Fahrradschnellweg Berlin (Quelle: Staubach+Kuckertz Architekten)

Pläne für Fahrrad-Schnellstraße - Senator träumt von Fahrrad-Highway bis zum Potsdamer Platz

In anderen Großstädten, wie zum Beispiel Kopenhagen, gibt es sie längst: Schnellstraßen für Fahrradfahrer - ohne Kreuzungen und vor allem: ohne Autos. Thomas Heilmann, Chef der CDU Steglitz-Zehlendorf und zugleich Justizsenator, hat so einen Fahrrad-Highway nun auch für Berlin vorgestellt - von Düppel bis zum Potsdamer Platz. Von Daniel Marschke

In einer halben Stunde von Düppel (Zehlendorf) bis zum Potsdamer Platz? Wer mit dem Auto unterwegs ist, schafft das bestenfalls am späten Abend, aber nicht mitten am Tage und schon gar nicht im Berufsverkehr. Auf zwei Rädern kommt man besser durch, erst recht, wenn man dazu eine eigene Straße nutzen könnte, auf der ausschließlich Fahrräder erlaubt sind - ohne Kreuzungen, ohne Ampeln und vor allem: ohne lästige Autos. Eine Art Fahrrad-Highway also, der Zehlendorf mit Berlin-Mitte verbindet. Dieser Vorschlag kommt jetzt vom CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf.

ARCHIV - Thomas Heilmann (CDU) Senator für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin, steht am 28.01.2015 in der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin (Quelle: dpa).
Thomas Heilmann, Berliner Justizsenator und CDU-Chef in Steglitz-Zehlendorf

"Wir wollen einen durchgehenden Fahrradweg"

Wie der Kreisvorsitzende, Justizsenator Thomas Heilmann, am Mittwoch sagte, soll der geplante Fahrrad-Schnellweg Zehlendorf und Steglitz mit Tempelhof, Schöneberg und Mitte verbinden und über zwölf Kilometer von Düppel bis zum Potsdamer Platz führen. Für die Strecke soll die alte Trasse der sogenannten Stammbahn genutzt werden, eine aus preußischer Zeit stammende Eisenbahnstrecke, die parallel zur S-Bahn-Linie 1 verläuft und nach 1945 nicht wieder in Betrieb genommen wurde. "Wir wollen einen durchgehenden, kreuzungsfreien Fahrradweg, letztlich von Düppel bis zum Potsdamer Platz", sagte Heilmann dem rbb.

Am Rande des Schnellwegs sollen privat betriebene Servicestationen entstehen, in die auch Toiletten, Umkleiden und Duschen integriert werden sollen. Die Fahrer von Elektro-Fahrrädern sollen entlang der Strecke Auflade-Möglichkeiten für ihre Akkus finden. Die aus der Vermietung der Service-Stationen eingenommenen Gelder sollen die laufenden Kosten decken.

Entlastung der S-Bahn-Linie 1 und des Autoverkehrs

Der CDU-Politiker, der sonst für die Justiz zuständig ist und bisher nicht als Verkehrspolitiker aufgefallen war, geht davon aus, dass durch einen solchen Fahrrad-Highway die teilweise überlastete S-Bahn und auch der Autoverkehr vom Südwesten in die Innenstadt "entlastet" werden könnte. "Das ist gut für die Gesundheit, und ich denke, eine ganze Reihe von Leuten wird das für ihren täglichen Arbeitsweg dann nutzen."

Die Idee für den Fahrrad-Schnellweg stammt vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), das auf dem EUREF-Campus am Schöneberger Gasometer angesiedelt ist. Dort wird schon länger über neue Mobilitätskonzepte nachgedacht. Der Fahrradverkehr spielt dabei eine wichtige Rolle. Entsprechende Programme in den Niederlanden hätten bis zu 25 Prozent der Berufspendler vom Auto auf das Fahrrad gebracht, sagen Tim Lehmann und Richard Kemmerzehl vom Innovationszentrum.

Auch in Berlin würden immer mehr Menschen Fahrrad fahren, derzeit liege der Anteil des Radverkehrs bei 13 Prozent, Tendenz stark steigend. Doch die Berliner Verkehrspolitik lasse zu wünschen übrig: "Konsequente Verbesserungen in der Radinfrastruktur sucht man trotz anspruchsvoller Ziele in der Radverkehrsstrategie des Berliner Senats bisher vergebens", so die InnoZ-Verkehrsperten.

Stefan Gelbhaar
Grünen-Verkehrksexperte Stefan Gelbhaar

Grüne fordern Ausbau der Rad-Infrastruktur

Auch Bündnis90/Die Grünen und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordern seit Jahren ein neues Mobilitätskonzept für Berlin, das sich an anderen Metropolen orientieren sollte. Städte wie Kopenhagen und Amsterdam gelten dabei als besonders vorbildlich. "Die Förderung der Fahrrad-Infrastruktur ist ein wichtiger Bestandteil für eine grüne und nachhaltige Stadt", heißt es in einem Beschluss der Grünen-Fraktion von Ende August.

Dass nun ausgerechnet ein CDU-Kreisverband mit der Idee einer Fahrrad-Schnellstraße im Südwesten vorprescht, betrachten die Grünen mit Gleichmut: "Wir finden die Idee gut und setzen uns schon seit langem dafür ein", sagt Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Ein Rad-Schnellweg sei ideal, wenn man auf dem Weg vom Stadtrand in die Innenstadt "zügig vorankommen" will, sagt Gelbhaar. Ärgerlich sei allerdings, wie die CDU den Rad-Schnellweg finanzieren will.

Grafik Fahrradschnellweg (Grafik: rbb/Krämer)
Von Düppel zum Potsdamer Platz - der Streckenverlauf des geplanten Rad-Schnellwegs

CDU will Rad-Schnellweg privat finanzieren

CDU-Kreischef Heilmann hat vorgeschlagen, den "Highway" aus privaten Mitteln zu finanzieren, zum Beispiel im Rahmen des neuen Stadtwerbevertrags, bei dem Unternehmen wie die Wall AG, die auch die City-Toiletten betreibt, ab 2018 als Geldgeber auftreten könnten. Im Gegenzug würden sie die Genehmigung erhalten, entlang der Strecke großflächig Werbung zu platzieren.

Grünen-Verkehrsexperte Gelbhaar lehnt eine solche Finanzierung ab. "Wenn die CDU es wirklich ernst meint, dann sollte sie in den laufenden Haushaltsberatungen einen entsprechenden Änderungsantrag stellen", sagte Gelbhaar rbb-online am Donnerstag. Genug Geld sei vorhanden - es müsse nur richtig eingesetzt werden. Die Grünen selbst veranschlagten für den Ausbau der Berliner Rad-Infrastruktur gut 70 Millionen Euro - verteilt über fünf Jahre. Der Senat dagegen plane derzeit mit sieben Millionen pro Jahr, so Gelbhaar.

Außerdem fordern die Grünen ein übergreifendes Radwege-Konzept für die Stadt, bei dem der jetzt geplante Rad-Schnellweg nur eine von mehreren Strecken sein könne . "Wir brauchen ein Netz von Fahrradstraßen, das die einzelnen Bezirke miteinander verbindet", sagt Gelbhaar. Bislang gebe es nur 17 solcher Straßen, die ausschließlich Fahrradfahrern vorbehalten seien.

In Kombination mit Strecken, auf denen bereits Fahrradstreifen auf der Fahrbahn existieren, sollen sie zu längeren Routen kombiniert werden, die quer durch die Stadt führen. So soll im Ostteil Berlins eine Nord-Süd-Route von Pankow über Prenzlauer Berg und Mitte bis Kreuzberg und Schöneberg führen. Im Westen soll es eine Ost-West-Verbindung geben, die von Charlottenurg über Schöneberg und Kreuzberg bis nach Neukölln führt.

So soll der Fahrrad-Highway aussehen

Deutsche Bahn unterstützt das Projekt

Die Trasse, auf der der Fahrrad-Schnellweg errichtet werden soll, gehört der Deutschen Bahn. Sie markiert den Verlauf der "Stammbahn", der ersten preußischen Eisenbahnstrecke, die 1838 eröffnet und später bis nach Magdeburg verlängert wurde. Vom Potsdamer Platz führte sie über die Yorckstraße, den Bahnhof Schöneberg, die Feuerbachstraße, Zehlendorf und Düppel bis nach Potsdam.

Nach 1945 wurde die Strecke nicht wieder in Betrieb genommen. Allerdings gibt es Überlegungen, die Stammbahn wieder aufzubauen und eine Regionalbahnverbindung zwischen Berlin und Potsdam zu schaffen. Vorerst aber liegen diese Pläne auf Eis. Wenn nun ein Rad-Schnellweg gebaut werden soll, hätte die Bahn nichts dagegen einzuwenden. Immerhin ist die Bahn am Innovationszentrum InnoZ beteiligt, das das Konzept für den Rad-Highway entwickelt habe. Allerdings - so Bahnsprecher Gisbert Gahler - werde die Bahn dafür Sorge tragen, "dass ein Rückbau möglich ist und die Anlagen zu einem späteren Zeitpunkt wieder für ihren eigentlichen Zweck genutzt werden können".

Beitrag von Daniel Marschke

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