Kleiner Junge lächelt aus einem Trabi im Stau auf einer Autobahn Richtung Westdeutschland nach dem Mauerfall (Quelle: imago/GranAngular)
Video: Brandenburg aktuell | 22.07.2015 | Jaqueline Piwon

Studie analysiert Ost-West-Unterschiede - "Die Einheit braucht länger als eine Generation"

41 Jahre lang war Deutschland geteilt. Was haben diese Jahrzehnte aus uns gemacht? Wie vereinigt sind wir? Eine aktuelle Studie hat sich das Leben in Ost und West vorgenommen und sieht "erstaunliche" Differenzen - nicht nur in der Wirtschaftskraft und beim Fußball. Wächst das überhaupt jemals zusammen?

Blühen die Landschaften endlich im Osten? 25 Jahre nach der Wiedervereinigung hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sich ausgiebig das Ost-West-Thema vorgeknöpft und Bilanz gezogen. Eine ganze Reihe von Aspekten des Lebens haben die Forscher in ihrer Vergleichsarbeit untersucht. Wenn man es auf einen Nenner bringen will, so lautet das Ergebnis:

- aus der schnellen Angleichung der materiellen Lebensverhältnisse ist nichts geworden
- verglichen mit 1990 haben sich die Bedingungen in Ostdeutschland aber massiv verbessert
- am Ziel ist Deutschland aber nicht - eine Generation reicht nicht zum Zusammenwachsen

Die meisten Menschen leben nicht in einer Familie

Das Institut ist in der Studie "So geht Einheit" der Frage nachgegangen, wie weit die beiden Teile Deutschlands tatsächlich zusammengewachsen sind - in 25 Themenbereichen von Einkommen über Einstellungen und Gesundheit bis zur Bildung. In einigen Bereichen zeigt sich, dass sich Ost und West nach fast 41 Jahren Trennung angenähert haben, wenn auch nur zögerlich: bei den Gehältern, der Geburtenrate oder der fortschreitenden Säkularisierung. Auch mit dem Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Gebieten haben beide Teile Deutschlands zu kämpfen.

Doch die Studie zeigt auch, dass verschiedene Wirtschaftssysteme und die unterschiedliche Sozialisierung auch 26 Jahre nach dem Mauerfall noch sichtbar sind. "Nach wie vor sind beide Teile Deutschlands erstaunlich verschieden", so bei der Wirtschaftskraft, den Vermögen oder beim Fußball. Die Einheit, so das Fazit der Studie, "braucht länger als eine Generation." Zwischen Ost und West bestünden heutzutage viele Vorurteile, es werden aber weniger, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Institus, dem rbb-Inforadio.

2040, anlässlich von 50 Jahren Einheit, dürfte das mit den Vorurteilen anders aussehen, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Institus. Die Hälfte aller in Deutschland Lebenden seien dann nach der Vereinigung geboren. "Spätestens dann haben wir ein neues Deutschland."

Viele außereheliche Kinder im Osten

Besonders deutlich werden die Gegensätze bei der Bedeutung der Familie. Die 'klassische Kernfamilie" besteht bundesweit zu 70 Prozent aus einem verheirateten Paar und dessen Nachwuchs. In den alten Bundesländern sind es 72 Prozent, in Ostdeutschland dagegen nur 52 Prozent - 30 Prozent sind alleinerziehend (Westdeutschland 22 Prozent). 'Kernfamilien' mit unverheirateten Eltern haben im Osten einen Anteil von 17 Prozent, im Westen bilden sie mit 6 Prozent eine kleine Minderheit. Die Zahl der Single-Haushalte hat seit der Wende deutschlandweit stark zugenommen, besonders viele leben in den Stadtstaaten und in den neuen Bundesländern.

Bekamen Frauen im Osten ihre Kinder im Schnitt drei Jahre früher als im Westen - mit 22 oder 23, ist das Alter mittlerweile rasant angestiegen - auf 28 Jahre und damit nur noch ein Jahr früher als in Westdeutschland. Ein großer Unterschied besteht bei der Zahl der außerehelichen Kinder: 62 Prozent der Kinder in den neuen Bundesländern kommen ohne verheiratete Eltern zur Welt, in Westdeutschland sind es 29 Prozent.

Vermögen, Verheiratete und Vorurteile - hier finden Sie ausgewählte Grafiken der Einheits-Studie.

Geld, Geburten und Gelage

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Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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