Modell einer Brücke, die von Tunesien nach Italien führen soll (Quelle: Zentrum für politische Schönheit)

Neue Aktion des Zentrums für Politische Schönheit - Aktionskünstler kündigen neuen Termin für "Brückenbau" an

Am Donnerstag sollte mit der Montage begonnen werden, das Wetter machte den Aktivisten einen Strich durch die Rechnung: Das Zentrum für Politische Schönheit berichtete vom geplanten Bau einer gewaltigen Brücke von Nordafrika nach Europa, um das sinnlose Sterben im Mittelmeer zu beenden. Mit der neuen Aktion provozieren die Künstler diesmal Österreich.

Das Berliner Zentrum für Politische Schönheit hat via Twitter angekündigt, mit dem Bau der Brücke von Nordafrika nach Europa erst am Sonntag, den 4. Oktober zu beginnen. Zuvor sollte die Montage im Mittelmeer bereits am Donnerstag starten. "Kalt & schwer: das Mittelmeer. 4 m hohe Wellen haben heute die Festmontage verhindert", heißt es in einem Tweet der Gruppe vom Donnerstag.

Anfang der Woche war auf einer österreichischen Website für Pressemitteilungen davon die Rede, dass das Land den Bau einer Brücke von Nordafrika nach Europa plant, um dem Sterben der Flüchtlinge im Mittelmeer ein Ende zu bereiten. Unter der Überschrift "Ein Jahrhundertwerk der Humanität" wurde über eine 230 Kilometer lange Brücke berichtet, die mit einem geschätzten Bauvolumen von 230 Milliarden Euro zum größten EU-Infrastrukturprojekt aller Zeiten werde. Sie solle "Jean-Monnet-Brücke" heißen.

Bis zur Fertigstellung im Jahr 2030 würden ab sofort 1.000 Rettungsplattformen im Mittelmeer installiert. Die erste mit dem symbolträchtigen Namen "Aylan 1" soll nun am Sonntag (4.10.) verankert werden. Sie sei ausgestattet mit Positionslichtern, Lebensmittelreserven, Notrufgerät, Photovoltaikmodulen, Fahnenmast, Rettungsringen, Kamera und zwei Ankern.

Tatsächlich handelt es sich bei der Brückenaktion um eine Aktion des Berliner Zentrums für Politische Schönheit, das mit politischer Aktionskunst seit Jahren für Furore sorgt. Sie sperren sich dagegen, dass die Ankündigung des Brückenbaus ein Fake sei, ebensowenig wie die Verankerung einer Rettungsplattform im Mittelmeer.

Für drastische Mittel bekannt

Als Absender der "Presseaussendung" waren die Republik Österreich und deren Flüchtlingskoordinator Christian Konrad genannt worden, ebenso das Zentrum für Politische Schönheit und das Festival "Wienwoche". "Die Brücke werde die Lebensader zweier Kontinente", erklärte Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des Zentrums für Politische Schönheit. Sie werde nicht nur Hunderttausende Leben retten, sie werde als Denkmal für die europäische Menschlichkeit Jahrhunderte überstehen. "Utopie ist eine Waffe", so Ruch wörtlich.

Mit Utopien kennt sich das Zentrum für Politische Schönheit aus. Es ist eine Berliner Menschenrechts- und Aktionskünstlergruppe, die zuletzt im Juni 2015 Aufsehen erregte, als sie die Leichen zweiter an der EU-Außenmauer getöteten Einwanderer nach Deutschland überführen ließ, um ihnen mit einer Begräbniszeremonie die letzte Ehre zu erweisen.

Im Jahr 2014 entführte das Zentrum anlässlich des 25. Jahrestages des "Mauerfalls" die Gedenkstätte der Mauerkreuze aus dem Regierungsviertel und brachte sie an die europäischen Außengrenzen.

Auch wirtschaftlichen Aufschwung im Visier

Mit der jetzigen Aktion thematisiert die Gruppe das Massensterben auf dem Mittelmeer. In dem Schreiben heißt es, die militärische Abriegelung der Landwege in die Europäische Union schreite voran. Jeder Meter Nato-Stacheldraht zwinge mehr Menschen aufs offene Meer. Jeder Ertrunkene werde zum Opfer der europäischen Abschottungspolitik.

Diesen Zustand wolle der neu bestellte Flüchtlingskoordinator der Republik Österreich, Christian Konrad, mit diesem Bauprojekt beenden. Die Brücke werde vom tunesischen Küstenort Al Huwariyah nach Agrigento (Sizilien) führen. Die "Jean-Monnet-Brücke" solle nicht nur die Humanität Europas, sondern auch den wirtschaftlichen Aufschwung innerhalb der EU sichern.

Um die Ernsthaftigkeit der Meldung zu unterstreichen, wird ein Youtube-Video verlinkt, das eine persönliche Videobotschaft des Flüchtlingskoordinators sein soll. Darin spricht eine Stimme auf dem Off im österreichischen Idiom Sätze wie: "Viele dürften sich gefragt haben, was ich als frisch gebackener Flüchtlingskoordinator gegen die aktuelle Lage eigentlich tue. Als Macher und Mann der Wirtschaft bin ich kein Freund der großen Worte. Mit der Jean-Monnet-Brücke beweisen wir der Welt, dass Humanität sich auch wirtschaftlich rechnet!"

 

Bis zur Fertigstellung im Jahre 2030 könne nicht gewartet werden, sagt Konrads dort angeblich weiter. Um das stille Sterben im Mittelmeer wirksam zu bekämpfen, würde die österreichische Regierung ad hoc 1.000 Rettungsplattformen auf der Route der künftigen Brückenführung vor der italienischen Küste installieren.

Rettungsplattform Aylan 1 Mittelmeer (Quelle: Zentrum für politische Schönheit)
So soll die erste Plattform aussehen - mit sechs mal sechs Metern Positionslichtern, Lebensmittelreserven und vielem mehr

Denkmal für die europäische Menschlichkeit

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz  bezeichnet der Mitteilung zufolge die Rettungsinseln als "Sieg der Vernunft auf gleich zweifache Weise: ein Sieg der humanitären und ein Sieg der ökonomischen Vernunft."

Reaktionen der österreichischen Politiker zu dieser Aktion wurden noch nicht bekannt.  

Die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit

Das könnte Sie auch interessieren

Mahnmal für die unbekannten Maueropfer am Spreeplatz (Quelle: imago)

Aktivisten rechtfertigen Abhängen der Gedenkkreuze - "Wir sind aggressive Humanisten"

14 Gedenkkreuze für Maueropfer haben Aktivisten abgehängt und dafür harsche Kritik einstecken müssen. Dennoch verteidigen sie die Tat: Es gebe eine riesige Flüchtlingskatastrophe, auf die aufmerksam gemacht werden müsse. "Wenn die Mauertoten leben würden, wären sie die ersten, die uns zustimmen würden", hieß es am Dienstag vom "Zentrum für politische Schönheit". Die Kreuze würden auch wieder zurückgebracht.