Jungen und Mädchen aus einem Kinderheim in Ostberlin im Jahr 1965 (Bild. dpa)

Bilanz zum Hilfsfonds "Heimerziehung in der DDR" - Jedes zehnte ehemalige Heimkind geht leer aus

Mehr als 2200 Berliner sind inzwischen für das erlittene Leid in DDR-Heimen entschädigt werden, fast doppelt so viele sollen noch Geld bekommen. So lautet die Zwischenbilanz des von der Bundesregierung aufgelegten Hilfsfonds. Hunderte andere Ex-Heimkinder bekommen jedoch nichts - weil sie ihren Antrag zu spät gestellt haben.

Vor drei Jahren hat der Bundestag den Fonds "Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 - 1990" aufgelegt - und inzwischen hat gut ein Drittel der Antragsteller in Berlin eine Entschädigung bekommen. Demnach hat der Fonds bislang rund 20 Millionen Euro an 2200 Berliner verteilt, im Schnitt also rund 9000 Euro pro Person.

Rund 630 ehemalige Heimkinder aus Berlin haben die Chance auf eine Entschädigung verpasst. "Sie haben sich leider zu spät bei uns gemeldet", sagte Herbert Scherer von der Berliner Anlauf- und Beratungsstelle. Die Frist lief im Oktober 2014 aus. Scherer bedauert, dass so viele Betroffene nun keine Leistungen bekämen. "Für sie ist es eine herbe Enttäuschung, dass sie wieder mal zu spät kommen", so Scherer.

Fonds wurde von 40 auf 364 Millionen Euro aufgestockt

4000 weitere Berliner haben sich zwar rechtzeitig registriert, warten aber auch neun Monate nach Ablauf der Frist auf einen Termin für ein Beratungsgespräch. Die Beratungsstelle hat Anfang des Jahres ein neues Wartesystem eingerichtet, dass nun für mehr Transparenz und Flexibilität sorge. In einer Warteliste können die Angemeldeten seither verfolgen, wann sie an der Reihe sind. "Bis Ende 2016 wollen wir durch sein", sagte Scherer.

Die Bundesregierung war nach der Einrichtung des Fonds von der großen Nachfrage überrascht. Ursprünglich waren nur 40 Millionen Euro an Hilfsgeldern vorgesehen, diese Summe wurde mehrmals auf dann insgesamt 364 Millionen Euro aufgestockt. Mit dem  zur Verfügung gestellten Geld können die Betroffenen zum Beispiel Therapien, die die Krankenkassen nicht mehr bezahlen wollen, einen altersgerechten Umbau der Wohnung finanzieren. Auch ein Gebrauchtwagen oder der Erwerb einer Kleingartenparzelle können unterstützt werden.