Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin (Quelle: imago/Rüdiger Wölk)

Regierender Michael Müller will bürgerschaftliches Engagement stärken - "Nicht übereinander, sondern miteinander reden"

Sie machen sich stark für Obdachlose, Kitas oder religiöse Gruppierungen. Berlins engagierte Bürger wollen die Stadt mitgestalten. Drei vernetzte Bürgerplattformen hatten den Regierenden Bürgermeister zu einem Treffen eingeladen. Und der sicherte Augenhöhe, Zugang zu Gesprächspartnern und sein eigenes Engagement zu. Von Annette Miersch

Bürgerschaftliches Engagement könnte in der Hauptstadt einen neuen Stellenwert bekommen: Zumindest hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller den engagierten Bürgern jetzt mehr Unterstützung versprochen. Er folgte am Montagabend der Einladung der Berliner Bürgerplattformen zu einem gemeinsamen Kennenlern-Abend auf dem Rütli-Campus in Neukölln. Anliegen der Bürger war es, dem Wowereit-Nachfolger eine engere Kooperation vorzuschlagen. Und sie trafen bei Müller auf offene Ohren.  

Engagement ohne Ansehen von Religion und Herkunft

Mehrere hundert Menschen aus Treptow-Köpenick, Moabit, Wedding und Neukölln hatten sich eingefunden, darunter sehr viele und vielfältige religiöse Gemeinschaften, aber auch Kitas, Kleingartenvereine oder Obdachlosenvertretungen.

Sie alle sind in den insgesamt drei Bürgerplattformen vernetzt, die den Regierenden Bürgermeister eingeladen hatten. Dieses Miteinander und die Vielfalt seien ihr Erfolg für Berlin, erklärt Sprecher Ali Chahrour. Er verweist auf die gut gefüllten Stuhlreihen und die vielen unterschiedlichen Menschen unterschiedlichster Herkunft, die im Rahmen ihres Engagements als Freunde und Nachbarn zusammengefunden hätten. Sich ohne Ansehen von Religion und Herkunft gemeinsam für die Stadt stark zu machen, sei das Ziel der knapp 80 Mitgliedsgruppen.

Gemeinsam stark für Berlin - mithilfe der Bürgerplattformen

Im Rahmen eines Bühnenprogramms erzählen sie Michael Müller von dem, was sie für Berlin tun. "Mein Name ist Ahmed. Ich bin im Rollberg-Viertel aufgewachsen. Seit kurzem leite ich eine Pfadfindergruppe. Berlin ist meine Heimat, die mich unterstützt hat und jetzt möchte ich etwas zurückgeben", sagt ein junger Mann.

Sie wollten mitwirken, um für ihre Stadt Gutes zu tun und Verantwortung zu übernehmen. "Wir wollen nicht nur dasitzen und zuschauen, sondern wir wollen mitarbeiten", unterstreicht eine Frau. Ein anderer Besucher wird noch deutlicher. "Herr Bürgermeister, wir haben Kraft und Ideen, die sie mitverwenden können".

Müller plädiert für Augenhöhe für alle

Nach einer lebendigen und vielstimmigen Stunde holen die Gastgeber schließlich den Regierenden auf die Bühne und stellen die Frage aller Fragen: "Können Sie uns versprechen, das wir gemeinsam arbeiten?". Und Michael Müller bejaht und betont, wie wichtig es ihm sei, dass die Bürger sich auf Augenhöhe einbringen können und ernst genommen werden. "Auf der anderen Seite sage ich, Politik und Verwaltung  müssen auch auf Augenhöhe mitarbeiten können", so Müller weiter. Miteinander, und nicht nur übereinander reden, das sei ein guter Weg.  

Blick auf das Rote Rathaus nahe Alexanderplatz Berlin Mitte (Quelle: dpa)
Das nächste große Treffen findet im Roten Rathaus statt

Michael Müller sichert zu, dass die bisherigen kleinen Gesprächsrunden weiter gingen und man mindestens einmal im Jahr zusammenkommen wolle, um zu sehen, wo man in der Zusammenarbeit stehe. Er geht aber noch weiter. "Ich kann ihnen versprechen, dass ich darauf achte, dass sie den Zugang zu den Gesprächspartnern aus den Verwaltungen haben, die sie brauchen." Dafür erntet der Regierende Bürgermeister enthusiastischen Applaus.

Konkrete Projekte stehen erst einmal nicht auf der Tagesordnung. Für das nächste Treffen in so großer Runde hat Müller aber schon einmal ins Rote Rathaus eingeladen.

Beitrag von Annette Miersch

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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