Nach Attentaten in Paris - Trauer in Berlin: Das Brandenburger Tor in Berlin wird am 15.11.2015 in der Farben der Trikolore angestrahlt (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 15.11.2015 | Freya Reiß

Trauermarsch für Terroropfer in Paris - Tausend Menschen ziehen bei strömendem Regen durch Berlin

Auch am zweiten Tag nach den Terroranschlägen von Paris geben viele Berliner ihrem Entsetzen Ausdruck und zeigen Anteilnahme. Trotz strömenden Regens sind etwa 1.000 Menschen in einem Trauermarsch vom Brandenburger Tor zum Großen Stern gezogen. Und das Wahrzeichen erstrahlt wieder in den französischen Nationalfarben.

Auch am Sonntag haben zahlreiche Menschen in Berlin trotz strömenden Regens um die Opfer der Terrorserie von Paris getrauert. Am Nachmittag schlossen sich etwa 1.000 Menschen einem Gedenkzug zum Großen Stern an. Vorher bildeten die Teilnehmer am Pariser Platz einen riesigen Kreis und sangen händehaltend die französische Nationalhymne.

Zuvor fand bereits ein erster Gedenkmarsch vom Alexanderplatz zum Pariser Platz statt. Derweil ist der Absperrbereich vor der französischen Botschaft längst zum zentralen Trauerort Berlins geworden. Nach wie vor bringen die Menschen Blumen und Kerzen mit. Das Gedenkfeld ist mittlerweile auf über 50 Quadratmeter angewachsen. Auch am Sonntag erstrahlte das nahe gelegene Brandenburger Tor wie schon nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot.

Müller: Kein Grund zu "besonderen Sicherheitssorgen"

Bereits am Samstag hatten sich Tausende Menschen in stillem Gedenken vor der französischen Botschaft versammelt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) trug sich zusammen mit mehreren Senatoren in das Kondolenzbuch der Botschaft ein. "Wir lassen uns unser offenes und freies Leben nicht kaputt machen", sagte er bei einem SPD-Landesparteitag. Alle seien aufgerufen, alles zu tun, damit der Terror in der weltoffenen Gesellschaft niemals die Oberhand gewinne, so der SPD-Politiker. Berlin sei in tiefer Trauer mit seiner Partnerstadt Paris verbunden.

Müller fügte hinzu, es bestünde kein Grund zu "besonderen Sicherheitssorgen". "Aber natürlich werden wir die Situation sensibel beobachten und mit geeigneten Maßnahmen reagieren", so Müller weiter. "Dass wir in Berlin noch keine Anschläge hatten, ist mit Sicherheit auch darauf zurückzuführen, dass die Sicherheitsbehörden eine sehr gute Arbeit leisten." In diesem Sinne werde man auch in den nächsten Monaten weiterarbeiten.

Berlin verstärkt Polizeipräsenz

In der Nacht zu Samstag verstärkte die Berliner Polizei nach den Terroranschlägen in Paris ihre Präsenz auf den Straßen. Vor der französischen Botschaft am Pariser Platz fuhren Streifenwagen auf. Außerdem stellten Polizisten im Umkreis der Botschaft Sperrzäune auf. Auch andere relevante Einrichtungen in Berlin wie die britische und die US-amerikanische Botschaft wurden unter verstärktem Polizeischutz genommen. Ihre Präsenz hat die Polizei außerdem am Berliner Hauptbahnhof erhöht. Der Reiseverkehr lief am Samstag aber normal.

Berlin gedenkt der Anschlagsopfer von Paris

Trauerbeflaggung in Brandenburg

Die brandenburgischen Sicherheitsbehörden vermeldeten, ihnen lägen keine Hinweise auf eine veränderte Gefährdungslage in Deutschland vor. "Die Sicherheitslage für Brandenburg ist so, wie sie am Donnerstag war", sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im rbb. Zwar sei die Bundesrepublik insgesamt "ein sehr interessantes Anschlagsziel" für den IS, aber es gebe zurzeit keine konkreten Hinweise auf einen geplanten Anschlag.

Als Zeichen der Anteilnahme hat der Innenminister Trauerbeflaggung für alle Landesbehörden angeordnet. Auch die Landesfahne auf dem Potsdamer Landtag wurde auf halbmast gesetzt.

Brandenburg plant mehrere Gedenkveranstaltungen

In Brandenburg soll zu Wochenbeginn in mehreren Städten öffentlich um die Opfer der Terrorserie getrauert werden. Für Montag wurden Gedenkveranstaltungen in Brandenburg/Havel und Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) angemeldet, wie ein Polizeisprecher am Sonntag in Potsdam mitteilte. Am Dienstag seien zudem zwei öffentliche Beileidsbekundungen im Stadtzentrum von Rathenow (Havelland) geplant.

Politiker zeigen sich solidarisch

"Wir werden jetzt solidarisch sein mit unseren französischen Freunden", sagte Müller. "Wir lassen uns unser offenes und freies Leben nicht kaputt machen." Jeder sei jetzt dazu aufgerufen, alles zu tun, "damit der Terror in unserer weltoffenen Gesellschaft niemals Oberhand gewinnt". Berlin sei in tiefer Trauer mit seiner Partnerstadt Paris verbunden. Müller wandte sich gegen Rechtspopulisten, die den Terror nutzen wollten, um gegen Flüchtlinge zu agitieren. "Es ist aber genau umgekehrt: Die Menschen, die hierher kommen, flüchten vor diesen Leuten", sagte er über die Fluchtursachen in Syrien.

Innensenator Frank Henkel (CDU) hat nach der verheerenden Terrorserie von Paris zur Solidarität mit den Menschen in Frankreich aufgerufen. "Wir sollten heute alle eine Kerze anzünden und für die Toten und ihre Angehörigen beten", sagte er am Samstag. "In Gedanken sind wir jetzt alle in Paris." Der Terrorakt sprenge jegliche Vorstellungskraft. "Die Täter haben unsere offene Gesellschaft ins Herz getroffen." Die deutsche Hauptstadt stehe "fest und in unverbrüchlicher Solidarität" an der Seite der französischen Freunde, betonte Henkel.

In mehreren Kirchen wurden Andachten im Gedenken an die Opfer und Angehörigen abgehalten. Im Berliner Dom und der Marienkirche auf dem Alexanderplatz können sich die Bürger seit Samstagvormittag in Kondolenzbücher eintragen.

  • Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

  • Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg

  • Frank Henkel (CDU), Innensenator von Berlin

  • Karl-Heinz Schröter (SPD), Innenminister Brandenburg

  • Jan Stöß, SPD-Landesvorsitzende

  • Ralf Wieland (SPD), Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin

  • Christian Görke (Linke), Finanzminister Brandenburg

  • Joachim Gauck, Bundspräsident

  • Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

  • Philippe Étienne, der französische Botschafter in Berlin

Mit Informationen von Markus Streim

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Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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