Die Pläne des Architekten Hans Kollhoff für die Gestaltung des Alexanderplatzes (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt)
Video: Abendschau | 01.09.2015 | Florian Eckardt

Bürgerforum zur Bebauung des Alexanderplatzes - Geplante Hochhäuser am Alex bleiben unbeliebt

Eigentlich könnte der Alexanderplatz schon längst neu bebaut sein, denn seit 20 Jahren liegt ein Masterplan vor. Nur die darin vorgesehen Hochhäuser will niemand so recht haben. Architekt Hanns Kollhoff hat nun eine Überarbeitung vorgelegt und setzt weiter auf Hochhäuser. Bei den Bürgern kommt der Plan eines Klein-Manhattan nicht gut an. Von Markus Streim

Er hat den 20 Jahre alten Masterplan zwar überarbeitet, doch an der Grundidee nichts verändert. Hans Kollhoff will am Alexanderplatz ein Klein-Manhattan bauen – 11 neue Wolkenkratzer, 150 Meter hoch und am besten im Rekordtempo. Kollhoff geht sogar davon aus, dass bereits in fünf Jahren die Hälfte der Bauten realisiert sein könnte.

Für viele interessierte Bürger klingt das wie eine Drohung. Etwa einhundert sind zu einem Workshop am Dienstagabend ins Park Inn-Hotel gekommen, um mitzuentscheiden. Doch sie irrten sich, wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erklärt: "Die Diskussion kann nicht ergebnisoffen sein, weil das Abgeordnetenhaus vor vielen Jahren einen Bebauungsplan beschlossen hat. Es ist damit eindeutig ein Hochhausstandort und es besteht Baurecht für die Grundeigentümer."

Den Plänen zufolge sollen Türme gebaut werden, die die jetzt schon hohen Häuser am Alex deutlich in den Schatten stellen. Zwar werden auf den Schautafeln verschiedene Variationen gezeigt, doch für viele Bürger sind sie keine echten Alternativen.

Workshopteilnehmer Bürgerdialog Alexanderplatz (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt)
Hanns Kollhoff erklärt seine Pläne

Bürger wehren sich gegen Hochhaus-Pläne

Hochhäuser gehörten nicht zum Alexanderplatz, so die Kritik vieler Bürger an dem Abend. Zudem frage man sich, warum aus den Bauten vom Potsdamer Platz keine Lehren gezogen würden: Der Potsdamer Platz sei zwar bei Touristen beliebt, aber von den Berlinern nicht angenommen, weil er keine gesunde Mischung aus Wohnen und Arbeiten biete. Zudem verstehe man nicht, warum jetzt ein sehr alter Bebauungsplan zur Ausführung komme.

Mit der Kritik konfrontiert erklärt Linken-Politikerin Katrin Lompscher, dass der Bebauungsplan nur in einem sehr aufwendigen Verfahren zu ändern sei. Sie glaube aber ohnehin nicht an eine schnelle Umsetzung der Kollhoff-Pläne. "Die Hochaus-Adaptionen, die er für die beiden unter Schutz gestellten Standorte vorgestellt hat, sind aus meiner Sicht unmöglich. Und auch im Bereich der Alexanderstraße muss man sich ansehen, ob seine Pläne umsetzbar sind", erklärt Lompscher.

Masterplan wird grundsätzlich in Frage gestellt

Kollhoff will seine Hochhäuser an die denkmalgeschützten Bauten wie das Haus des Reisens heranrücken und das frühere Pressecafé am Haus des Berliner Verlags am liebsten abreißen. Das lange Haus der Elektroindustrie in der Alexanderstraße soll an einigen Stellen durchlässig werden. "Wir haben dort städtebaulichen Handlungsbedarf und müssen die Bauten aufmachen, um das Quartier dahinter an den Alexanderplatz heranzurücken. Dort gibt es ja kaum Raum um zu atmen", erklärt der Architekt seine Pläne.

Hans Kollhoff verspricht frischen Wind für den Alexanderplatz. Doch seine Zuhörer befürchten das Gegenteil. Sie erinnern an den Steglitzer Kreisel, der das Klima bis in die Innenstadt verändert hat und befürchten, dass die Sichtachsen am Alexanderplatz versperrt werden. Zudem wolle man keine Wohnungen, die niemand bezahlen kann oder die leer stehen, weil die Investoren nicht darin wohnen.

Viele der geladenen Bürger wollen weiterhin nicht Details, sondern lieber das Grundsätzliche des Masterplans diskutieren. Den nächsten Dialog zum Alexanderplatz gibt es am 9. November. Jederzeit aber auch im Internet unter www.berlin.de/alex.

So sehen die Pläne für den Alex aus

Beitrag von Markus Streim

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