Zelte stehen am 13.08.2015 auf dem Gelände des Chaos Communication Camp. (Quelle: CCC/Falk Garbsch)
Video: Brandenburg aktuell | 13.08.2015 | Michael Lietz

Interview | Blogger Holger Klein zum Chaos Communication Camp 2015 - Wenn das Garagentor unkontrolliert auf und zu geht

Zehn Kilometer Glasfaserkabel, 4.500 Hacker, fünf Tage: In Mildenberg (Oberhavel) findet von Donnerstag bis Sonntag das Chaos Communication Camp statt - die Konferenz des Choas Computer Clubs (CCC). Wo die Internet-Spezies schlafen, was sie dort treiben und welche Folgen das haben könnte, erzählt der Blogger Holger Klein im Interview mit Radioeins.

Ab Donnerstag treffen sich die Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) für fünf Tage zum Chaos Communication Camp in der Uckermark. Ist das das Woodstock der Hacker?

Naja, Woodstock war ja schon eine Nummer größer und der Höhepunkt der Hippiebewegung. Danach kam nicht mehr viel. Das Chaos Communication Camp findet nur alle vier Jahre statt. Da treffen sich Leute, die "single-like-minded" sind - die also alle ungefähr im gleichen Gedanken- und Wertekosmos unterwegs sind. Es ist ein riesengroßes Lager, überall stehen Zelte und Wohnwagen rum. Und was ich da für Wohnmobile gesehen habe! Softwareentwicklung muss wirklich ein lukrativer Job sein... Aber es gibt tatsächlich eine Gemeinsamkeit von Hacker- und Hippiekultur: Solidarität ist sehr hier wichtig.

Wieviele Kabel werden denn gerade verlegt?

Es geht eigentlich. Ich dachte, ich könnte beim Interview mit riesigen Generatorenzahlen aufwarten, aber das kann ich nicht. Das Ziegeleiparkgelände stellt schon sehr viel Strom. Wir haben zehn Kilometer Glasfaserkabel, zehn Gigabit Uplink - also eine zehn Gigabit-Leitung zum Internet hin. Das sind, wenn ich mich nicht verrechnet habe, ungefähr zehntausend VDSL-Anschlüsse. Wir haben ein eigenes WLAN, in dem 18.000 Clients - also Rechner - vernetzt sind. Wir haben ein eigenes DECT-Telefonnetzwerk. Das ist das Netzwerk, was man auch zu Hause hat. Bei uns sind es eben 23 Basisstationen für 2.500 User. Das heißt, 2.500 Leute haben ihr "Zu-Hause-Telefon" dabei. Es gibt ein eigenes GSM-Netz, also ein eigenes Handynetz, was lokal über das Gelände gespannt ist. Und das Ganze für 4.500 Teilnehmer.

Ein Großteil der Redaktion von netzpolitik.org ist auch dabei. Wird denn viel über #Landesverrat geredet?

#Landesverrat wird bestimmt einer der Running Gags werden. Aber DAS große politische Anliegen gibt es eigentlich nicht. Die Kollegen von netzpolitik.org sind genauso in der Szene verankert wie alle anderen auch. Es gibt aber Vorträge, die politische Anliegen haben. Zum Beispiel über die absurden Ideen von Politikern, die denken, sie könnten IT-Sicherheit per Gesetz herstellen. Die denken, wenn sie das Hacken verbieten, dann passiert nichts mehr. Das Zentrum für politische Schönheit wird erklären, - ich zitiere -  "wie man den Reichtagsrasen umgräbt und Drecksfirmen hackt". Sie haben mal versucht, einen Eigentümer des Konzerns Krauss-Maffei Wegmann hinter Gittern zu bringen. Es wird aber auch um Selbstbestimmung oder um Internet für Flüchtlinge gehen. Traditionell natürlich auch um die Frage, wie wir uns vor dem Überwachungsstaat schützen können. Lösungen für die Probleme sind dann auch irgendwann in der Gesellschaft zugänglich. Aber nicht in Form eines Produktes, was man kaufen kann, oder in Form einer großen Pressemeldung.

Aber es wird auch Workshops geben. Woran wird da getüftelt, was mir demnächst im Alltag begegnen könnte?

Es gibt Workshops zu vielen Dingen: Amateurfunk, Löten Lernen, Programmieren für Kinder, Modellraketen bauen usw. Der Cocktail-Bot wird bestimmt wieder da sein. Das ist so eine große Maschine, die auf Knopfdruck Cocktails mischt ...

Was ein ganz großes Thema des Camps sein wird, ist Funk. Jedem Teilnehmer wird eine Plakette umgehangen, im Grunde genommen eine Platine. Auf dieser Platine ist sogenanntes "Software-defined Radio". Damit kann man in allen möglichen Frequenzbändern senden und empfangen. Also auch in dem Frequenzbereich, in dem Autos oder Garagentore senden und empfangen. Das ganze Thema Funk könnte demnächst also auch Spaß bereiten. Oder man könnte es zu spüren bekommen, weil man plötzlich das Auto nicht mehr abschließen kann und das Garagentor die ganze Zeit auf- und zugeht...

Na, das klingt ja nach Spaß.

Ja, das ist super Spaß!

Holger Klein (@holgi) ist Social-Media-Experte und Moderator. Er moderiert unter anderem die Sendung Bluemoon des rbb-Senders Fritz. Auf der Website "Wrint" versammelt Klein seine Podcasts. Außerdem betreibt er den Blog "Stackenblochen".

Das Interview führten Tom Böttcher und Marco Seiffert.


Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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