Polizeiaufgebot in der Sophie-Charlotten-Straße in Berlin-Charlottenburg wegen einer Razzia in der Seituna-Moschee (Quelle: rbb/Matthias Pohl)
Video: Abendschau | 26.11.2015 | Kerstin Breinig und Arndt Breitfeld

Einsätze in Charlottenburg und Britz - Zwei Festnahmen nach Razzia in Berliner Islamistenszene

Razzia in der Berliner Islamistenszene: Die Polizei hat am Donnerstag in Charlottenburg einen islamischen Kulturverein durchsucht. Gleichzeitig nahm sie zwei Männer in Britz fest. Zeitweise wurden vorsorglich mehrere Wohnhäuser evakuiert, weil Ermittler in einem Auto einen "verdächtigen Gegenstand" gefunden hatten.

Die Berliner Polizei hat am Donnerstagnachmittag bei einer Razzia in Berlin-Charlottenburg zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen und eine Moschee durchsucht.

Laut Polizei sollte mit der Aktion des Sondereinsatzkommandos ein "Gefährdungssachverhalt" geprüft werden. Wie ein Polizeisprecher dem rbb sagte, wurden bei der Razzia in der Seituna-Moschee in der Sophie-Charlotten-Straße jedoch keine gefährlichen Gegenstände gefunden.

Es gebe auch keine konkreten Hinweise auf einen geplanten Anschlag. Ein Spezial-Einsatzkommando der Polizei war im Einsatz; das Gebiet rund um das Gebäude war zeitweise weiträumig abgesperrt. Die Ermittler hätten zuvor Hinweise bekommen, dass Mitglieder der Moschee einen Anschlag geplant haben sollen. Daraufhin durchsuchten Beamte das Gotteshaus.

Auto der Festgenommen untersucht

Die zwei Männer im Alter von 28 und 46 Jahren waren laut Polizei im Ortsteil Britz festgenommen worden. Gegen sie werde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. In ihrem Auto hätten Ermittler zunächst einen "verdächtigen Gegenstand" gefunden, wie die Polizei über Twitter mitteilte. Kriminaltechniker hätten das Auto daraufhin untersucht. Laut Polizei ist aber auch hier nichts Gefährliches entdeckt worden.

"Rein vorsorglich" wurden insgesamt 16 umliegende Wohnhäuser in der Andreasberger Straße evakuiert, rund 120 Menschen mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Insgesamt sei ein Sperrkreis von 300 Metern errichtet worden. Der Tunnel Britz auf der A100 wurde kurzfristig voll gesperrt. Gut 200 Beamte sollen im Einsatz gewesen sein, darunter auch SEK-Beamte.

Unklar blieb zunächst, ob die Verdächtigen in Berlin gelebt haben oder aus dem Ausland kamen. Die Männer seien nicht in Berlin geboren, hieß es bei der Polizei. Am Donnerstag hätten sich entsprechende Hinweise zu den Verdächtigen verdichtet, sagte der Polizeisprecher. Ob sich ausländische Behörden eingeschaltet hatten, sagte er nicht. An den Ermittlungen sind laut Polizei auch die Generalstaatsanwaltschaft und der Staatsschutz beteiligt. Freitag früh soll in Absprache mit dem Staatsschutz entschieden werden, ob die Verdächtigen einem Haftrichter vorgeführt werden.

Kandt: Gefahrenlage in Berlin nicht erhöht

Eine Polizeisprecherin betonte: "Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass ein Anschlag geplant war."  Auch der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt erklärte, es gebe keine Hinweise auf geplante Anschläge in Berlin. Auch habe sich die Gefahrenlage in der Hauptstadt durch den Einsatz nicht erhöht. Ob Hinweise auf Anschlagspläne für andere Bundesländer gefunden wurden, wollte er nicht sagen.

Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" könnte Dortmund ein Zielort gewesen sein. Sicherheitsbehörden haben dem Bericht zufolge den Verdacht, Komponenten für einen Sprengsatz und womöglich Teile von Waffen hätten von München zur Seituna-Moschee in Charlottenburg gebracht werden sollen. Die Moschee sei offenbar als Zwischenstation gedacht gewesen. Die gefährlichen Gegenstände hätten dann nach Nordrhein-Westfalen transportiert werden sollen, um dort bei einem Anschlag eingesetzt zu werden. Als Zielort nannten offenbar mehrere Experten Dortmund. Nach Angaben des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen hat es einen "Informationsaustausch über Hinweise auf einen möglichen Anschlag gegeben". Ein Sprecher wollte sich aber nicht weiter dazu äußern. Unklar bleibt, wer oder was in Dortmund angegriffen werden sollte.

Die Hauptverdächtigen sollen dem "Tagesspiegel" zufolge ein Syrer und ein Tunesier sein. Sie werden demnach dem Spektrum der Terrormiliz "Islamischer Staat" zugerechnet. Die Zeitung stützte sich nach eigenen Angaben auf nicht näher genannte Sicherheitsexperten. Die Berliner Polizei bestätigte nähere Angaben zu den Verdächtigen zunächst nicht.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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