Passanten in der Karl-Marx-Straße in Neuruppin (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)

Polizei mit 1.000 Beamten im Einsatz - Neuruppin will sich gegen rechten Aufmarsch wehren

Hunderte Neonazis wollen am 6. Juni in Neuruppin aufmarschieren. Die Stadt wehrt sich mit einem bunten Gegenprogramm, das den ganzen Tag dauern soll. Die Polizei will mit rund 1.000 Beamten für Ruhe sorgen - hat aber auch an anderer Stelle genug zu tun.

Die Brandenburger Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Rund 2.000 Gegendemonstranten wollen am 6. Juni gegen einen Aufmarsch von Neonazis in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) protestieren. Laut Polizei wollen sich dort bis zu 500 Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet zum sogenannten "Tag der deutschen Zukunft" versammeln.

Die Polizei werde mit rund 1.000 Kräften vor Ort sein, sagte der Chef der Polizeidirektion Nord, Bernd Halle, am Freitag. Weitere Kräfte aus anderen Bundesländern seien angefordert. Jedoch finde zur gleichen Zeit der G7-Gipfel im bayerischen Elmau und das Endspiel der Fußball-Champions League in Berlin statt. Zudem sind Beamte beim Heimspiel des MSV Neuruppin sowie der letzten Etappe der Tour de Prignitz im Einsatz. Die Polizei gerate an ihre Belastungsgrenze.

Ganztägiges Gegenprogramm zu Rechten

"Neben friedlichem Protest ist auch mit anderen Aktionen zu rechnen", sagte Halle. Bislang seien acht Demonstrationen gegen den Neonazi-Aufzug angemeldet worden. Gegen Störungen und Blockaden würden die Einsatzkräfte einschreiten.

Die Gegenaktionen beginnen am Vormittag mit einem ökumenischen Gottesdienst und zwei Demonstrationen, teilte das Bündnis "Neuruppin bleibt bunt" mit. Daran schließt sich ein zehnstündiges Kultur-, Sport- und Kinderprogramm mit Hüpfburg, Kletterwand und Musik an, zu dessen Abschluss am Abend das Champions-League-Finale auf einer Großbildleinwand übertragen wird.

"Neuruppin ist bunt und soll es bleiben", heißt es in dem Aufruf zum Aktionstag gegen Rechtsextremismus: "Wir lassen es nicht zu, dass auf unseren Straßen Angst und Schrecken verbreitet wird, darum werden wir zusammen gegen den Aufmarsch der Neonazis Widerstand leisten."

Aktionen der Rechtsextremen nehmen zu

Rechtsextreme machen in Brandenburg zunehmen Front gegen die Einrichtung von Asylbewerberheimen und Ausländer insgesamt. So wurden bereits in den fünf Monaten dieses Jahres knapp 30 Demonstrationen gezählt, in den beiden Vorjahren waren es jeweils 35, teilte das Potsdamer Innenministerium auf eine Parlamentarische Anfrage der Links-Fraktion mit.

"Seit Anfang 2015 ist ein deutlicher Anstieg der Aktivitäten im rechtsextremistischen Bereich zu beobachten", sagte die Linken-Abgeordnete Andrea Johlige. "Besondere Sorge bereitet, dass die Nazi-Szene immer stärker auf das Thema Asyl und Flüchtlinge setzt." Umso mehr komme es für die Zivilgesellschaft darauf an, den braunen Umtrieben eigene Kundgebungen für ein weltoffenes und tolerantes Brandenburg entgegen zu setzen. Dies gelte auch für die am 6. Juni geplante Demonstration der Rechtsextremen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Muslimische Frau mit Kopftuch (Foto: dpa)

Wie ein Berliner Wissenschaftler über Muslime denkt - Zurück ins Pfefferland

Museltante, Muselmanen, verpacktes Vieh - so werden Muslime häufig auf Pegida-Veranstaltungen oder rechten Aufmärschen herabgewürdigt. Doch derartige Töne schlägt auch ein Berliner Hochschullehrer an. Auf seiner eigenen Webseite verbreitet der Diplom-Mathematiker Wolfgang Hebold seine - wie er es nennt – islamkritischen Thesen. Von Adrian Bartocha und Jo Goll