Ein "Pool-Simulator" steht am 14.08.2015 in Zehdenick (Brandenburg) beim Camp des Chaos Computer Clubs (Quelle: dpa)

Chaos Communication Camp 2015 - Hacker auf Urlaub

Sie übernachten im Zelt, mit Schlafsack und Campingkocher. Der Urlaub, den die Teilnehmer des Chaos Computer Camps derzeit im Landkreis Oberhavel machen, fällt aus dem Rahmen. Johannes Fischer berichtet, was viereinhalb Tausend Hacker und Computerfreaks so treiben, wenn sie auf einer grünen Wiese zusammenkommen.

Die kleine Diesellock tuckert durch den Mildenberger Ziegeleipark, vorbei an alten Brennöfen und unzähligen Zelten. Bis 1990 hat diese kleine Lok Lehm und Ziegel transportiert - jetzt zieht sie einen kleinen Party-Zug mit Cocktailbar und Swing-Musik. Auch ein Bällebad darf auf keiner großen Hacker-Veranstaltung fehlen, meint Party-Zug-Organisatorin Eliza. "Das wird hier gerne benutzt, vor allem weil die Nerds gerne Bälle nach Farben sortieren - das muss alles seine Ordnung haben. Wenn man zur richtigen Stunde kommt, dann sieht man hier das ganze Farbspektrum sortiert."

Über 4.500 Teilnehmer haben für fünf Tage auf dem alten Ziegeleigelände ihre Zelte aufgeschlagen. In großen Pavillons sind Hackerwerkstätten und Organisationsteams untergebracht.

In einem davon wird das campeigene Telefonnetz verwaltet. Jeder Camp-Teilnehmer kann hier sein mitgebrachtes Handy oder Schnurlostelefon registrieren lassen und dann kostenfrei auf dem Gelände telefonieren, meint Sascha Ludwig von der Telefonzentrale. "Beim letzten Camp 2011 hatten wir am Ende des Events 1.894 registrierte Telefone insgesamt. Jetzt sind wir schon am Tag Eins bei 2.700, die sich vorregistriert haben." Ludwig ist überzeugt: "Das ist nach oben hin noch offen, da geht noch was."

Zehn Kilometer Glasfaserkabel

Nur alle vier Jahre findet das Chaos Communication Camp statt. Kein Wunder bei dem Aufwand: Wasserleitungen müssen gelegt werden, Dieselgeneratoren rattern, und über zehn Kilometer Glaserfaserkabel sorgen für Internet auf dem Gelände. Alles veranstaltet vom Chaos Computer Club (CCC).

Mittlerweile ist das Wissen des CCC bei Themen wie IT-Sicherheit und Überwachung sehr gefragt, sagt Sprecher Jan Girlich. "Wir haben unglaublich viel Zuspruch von Seite der Medien, der Politik." Das Camp sei aber auch sehr gut, um sich noch einmal auf die eigenen Beweggründe zu besinnen und nachzufragen: "Warum machen wir das eigentlich alles?" Und so würden sie im Camp den Spaß an der Technik genießen, zusammen mit anderen.

Lustige Erfindungen und ernste Diskussionen

Knapp ein Drittel der Camp-Teilnehmer hilft ehrenamtlich beim Organisieren mit, zum Beispiel in der campeigenen Krankenstation: mit pedalbetriebenen Ambulanz-Wagen. Der Hacker Thilo Schumann wiederum organisiert den Wohnmobilpark, feilt aber auch gleichzeitig an seinem Vortrag, denn auf diesem Hacker-Zeltlager geht es auch um ernsthafte Themen. Zum Beispiel wie man Email-Verschlüsselung einfacher und damit besser zugänglich machen kann.

Schumann wird darüber sprechen, wie sicher die Bordelektronik von Autos ist. Die Menschen würden im Alltag viele Dinge nutzen, sagt er, von denen sie schlicht erwarten, dass sie funktionieren. Oft sei hier aber viel Elektronik im Einsatz und Hersteller würden Systeme auch aus der Ferne warten. "So werden diese Systeme automatisch auch verfügbar für Hackerangriffe", warnt Schumann.

Die Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs haben immer mehr Zulauf - und das nicht nur, weil es um Technik geht. Auch unter Nicht-Programmierern wird die Hacker-Kultur immer beliebter: keine Hierarchien, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam mit viel Technik etwas auf die Beine stellen - wie dieses Camp.

"Ein alternativer Raum"

Der Blogger Markus Beckedahl ist zum vierten Mal auf einem Chaos Camp und ruht sich von den Aufregungen der letzten Wochen aus. Gerade sind die Ermittlungen gegen sein Blog netzpolitik.org wegen Landesverrats eingestellt worden. "Man schafft einen alternativen Raum für einige Tage, wo jeder sich irgendwie mit unterschiedlichsten Aspekten der Digitalisierung auseinandersetzen kann: künstlerisch, handwerklich, technisch", fasst Beckedahl zusammen. "Und dann kommen tausende Besucher, bevölkern das und bauen einfach so eine Utopie auf."

Langsam legt sich die Nacht über das Chaos Communication Camp. Überall blinken und leuchten bunte Licht-Installationen. Irgendwo legt ein DJ auf. Hacker-Urlaub eben.

Beitrag von Johannes Fischer

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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