Klaus Ness, SPD-Fraktionsvorsitzender, bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Fraktionssitzung am 8. Dezmeber 2015 im brandenburgischen Landtag in Potsdam (Quelle: imago/Martin Müller)

Nach Zusammenbruch im Parlament - Brandenburgs SPD-Fraktionschef Klaus Ness ist tot

Klaus Ness ist tot. Der Vorsitzende der Brandenburger SPD-Landtagsfraktion war am Donnerstagabend im Parlament zusammengebrochen und in der Nacht überraschend gestorben. Ministerpräsident Woidke zeigte sich tief geschockt: "Sein Tod schmerzt uns sehr."

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag, Klaus Ness, ist in der Nacht zu Freitag überraschend gestorben. Er wurde 53 Jahre alt.

Ness war am Donnerstagabend nach zwei Tagen Parlamentsdebatte am Rande eines Empfangs im Potsdamer Landtag zusammengebrochen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher und ihr CDU-Kollege Michael Schierack, beide Mediziner, leisteten Erste Hilfe. Anschließend wurde Ness mit einem Notarztwagen in ein Potsdamer Krankenhaus gebracht. Dort starb er in der Nacht.

In seiner letzten Rede im Potsdamer Landtag würdigte Ness die Bemühungen tausender Brandenburger um die Integration von Flüchtlingen. [siehe Video weiter unten im Beitrag]

Woidke: "Sein Tod schmerzt uns sehr"

Der SPD-Landeschef und Ministerpräsident Dietmar Woidke zeigte sich "tief geschockt vom plötzlichen und viel zu frühen Tod." Er sprach Ness' Frau und seinen Angehörigen sein Beileid aus.

"Mit Klaus Ness verliert die Brandenburger SPD einen ihrer prägenden Köpfe. Sein Tod schmerzt uns sehr. Er hinterlässt eine große Lücke", erklärte Woidke am Freitagvormittag.  Er hob vor allem Ness' langjährige Bemühungen um ein gerechtes Bildungssystem hervor. "Gleiche Chancen für alle Kinder, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern – das war für ihn immer eines seiner zentralen Ziele."

Als weiteres zentrales Thema nannte Woidke den "Kampf gegen jede Form des Rechtsradikalismus" in Deutschland und Brandenburg. Und fügte hinzu: "Wir fühlen uns seinen Zielen verpflichtet und werden sein Andenken in Ehren halten."

Platzeck: "Er war der strategische Kopf der Sozialdemokratie"

Brandenburg ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, dem Ness lange Jahre ein enger Freund und Weggefährte war, zeigte sich ebenfalls tief betroffen. "Ich kann es gar nicht fassen, dass es ihn nun nicht mehr gibt", sagte Platzeck am Freitag in einem Gespräch mit dem rbb-Inforadio. Menschen wie Ness seien inzwischen selten.

Platzeck würdigte ihn als intellektuellen und strategischen Kopf der brandenburgischen Sozialdemokratie. "Diese Lücke zu schließen, wird uns nicht so schnell gelingen." Bis zuletzt habe sich Ness für Minderheiten engagiert: "Seine letzte Amtshandlung war gestern die Gründung des Vereins Neue Heimat in Brandenburg, der sich Menschen widmet, die hier Wurzeln schlagen wollen und dabei Hilfe brauchen."

Ness galt als Stratege und Mitgestalter von Wahlkämpfen der SPD in Brandenburg und als enger Vertrauter von Woidke und dessen Vorgänger Platzeck. Der gebürtige Niedersachse war mehr als 20 Jahre in der Brandenburger SPD aktiv und neben Platzeck einer der Wegbereiter der im Jahr 2009 erstmals gebildeten rot-roten Koalition in Brandenburg.

Letzte Rede von Klaus Ness im Landtag am 16. Dezember 2015

Klaus Ness (Quelle: rbb)


 

rbb trauert um Rundfunkrats-Mitglied Ness

Ness war seit 2010 auch Mitglied im Rundfunkrat des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Intendantin Dagmar Reim zeigte sich erschüttert über den plötzlichen Tod des SPD-Politikers. "Klaus Ness begleitete den rbb kritisch, aber stets als ausgewiesener Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", sagte Reim am Freitag. "Er war meinungsstark und beherrschte die Kunst der Zuspitzung. Seine klare Sicht auf die Dinge wird uns fehlen."

Die Vorsitzende des rbb-Rundfunkrates, Friederike von Kirchbach, erklärte: "Die Arbeit im Rundfunkrat war für ihn nie nur ein Mandat unter vielen. In unseren Beratungen war er immer präsent, mit Sachkenntnis und Leidenschaft - eine starke Stimme für Brandenburg. Wir trauern um Klaus Ness."

20 Jahre in Brandenburger SPD aktiv

Ness wurde am 15. Februar 1962 im niedersächsischen Peine geboren und trat an seinem 15. Geburtstag in die SPD ein. Der Diplom-Pädagoge kam 1991 als Referent des SPD-Landesverbandes nach Brandenburg. Drei Jahre später wurde Ness Geschäftsführer des brandenburgischen SPD-Verbands. Im Juli 2006 ernannte ihn die Landespartei zum Generalsekretär. Das blieb er, bis er im August 2013 zum Vorsitzenden der Landtagsfraktion gewählt wurde. Ness war verheiratet und lebte in Senftenberg.

Vertreter verschiedener Parteien würdigten Ness als engagierten Politiker, der zu seinem Wort stand.  

Reaktionen

  • Brandenburgs Innenminister, Karl-Heinz Schröter (SPD)

  • Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD)

  • Ralf Christoffers, Fraktionschef der Linken im brandenburgischen Landtag

  • Brandenburgs CDU-Landesvorsitzender Ingo Senftleben

  • Ursula Nonnemacher/Klaus Vogel, Fraktionsvorsitzende der Brandenburger Grünen

  • Alexander Gauland, AfD-Fraktionsvorsitzender Brandenburg

  • Brandenburgs FDP-Generalsekretät Christian Erhardt

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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