Katholische Kirche Sankt-Peter-und-Paul Potsdam (Quelle: rbb/Sascha Adamek)
Video: Brandenburg aktuell | 21.06.2015 | Jo Goll und Sascha Adamek

Rechtslastige Stiftung verteilt Millionenspenden - Kirchenobere zweifeln an deutscher Alleinschuld am Krieg

Der Friede von Versailles war ungerecht und es sei ebenfalls zu einfach, Deutschland die Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg zu geben - solche und andere Äußerungen machten Brandenburger Kirchenobere öffentlich in Interviews. Hintergund ist die Millionenspende an mehrere Brandenburger Gemeinden der rechtslastigen "Stiftung Preußisches Kulturerbe" des Mäzen Max Klaar. Von Sascha Adamek und Jo Goll

Brandenburger Kirchenobere zweifeln öffentlich an Deutschlands Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg. Der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller sagte im rbb: "Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, dass die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: dass das nach Revanche schreit, ist doch klar." Die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus sagte: "Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September '39 hat der Zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte."

Pfarrer Klaus-Günter Müller (Quelle: rbb)
Der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller

Zwei Millionen Euro von rechtslastiger Stiftung für Kirchen

Die Äußerungen fielen in Interviews über die Millionenförderung von mindestens 17 Brandenburger Kirchgemeinden durch die rechtslastige "Stiftung Preußisches Kulturerbe", vertreten durch den pensionierten Oberst der Bundeswehr Max Klaar. Bereits zwei Millionen Euro hat Klaar unter anderem an Kirchgemeinden Brandenburgs verteilt.

Klaars Stiftung hatte ursprünglich mehr als sechs Millionen Euro Spenden für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche eingesammelt. Weil er dort kein Versöhnungszentrum zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wollte, zog er sich 2014 zurück. Die Spendengelder verteilt seine Stiftung nun an Kirchgemeinden, zum Beispiel bislang rund 200.000 Euro an katholische Gemeinden in Potsdam, rund 600.000 an die evangelische Nikolai-Kirchengemeinde und vor wenigen Tagen erst 700.000 Euro für die Dorfkirche Bornim.

Generalsuperintendentin Heilgard Asmus (Quelle: rbb)
Die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus

"Das kennen wir aus der Propaganda der Nationalsozialisten"

Das Geschichtsbild Klaars hinderte die Gemeinden bislang nicht daran, die Großspenden anzunehmen. Klaar, zugleich langjähriger Vorsitzender des Verbandes Deutscher Soldaten schrieb 2011: "Beide Weltkriege wurden von Großbritannien und seinen Verbündeten als zweiter 30-jähriger Krieg geführt, um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten." Der Berliner Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sagte zu Klaars These, diese entspreche der "Propaganda der Nationalsozialisten". Zu Klaars Zitat befragt, war der katholische Pfarrer Müller nicht zu einer Distanzierung bereit. Der Wissenschaftler Funke kritisiert die Haltung Müllers zu Versailles als Begründung des Zweiten Weltkriegs scharf: Wenn Müller hier Verständnis äußere, müsse er wissen, dass "dieses Denken in Rache" das "Denken der Nationalsozialisten und mancher Deutschnationaler" gewesen sei.

Das gilt auch für ein weiteres Zitat des Ex-Bundeswehroberst Max Klaar: "Deutsche haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als den Tag anzusehen, an dem die Ausschlachtung des völlig entrechteten Deutschlands begann! Das sollten wir jedem entgegnen, der uns mit der 'Befreiungs-Lüge' kommen will." Pfarrer Müller sagte, für viele Ostdeutsche sei der 8. Mai kein Tag der Befreiung, weil sich dann die "rote Diktatur" angeschlossen habe. Dagegen widersprach die Generalsuperintendentin Heilgard Asmus in diesem Punkt Max Klaar: Das sei eine "unverschämte Geschichtsverfälschung", weil hier Ursache und Wirkung verwechselt würden, "was Deutschland über andere Völker an Leid gebracht hat, an Ausrottung, an Großmachtstreben. Das musste bestraft werden, also für mich ist der 8. Mai ganz klar ein Tag der Befreiung von vielem."

Pfarrerin Anke Spinola von der evangelischen Kirchgemeinde Bornim (Quelle: rbb)
Pfarrerin Anke Spinola von der evangelischen Kirchgemeinde Bornim

Pfarrerin Anke Spinola von der evangelischen Kirchgemeinde Bornim distanzierte sich nur indirekt von Klaar: Sie komme aus einer ganz anderen Richtung im Osten. "Schwerter zu Pflugscharen" und sie habe mit "Militarismus nichts am Hut", sagte Spinola. Zu Klaars Aussagen wollte sie sich dennoch nicht direkt äußern, denn hierzu gebe es in der Gemeinde "unterschiedliche Meinungen."

Experte Hajo Funke kritisierte, dass Kirchgemeinden das Geld von Klaar unbefangen annehmen: Wenn Max Klaar diese extrem rechten Positionen habe und jeder wisse das, dann sei das "nicht nur ein Geschmäckle, dann ist da eine Kontaminierung durch das Geld vorhanden."

Beitrag von Sascha Adamek und Jo Goll

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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