Heiner Koch (M) wird am 19.09.2015 in Berlin in sein Amt als neuer Erzbischof von Berlin eingeführt (Quelle: dpa).
Video & Interview: Abendschau | 19.09.2015 | Nadine Brecht

Neuer Berliner Erzbischof Heiner Koch - "Nehmen Sie mich auf Ihrem Weg mit"

Ein bekennender Düsseldorf-Fan muss nun den Hertha-Schal tragen: Am Samstagvormittag hat Heiner Koch sein neues Amt als Berliner Erzbischof angetreten. Er steht nun an der Spitze von mehr als 400.000 Katholiken. Zur Einführung gab es nicht nur den Schal, sondern auch ein volles Haus und Essenskörbe und einen Blick auf die Probleme der Stadt.

Berlin hat einen neuen katholischen Erzbischof: Heiner Koch. Er will die katholische Kirche in der deutschen Hauptstadt für Zweifelnde und Nicht-Gläubige öffnen. Er wolle dabei auch den Dialog mit anderen Religionen und die Ökumene voranbringen. Die Kirche könne viel von der "geistigen Tiefe" anderer Bekenntnisse lernen, sagte der 61-Jährige bei seiner Amtseinführung in der St.-Hedwigs-Kathedrale am Samstag.

"Nehmen Sie mich auf Ihrem Weg mit", rief er den 600 Gästen zu, darunter auch Vertretern anderer Religionen. Der Gottesdienst wurde live im rbb-Fernsehen übertragen. Der rbb-Abendschau sagte er, dass er zwei große Themen habe: "Die Frage nach Gott in dieser Stadt wach zu halten und die Menschen, die zu uns kommen." Die Flüchtlingsfrage sei "ein so großes Problem auch für uns als Kirche, dem müssen wir uns stellen."

Koch führt 410.000 Gläubiger in seiner Diözese

Koch war bisher Bischof von Dresden-Meißen. Er übernahm den Hirtenstab von seinem Vorgänger Rainer Maria Woelki, der vor einem Jahr nach Köln gegangen war. Damit tritt der gebürtige Düsseldorfer Koch an die Spitze der rund 410.000 Katholiken im Erzbistum, zu dem auch weite Teile von Brandenburg und Vorpommern gehören.

An dem feierlichen Gottesdienst nahmen unter anderen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) teil.

Als Gesandter des Papstes übergab der Apostolische Nuntius, Nikola Eterovic, dem Erzbischof das Pallium. Mit dem schwarz-weißen Wollband zeichnet der Papst seit mehr 1400 Jahren die Erzbischöfe aus.

Düsseldorf-Fan Koch wohnt in Lichterfelde

Koch, der in der Deutschen Bischofskonferenz für das Thema Familie zuständig ist, rief dazu auf, die Würde des Lebens zu achten - vom "ungeborenen Leben" bis zu den Flüchtlingen. Koch wird im Oktober an der geplanten Bischofssynode in Rom teilnehmen, wo unter anderem über die kirchliche Wiederheirat geschiedener Katholiken beraten werden soll.

Koch war am 8. Juni von Papst Franziskus zum Erzbischof von Berlin ernannt worden. Der bekennende Fan von Fortuna Düsseldorf wird im Pfarrhaus der Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Lichterfelde wohnen. Unter anderem wird sich Koch in naher Zukunft mit dem Streit um Umbau und Modernisierung der Hedwigskathedrale sowie dem Sparprogramm im Erzbistum befassen müssen. Geplant ist, die 105 Pfarreien zu 30 Großpfarreien zusammenzuführen.

Der 61-Jährige will ein moderner Glaubensvertreter sein und seine Kirche wieder stärker für die öffnen, die auf Distanz zu ihr gegangen sind. In seiner Predigt rief Koch die Christen auch dazu auf, aus ihrem Glauben praktische Konsequenzen zu ziehen. So müssten sie dafür eintreten, dass ungeborene, schwache, arme und sterbende Menschen sowie Flüchtlinge nicht ausgegrenzt werden - und dafür "wenn es nötig ist, auf die Straße zu gehen". Er lud die Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen genauso wie nichtglaubende Menschen zum Dialog ein. "Ihre Erfahrungen sind für uns eine große Bereicherung", sagte Koch. "Nehmen Sie auch unsere Erfahrungen an."

Die Zahlen

Das Erzbistum Berlin

  • Knapp 410.000 Mitglieder hat das Erzbistum Berlin, es wurde 1930 gegründet.
  • Das Bistum reicht von der Hauptstadt über Brandenburg und Vorpommern bis Sachsen-Anhalt.
  • Neun Prozent (331.000) der Berliner sind Katholiken. In Brandenburg sind es rund 63.000.
  • In Berlin ist die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2014 sogar leicht gestiegen, in den katholischen Gemeinden auf dem Land dagegen sinkt sie seit Jahren.
  • Heiner Koch wird der zehnte "Oberhirte" des Erzbistums.

Nur Nonnen aus Rom dürfen das Pallium weben

Bereits Ende Juni machte er den ersten Schritt zum Bischofssitz: In Rom verlieh ihm Papst Franziskus das so genannte Pallium, ein Stoffband, das um den Hals gelegt wird. Seit mehr als 1.400 Jahren übergibt der Papst dieses Pallium den katholischen Erzbischöfen. Selbst dessen Herstellung ist genau geregelt: Es muss aus der Wolle zweier Lämmer hergestellt sein, die der Papst im Vorjahr am 21. Januar, dem Tag der heiligen Agnes, geweiht hat. Bis heute dürfen es nur die Nonnen des römischen Klosters Trastevere weben - allerdings darf inzwischen auch Wolle von anderen Lämmern hinzu gegeben werden. Sonst würde der Stoff für all die Erzbischöfe längst nicht mehr ausreichen.

Beim Gottesdienst am Samstag erinnerte Koch manches an seine Dienstreisen nach Rom: Die St.-Hedwigs-Kathedrale mit ihrer grünlich schimmernden Kuppel ist dem Pantheon nachempfunden. Weil die 570 Plätze in dem kreisrunden Bau am Bebelplatz nicht ausreichten, übertrug das Erzbistum die Feier per Public Viewing in Nebengebäude. Geleitet wurde der Gottesdienst - ganz nach Tradition - von dem dienstältesten Bischof der Kirchenprovinz, dem Görlitzer Wolfgang Ipolt. Der Nuntius, der Botschafter des Papstes, überbrachte Koch die Ernennungsurkunde zum Erzbischof, wie alle päpstlichen Dokumente in lateinischer Sprache verfasst. Der Berliner Domprobst las die Urkunde danach in der deutschen Übersetzung vor.

Wolfgang Ipolt und der Botschafter des Papstes führten Koch zum Bischofssitz - der so genannten Kathedra. Von ihr leitet sich das Wort "Kathedrale" ab. Als Koch sich auf dem Sitz aus schwarzgrauem Marmor niedergelassen hatte, hatte er das Amt offiziell angenommen.

Auf der To-Do-List: Gemeindereform, Kirchensanierung

Der Nuntius legte Koch nun noch einmal feierlich das Pallium aus Wolle um. Damit wurde der neue Erzbischof auch symbolisch zum Oberhirten der Katholiken in Berlin, dem größten Teil Brandenburgs, Vorpommerns und einem kleineren Teil Sachsen-Anhalts. Kochs Amtsvorgänger, Rainer Maria Woelki, überreichte ihm den Bischofsstab. Damit hat es der Mann, der nur ungern seinen Job in Dresden aufgegeben hat, geschafft. Die Bischöfe und Kardinäle in der Kirche durften ihn jetzt umarmen. Erst danach schüttelten ihm Priester, Ordensleute und Mitarbeiter der Kirche die Hand. Zum Abschluss wurde Koch von den Gemeinden mit Hostienschalen und Essenskörben versorgt.

Stärkung wird der gebürtige Düsseldorfer für seinen Job brauchen: Er muss die umstrittene Gemeindereform auch gegen Widerstand durchbringen. 105 Gemeinden des klammen Bistums sollen aus Kostengründen zu 30 pastoralen Großräumen zusammengelegt werden. Kochs Sitz, die St.-Hedwigs-Kathedrale, muss renoviert und umgebaut werden, eine Aufgabe, die sein Vorgänger Woelki ihm nicht gerade ungern übergeben haben wird. Risse im Mauerwerk, die Wände sind teils geschwärzt, die Sanitäranlagen marode und in der Kuppel fehlt eine Wärmedämmung. Es gibt im Erzbistum Streit darüber, wie die Kathedrale in Zukunft aussehen soll, abgesehen von den geschätzt 60 Millionen Euro teuren Kosten.

Weil der Umbau viele Jahre dauern dürfte, zieht Koch fürs Erste weg von der Kirche, in ein beschauliches Pfarrhaus in Lichterfelde. Dort will er die nötige Kraft schöpfen. Sein Leitspruch soll Hoffnung machen: "Freut Euch allezeit, der Herr ist nahe."

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