Häftlinge und Vollzugsbeamte stehen am 23.01.2014 in Berlin im Mittelbau der Justizvollzugsanstalt Moabit (Quelle: dpa)

"Er war die Widerstandsbewegung" - Lehrer tot in seiner Zelle aufgefunden

Die CDU-Zentrale, der Reichstag und zuletzt das Kanzleramt - immer wieder gab es in den letzten Monaten Brandanschläge. In der vergangenen Woche konnte die Polizei einen Verdächtigen festnehmen. Jetzt wurde der 48-jährige Musiklehrer leblos in seiner Zelle gefunden. Ein Fremdverschulden wird ausgeschlossen.

Der 48-Jährige, der eine Serie rechtsextremistisch motivierter Brandanschläge auf Staats- und Parlamentsgebäude in Berlin gestanden hatte, ist tot. Der Mann wurde am Montagmorgen leblos in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis Moabit gefunden, wie die Senatsjustizverwaltung rbb online bestätigte. Es gebe keine Anzeichen für ein Fremdverschulden am Tod, hieß es weiter. Es werde von einem Suizid ausgegangen.

Der Tote war am Morgen beim Aufschließen der Zelle entdeckt worden. Der Untersuchungshäftling sollte noch obduziert werden. Er war am Freitag nach Moabit gebracht und dann auch untersucht worden. Laut Justizangaben habe es keine Anzeichen für eine Suizidgefahr gegeben.

An den Tatorten fanden sich Flugblätter mit teilweise wirren, ausländerfeindlichen Parolen einer als rechtsextrem eingestuften "Deutschen Widerstandsbewegung". Diese Blätter fand die Polizei auch in der Wohnung des festgenommenen Lehrers. Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, sagte am Dienstagnachmittag rbb-online: "Er war diese Widerstandsbewegung. Wir haben derzeit keine Hinweise auf Mittäter." Die Ermittlungen laufen aber noch.

Mann war auch für weitere Brandanschläge verantwortlich

Der freiberufliche Musiklehrer war am Donnerstag festgenommen worden. Er legte ein Geständnis ab. Der Mann war mithilfe einer Strickleiter über den Zaun des Bundeskanzleramtes geklettert und hatte einen Brandsatz in Richtung des Gebäudedaches geworfen. Die Polizei nahm ihn fest, als er auf einem Fahrrad flüchten wollte.

Gegen den Verdächtigen war Haftbefehl wegen Brandstiftung in acht Fällen erlassen worden. Die Brandanschläge hatten im August 2014 begonnen, zunächst war die CDU-Bundeszentrale betroffen, im September das Reichstagsgebäude, im November und anderen Monaten das Paul-Löbe-Haus des Bundestags und an Pfingsten 2015 das Schloss Bellevue.

Meist warf der mutmaßliche Täter in der Nacht einen Molotow-Cocktail gegen die Fassade, eine Tür oder stellte einen mit Benzin gefüllten Brandsatz an die Gebäudewand. Zu größeren Bränden kam es nie, auch wurde niemand verletzt.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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