Hacker-Angriff auf Compter-Netzwerk des Bundestages (Quelle: dpa)

IT-Generalüberholung nach Hackerangriff - Der Bundestag wird runtergefahren

Keine E-Mails, kein Internet, keine Termine: Nichts geht mehr im Bundestag. Nach einer Hacker-Attacke wird die Computertechnik runtergefahren und von Trojanern gereinigt. Für den Chaos Computer Club ist der Angriff "peinlich" und die jetzige Aktion nicht ausreichend. Der Cyber-Sicherheitsrat fordert sogar den Rücktritt der Berliner Linken-Politikerin Petra Pau.

Der Bundestag zieht Konsequenzen aus dem schweren Hackerangriff: Das Computersystem des Parlaments wird für die kommenden Tage abgeschaltet und überarbeitet. Ziel sei ein "sauberes und sichereres System", sagte Bundestagssprecher Ernst Hebeker am Donnerstag.

Im Mai war bekanntgeworden, dass unbekannte Täter einen Trojaner in das IT-System geschleust und Daten abgezweigt hatten.

"Man muss davon ausgehen, dass der Bundestag für Monate ein offenes Buch für die Angreifer war", sagte die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz. Das sei peinlich für das Parlament. Die Bundestagsverwaltung müsse nun dafür sorgen, Sicherheitslücken zu schließen. "Das wird nicht einfach werden." Zudem müsse man die Parlamentarier gut informieren. "Der Nutzer ist immer ein Risiko."

"Das ist einfach nur noch peinlich"

Auch der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, spricht von einem "durchaus schwerwiegenden" Angriff. Die Informationspolitik kritisierte er als "völlig unzureichend". "So wissen wir bis heute nicht, welche Gremien von Datenabflüssen betroffen waren und welche Teile der IT-Infrastruktur nun ersetzt werden", teilte er auf dpa-Anfrage mit. Arne Schönbohm, Präsident des Cyber-Sicherheitsrates, fordert den Rücktritt von Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau. Sie hätte sich als Vorsitzende der Kommission für Informationstechnik besser kümmern müssen, sagte er dem SWR. "So wie dieses Thema gehandelt wurde ist einfach nur noch peinlich."

Großes Geschrei beim Stromausfall

Zu Details der Generalüberholung schweigt der Bundestag aus Sicherheitsgründen. Nach Informationen aus Parlamentskreisen wird aber nicht nur die Software neu aufgesetzt, sondern es werden auch zentrale Server ausgetauscht. Die Abgeordneten können vorerst nicht auf das System zugreifen, also zum Beispiel auf ihre Bundestags-E-Mails, die Terminverwaltung oder Unterlagen im Intranet.

Die Arbeiten fallen noch in die offizielle Sommerpause. Die Rechner sollten am Donnerstagabend runtergefahren werden. Voraussichtlich im Laufe des Montags soll das Computersystem dann wieder zur Verfügung stehen.

Das ist ein ganz neues Gefühl als Parlamentarierin, sagt die Grünen-Politikerin Renate Künast: "Dass wir so richtig offline sind, daran kann ich mich nicht erinnern." Sie erinnerte sich an einen einstündigen Stromausfall. Da sei das Geschrei groß gewesen.

Aber ob die Reparaturarbeiten so laufen wie sie sollen und hinterher Mails wieder empfangen werden können, ist noch unklar. Und wenn der Mail-Empfang wieder klappt, heißt das ja noch nicht, dass die vermutlich reingeschmuggelte Spähsoftware wirklich weg ist, sagt Linus Neumann, Experte vom Chaos-Computer Club. "Das Entfernen von Infektionen ist deshalb schwierig, weil sich immer nur die Infektion nachweisen lässt, aber nicht Desinfektion sich bewiesen werden kann. Es gibt immer eine Ungewissheit, ob man wirklich alles entfernt hat." Unter Experten gelte nach einem Angriff dieses Ausmaßes: Wegschmeißen und neu kaufen. Das würde aber Monate dauern und Millionen kosten.

Noch immer ist unklar, wer hinter dem Angriff steckt

Bundestagspräsident Norbert Lammert warnte die Abgeordneten schon einmal vor, sie sollten sich rechtzeitig informieren, wie die Wiederanmeldung funktioniert. Er wolle verzweifelte Anrufe von Kollegen vermeiden, "sie hätten gehört, ab Montag wäre das System wieder verfügbar - sie kämen nur nicht rein", hatte Lammert am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestags erklärt. Die Abgeordneten müssen ihr Passwort ändern. Für das kompliziertere Verfahren bei Smartphones und Tablets gebe es eine Anleitung im Intranet, die man im Zweifelsfall ausdrucken möge.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits vergangene Woche beginnen. Sie waren aber wegen der Sondersitzung zum neuen Griechenland-Hilfsprogramm verlegt worden. Was die Überarbeitung des IT-Systems kostet, ist bislang nicht bekannt. Auch die Ermittlungen zur Frage, wer hinter der Hackerattacke steckt, laufen noch.

Mit Informationen von Uwe Lueb und Dagmar Pepping (ARD-Hauptstadtstudio)

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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