"Bühne für Menschenrechte" (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 04.12.2015 | Markus Woller

"Eine Bühne für Flüchtlinge" - "Bühne für Menschenrechte" bekommt Amadeu-Antonio-Preis

"Sie bieten Flüchtlingen ganz wörtlich eine Bühne": Die Bühne für Menschenrechte erzählt in ihren Theateraufführungen die Lebensgeschichten von Geflüchteten nach, dafür wurde das Team mit dem erstmals vergebenen Amadeu Antonio Preis geehrt. Ausgezeichnet wurden auch eine Band und kontroverse Aktionskünstler.

Die "Bühne für Menschenrechte" ist mit dem erstmals verliehenen Amadeu Antonio Preis ausgezeichnet worden. Der mit 3.000 Euro dotierte Hauptpreis der Amadeu Antonio Stiftung und der Stadt Eberswalde (Barnim) für kreatives Engagement für Menschenrechte und gegen Rassismus wurde am Freitagabend vergeben.

Die Wahl fiel auf das Theaterteam, weil es Flüchtlingen "ganz wörtlich eine Bühne bietet", heißt es in der Begründung der Jury. In den "Asyl-Monologen" erzählen Schauspielerinnen und Schauspieler mit Flüchtlingen deren Lebensgeschichten nach. Die "Asyl-Dialoge" und der Nachfolger "Asyl-Monologe" wurden über 350 Mal in 200 Städten aufgeführt.

Einen weiteren mit 1.000 Euro dotierten Preis erhielt die Band "Antilopen Gang". Sie kommentiere mit "ironisch-bissigen Songs" das Erstarken rechtsextremer und antisemitischer Tendenzen in Deutschland, begründete die Jury die Entscheidung. Auch das "Zentrum für politische Schönheit" wurde mit einem Preisgeld von 1.000 Euro ausgezeichnet. Mit ihren öffentlichwirksamen Aktionen setzten sie ein deutliches Zeichen gegen die abschottende europäische Flüchtlingspolitik, hieß es.

284 Bewerbungen in vielen Bereichen

Der Amadeu Antonio Preis wurde zum ersten Mal verliehen. Die Stadt Eberswalde und die Amadeu Antonio Stiftung hatten im November die Nominierten für den Preis in Gedenken an Amadeu Antonio bekannt gegeben. Insgesamt acht Künstler oder Künstlergruppen waren nominiert.

Die in diesem Sommer erstmals ausgelobte Auszeichnung richtete sich an Künstler, die sich in ihren Arbeiten kreativ für Menschenrechte engagieren. Insgesamt 284 Bewerbungen aus den Bereichen Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Literatur sowie Bildung waren bei den Initiatoren eingegangen.

Künstlerische Beiträge zur Flüchtlingssituation

Aus all diesen Bewerbungen hatte die Preisjury, der unter anderem die Intendantin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, und die Sängerin Marianne Rosenberg angehören, acht Kandidaten ausgewählt. Unter ihnen befanden sich ganz unterschiedliche Projekte aus verschiedenen Genres. Sie alle eint jedoch das gleiche Thema: die Flüchtlingsdebatte in Deutschland.

"Bei den acht Nominierten sieht man, dass Antirassismus-Arbeit gerade in der Flüchtlingsfrage ein zentrales – auch künstlerisches - Thema der diesjährigen Preisverleihung ist. Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass die Stadt Eberswalde sich dieses Preises angenommen hat und damit auch nach 25 Jahren die Erinnerung an Amadeu Antonio und die anderen Opfer von rassistischer Gewalt aufrechterhalten will", teilte Aydan Özoğuz, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, in ihrem Grußwort mit.

Die Nominierten für den Amadeu Antonio Preis 2015

Bühne für Menschenrechte: "Die Asyl-Monologe und die Asyl-Dialoge"

Das Projekt "Bühne für Menschenrechte" behandelt in dokumentarischen Theaterstücken zeitgemäßige Flüchtlingsgeschichten. Laut Initiatoren haben bundesweit bereits rund 100 Schauspieler ihre Stücke zu Themen wie Migration, Asylrecht und Antirassismus dargeboten. Die sogenannten "Asyl-Monologe" sind im Dezember auch im Berliner Heimathafen Neukölln zu sehen.  

 

Antilopen Gang: "Beate Zschäpe hört U2"

"Max Mustermann zündet ein Flüchtlingsheim an - Deutschland, Deutschland, du tüchtiges Land" singen die drei Rapper Koljah, Panik Panzer und Danger Dan von der Antilopen Gang in ihrem Anti-Nazi-Song. Mit ihren provokativen Texten gelang es dem Hip-Hop-Trio, im Oktober den New Music Award 2015 der jungen ARD-Radiosender zu gewinnen.

 


Banda Comunale: "Dresdner Neujahrsputz" und die "Prozession der Angsthasen"

Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und vor allem fremdenfeindliche Attacken auf sie treibt auch die elfköpfige Musikergruppe Banda Communale um. Seit den Pediga-Demonstrationen in Dresden tritt die Band bei Gegenprotesten auf und organisiert ironisch-kritische Aktionen. So rief sie im März zu einer "Prozession der Angsthasen" in Dresden auf, zu der alle "besorgten Bürger" je eine persönliche Angst mitbringen sollten.

 


Dies Irae: Antirassistische Plakate

Mit einer "Ad-Busting-Aktion" hat der Künstler "Dies Irae" (lateinisch für "Tag des Zorns") in den sozialen Netzwerken für Aufsehen gesorgt. Der Street-Artist hängte im sächsischen Freital schwarz-weiße Plakate auf, die sich kritisch oder auch humorvoll gegen Fremdenfeinde richtete. So lautete etwa ein Plakat "Nazis essen heimlich Falafel", ein anderes zierte einen Fuchs und die Aufschrift "Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm. Der Nazi macht es andersrum."

Aufgrund vieler Anfragen gibt es jetzt Soli-Poster aus Freital für je 25 € im DIN A1-Druck auf Papier unter info@...

Posted by Dies Irae on Donnerstag, 23. Juli 2015


Raphael Hillebrand: "3 Brüder
"

Der Tänzer Raphael Hillebrand erzählt in seiner Breakdance-Performance "Drei Brüder" die Geschichte von Dietrich, Martin und Christian. Die drei Brüder wachsen alle in Nazi-Deutschland auf, doch ihre Leben nehmen bei Kriegsausbruch ganz unterschiedliche Verläufe. Mit dem Solo-Stück ist der in Hongkong geborene und in Berlin aufgewachsene Tänzer Hillebrand zuletzt an der Deutschen Botschaft im saudi-arabischen Riad aufgetreten. 

 


Zentrum für Politische Schönheit: Kinderfluchthilfe / Mauertote / "Die Toten kommen"

Das Berliner Künstlerkollektiv hat sich durch äußerst provokante Aktionen bundesweit einen Namen gemacht. So entwendete es zum 25. Jubiläum des Mauerfalls 14 weiße Kreuze für die Mauertoten, um mit ihnen auf die Lage der Flüchtlinge an der europäischen Grenze aufmerksam zu machen. Jüngere Aktionen sind unter anderem die Bestattungen toter Flüchtlinge Berlin oder die Errichtung von Rettungsplattformen im Mittelmeer.


Weitere Nominierte:

  • Saeed Foroghi: Paint my Face
    Der in Iran geborene Künstler hat Malerei und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert, wo er seine Arbeiten bereits in mehreren Galerien ausgestellt hat. Heute lebt und arbeitet Foroghi in Berlin.

  • Irene Maczurek: "Male einen Kreis"
    Maczurek ist nominiert mit einem Text in dem Sammelband "Kinder - was für ein Leben! Das Beste aus dem Leserwettbewerb der Zeitschrift Eltern".

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