S - Bahn im neuen Lehrter Bahnhof in Berlin (Quelle: dpa)

Einer der Täter wird noch gesucht - Haftbefehl gegen urinierende Neonazis erlassen

Im August wurde eine Frau mit zwei Kindern von Betrunkenen in der Berliner S-Bahn fremdenfeindlich beleidigt - dann urinierte einer der Männer auf ihre Kinder. Jetzt wurde bekannt, dass gegen beide Haftbefehl erlassen wurde. Einer wurde bei einer Bärgida-Demo festgenommen, nach dem anderen wird gesucht.  

Gegen zwei Männer, die in einer Berliner S-Bahn eine osteuropäische Familie rassistisch beleidigt und auf eines der Kinder uriniert haben sollen, ist vom Amtsgericht Tiergarten Haftbefehl erlassen worden. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Zeitung". Danach ist der Haftbefehlt bereits am 7. Oktober wegen Volksverhetzung und des Verwendens von verfassungswidrigen Kennzeichen erlassen worden.

Einen der Täter abgetaucht

Dem Zeitungsbericht zufolge wurde der 37-Jährige Robert S. aus Spandau auf einer "Bärgida"-Demonstration, die jeden Montag am Berliner Hauptbahnhof stattfindet, verhaftet. Ein Richter verschonte ihn aber am Dienstag von der Haft und setzte den Haftbefehl gegen Auflagen aus, weil der Beschuldigte in Berlin einen festen Wohnsitz hat. "Die Staatsanwaltschaft hat dagegen Beschwerde eingelegt", zitierte das Blatt den Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner. Der zweite Täter Christoph Sch. aus Sömmerda (Thüringen) wurde noch nicht verhaftet. Nach ihm werde gesucht, so Steltner weiter. Er sei abgetaucht.  

Nach Aufnahme der Personalien wieder auf freien Fuß

Wie die Bundespolizei mitteilte, beleidigten die 32 und 37 Jahre alten Männer Ende August in der Ringbahn eine aus Osteuropa kommende Familie mit fremdenfeindlichen Sprüchen. Zuvor hätten sie fremdenfeindliche Parolen gegrölt. Am S-Bahnhof Frankfurter Allee urinierte der jüngere der beiden Männer dann auf die etwa fünf und 15 Jahre alten Kinder. Die von Zeugen alarmierte Bundespolizei konnte die betrunkenen Täter auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee festnehmen. Die beiden Täter sind der Polizei bereits wegen anderer rechtsextremer Delikte bekannt. Nachdem Beamte ihre Personalien notiert hatten, konnten die Männer aber gehen.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist Christoph Sch. der Polizei wegen Körperverletzung, Diebstahls, Drogendelikten und des Verwendens von Nazisymbolen bekannt. Er soll in Neukölln bei Freunden wohnen. Auch Robert S. sei mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, Drogendelikten und des Verwendens von Nazisymbolen.

Henkel: "unerträgliche Fratze des Rassismus"

Unklar ist bislang noch, warum nach der Tat und der vorläufigen Festnahme der Täter mehr als sechs Wochen bis zum Haftbefehl ergangen sind.

Nach der Tat zeigten sich Politiker über den Vorfall entsetzt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einem besonders abstoßenden und widerlichen Vorfall, der auch mit Alkohol nicht entschuldigt werden könne. "Das ist die unerträgliche Fratze des Rassismus."

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Udo Wolf, in Berlin bezeichnete die Attacke im rbb als "absolut widerlich". Es handele sich dabei um einen rechtsextremen Übergriff unter vielen in Berlin. "In Berlin erheben Neonazis ihr Haupt immer frecher", so der Linken-Politiker. "Wir haben es hier mit einer ziemlich harten, gewaltbereiten Nazi-Szene zu tun."

Die S-Bahn sprach ein Beförderungsverbot aus: Beide mutmaßlichen Täter dürfen ein Jahr lang nicht mehr mitfahren. Den Mitreisenden dankte das Unternehmen für ihren "mutigen Einsatz".