne mit den Piraten und Grünen ins Gespräch kommen wollen. Wenn wir diese Möglichkeit haben, wollen wir sie auch nutzen. Da hätten wir eine Mehrheit mit den Grünen und mit den Piraten."

Und die Piraten, die also das Zünglein an der dann neu ausschlagenden Waage wären, sprechen sich im Internet bereits für den politischen Wechsel aus. Von CDU, SPD und Grünen - hin zum neuen Bündnis: Linke, Grüne und Piraten.

Mit Informationen von Florian Eckardt

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Erfahrung für seinen neuen Posten hat Andreas Geisel bereits gesammelt: Mehr als ein Jahrzehnt hatte der 48-Jährige als Bezirksstadtrat in Lichtenberg Verantwortung für verschiedene Bereiche aus diesem Ressort. Aktuell ist er dort Bezirkschef. Er will sich vor allem für bezahlbare Mieten engagieren, sagte er bei seiner Vorstellung. Und machte gleich klar, was die Stadt gar nicht brauchen kann.