Eine Maus sitzt auf dem Rand eines Versuchsglases. (Quelle: imago/Westend61)

Berlin finanziert Professur gegen Tierversuche - Menschliches Gewebe statt Mäusefell

Es soll auch ohne tote Mäuse gehen: An der Freien Universität Berlin wird eine Professur eingerichtet, die Alternativen zu Tierversuchen erforschen und entwickeln soll. Das Land Berlin beteiligt sich an den Kosten – nur wenige Monate nachdem es den Bau einer neuen Forschungseinrichtung für Tierversuche bewilligt hat.

An der Freien Universität Berlin sollen ab 2016 Ideen entwickelt werden, wie künftig Forschung auch ohne Tierversuche funktionieren kann. Dafür richtet die Universität eine neue Professur ein, die vom Land Berlin mit 400.000 Euro finanziert wird. Das teilten die Hochschule und die für Tierschutz zuständige Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz am Mittwoch mit.

Menschliche Haut nachgebaut

Eine Laufzeit der Stelle wurde zunächst nicht bekannt. Ziel des Lehrstuhls sei es, rekonstruierte menschliche Organe auf der Grundlage menschlicher Gewebezellen zu entwickeln. Dabei geht es vor allem darum, Haut zu entwickeln, auf der Produkte zum Beispiel auf Reizstoffe getestet werden können.

Als Alternative für Tierversuche haben Forscher bereits entsprechende Hautmodelle entwickelt. Dabei wurden menschliche Zellen in Zellkultur mit speziellen Verfahren zu einem Gewebe nach gebaut. Anhand dessen kann nach FU-Angaben getestet werden, ob ein Stoff die Haut zerstört oder reizt. Mit diesen Organ-Modellen sollen künftig Tests zum Beispiel zu den Folgen von Umweltgiften für den Menschen oder zur Wirksamkeit von Arzneimitteln möglich sein. Bisher wurden dafür vor allem Mäuse herangezogen, da ihre Haut ähnliche Eigenschaften aufweist wie die menschliche.

Neuer Bau für Tierversuche im Juni genehmigt

Berlin wurde bisher immer wieder als "Hauptstadt der Tierversuche" bezeichnet. Es wird relativ viel Grundlagenforschung betrieben, Tierversuche werden hier jedes Jahr Tausende Male durchgeführt.  2014 wurden in der Hauptstadt knapp 260.000 Versuchstiere gemeldet. Das sind zwar deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Allerdings wurde das Meldeverfahren geändert, so dass die Zahlen nur bedingt vergleichbar sind.

Im Juni hatte der Senat den Bau eines neuen Gebäudes für Tierversuche in Berlin Buch genehmigt. Die neue Einrichtung neben dem Laborneubau des Max-Delbrück-Centrums (MDC) soll den maroden "Mäusebunker" in Steglitz ersetzen. Er ist mit Asbest belastet. Für den Bau sind derzeit 36,8 Millionen Euro eingeplant, wie aus Aussagen der Senatsverwaltung für Gesundheit hervorging.

Senator Heilmann sieht Koalitionsvertrag "mit Leben erfüllt"

Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) äußerte sich zufrieden über die neue Professur. Die im Berliner Koalitionsvertrag vereinbarte Verringerung von Tierversuchen werde jetzt mit Leben gefüllt, sagte er. Tierschützer hatten nach den Nachrichten zum neuen "Mäusebunker" genau das kritisiert: Dass die Landespolitik sich nicht an die Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag halte.

Die Professur ist eingebettet in den Forschungsverbund BB3R, der vom Bundesforschungsministerium finanziert wird und an dem etwa auch die Charité beteiligt ist. Ziel ist es, Tierversuche zu reduzieren, sie schonender zu machen oder zu ersetzen.

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