Zerrissene Stasi-Akten (Quelle: dpa)

500 Schnipsel-Säcke rekonstruiert - 20 Jahre Stasiakten-Puzzle

Seit 20 Jahren arbeiten viele Menschen daran, aus tausenden Säcken voller zerrissener Stasiakten wieder lesbare Papiere zu machen. Meistens von Hand. Aus 500 Säcken wurden 1,5 Millionen Blätter wieder hergestellt, 15.500 Säcke sind aber noch übrig. Das soll jetzt nicht mehr in Bayern gemacht werden, und bald hoffentlich per Computer.

Die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten per Hand wird neu organisiert. "Die manuelle Rekonstruktion in Zirndorf wird zum Jahresende aufgelöst", sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte er: "Die Arbeit mit den Akten geht an anderen Orten weiter." Seit 20 Jahren wird an der Rekonstruktion bereits gearbeitet.

Künftig sollen die Papierschnipsel in den ostdeutschen Außenstellen der Behörde und in der Zentrale zusammengefügt werden. Wann Papiere per Computer in großem Umfang zusammengesetzt werden können, blieb indes offen. Der Projektfortschritt verzögere sich, sagte der frühere DDR-Oppositionelle.

Vier Mitarbeiter werden abgezogen

In Zirndorf hatten zuletzt vier Mitarbeiter der Behörde die zerrissenen und geschredderten Stasiakten mühsam von Hand zusammengesetzt, ihnen standen vier abgeordnete Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Seite. Angesichts des Flüchtlingsstroms arbeiteten die Beschäftigten nun aber wieder für das BAMF, das sei aktuell dringender. "Das Bundesamt hat uns damals mit Personal geholfen, jetzt helfen wir", betonte Jahn.

Insgesamt wurden 1,5 Millionen Blätter seit 1995 wieder hergestellt, das entspricht etwa 500 Säcken. Die Schnipsel aus 15.500 Säcken sind noch nicht erschlossen.

Die Scanner sind noch zu langsam

Seit 2007 arbeitet das Fraunhofer Institut an der virtuellen Rekonstruktion. "Die Software für die weltweit einmalige Technologie funktioniert", es werde an einem leistungsfähigen Scanner gearbeitet, so Jahn. Die Software für das Computer-Puzzle kann bereits seit zwei Jahren Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel müssen bislang per Hand in herkömmliche Geräte eingelegt werden. Außerdem seien die Scanner noch zu langsam. 13 Säcke (45.000 Seiten) seien so zusammengefügt worden.

Jahns erste Amtszeit läuft im März 2016 ab. Zu seiner Zukunft äußerte sich der 62-Jährige nicht. Das entscheide der Bundestag. Im Frühjahr will auch eine Expertenkommission Vorschläge zur Zukunft der Stasi-Unterlagen-Behörde unterbreiten.