Linke Demonstranten stehen am 22.01.2016 mit einer Regenbogenfahne vor dem Landtag in Potsdam (Brandenburg). Zur gleichen Zeit fand am Landtag eine Kundgebung der AfD statt (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

Starke Polizeipräsenz - Potsdamerinnen demonstrieren gegen AfD

Vor allem Potsdamer Frauengruppen sind am Freitag gegen eine Versammlung der AfD auf die Straße gegangen. Die Partei protestierte unter dem Motto "Die Würde der Frau ist unantastbar" gegen die Silvester-Übergriffe in Köln - aus Sicht der Gegendemonstrantinnen eine Vereinnahmung, mit der sie nicht einverstanden sind.

Rund 150 Menschen sind am Freitag in Potsdam gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gegangen. Vor allem Frauengruppen protestierten dagegen, dass Rechtsextremisten die sexuellen Übergriffe von Köln für ihre Zwecke ausbeuten. Sie versammelten sich trotz grimmiger Kälte in der Innenstadt, um gegen eine Demonstration der Alternative für Deutschland (AfD) in einiger Entfernung Stellung zu beziehen.

Weitere 70 bis 80 Demonstranten standen in der Nähe der AfD-Versammlung, die die Kölner Silvesternacht zum Thema hatte. Damit sich die heftigen Krawalle wie in der Vorwoche bei einer Potsdamer Pegida-Demonstration nicht wiederholen, war die Polizei stark präsent. Etwa 350 Beamte sollten Zusammenstöße vermeiden. Demonstranten wurden teilweise zurückgedrängt, einige erhielten Platzverweise.

Teilnehmer einer Kundgebung der AfD stehen am 22.01.2016 hinter einer Polizeiabsperrung vor dem Landtag in Potsdam (Brandenburg) und halten ein Banner mit der Aufschrift: "Die Würde der Frau ist unantastbar" (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)
Rund 150 Menschen nahmen an der AfD-Kundgebung in Potsdam teil.

Bei der weiter entfernten Gegendemonstration sagte Ulrike Häfner vom Frauenpolitischen Rat Brandenburg: "Wenn die Opfer in Köln nicht weiße Frauen gewesen wären und die Täter nicht Migranten, hätte das Thema niemanden interessiert." Die Grünen-Bundestagspolitikerin Annalena Baerbock betonte: "Frauen dürfen nicht instrumentalisiert werden für rechte Hetze."

Gauland: "Angst vor dem Terror des Islams"

In den Reden der AfD wurden vor rund 150 Teilnehmern erneut Verbindungen zwischen den Kölner Übergriffen und der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU)  hergestellt. Die Demo stand unter dem Motto "Die Würde der Frau ist unantastbar".

Brandenburgs AfD-Vorsitzender Alexander Gauland hatte am Mittwoch im Landtag erklärt: "Die meisten Menschen haben Angst vor dem Terror des Islams, vor Parallelgesellschaften und Übergriffen wie in Köln, Hamburg und anderswo. Sie haben Angst, dass das Flüchtlingsheim um die Ecke zu einer Brutstätte der Gewalt wird." Der CDU-Abgeordnete Steeven Bretz warf Gauland daraufhin vor, das Land spalten zu wollen: "Sie verbreiten Angst und treiben die Menschen auf den Baum."

1.000 Polizisten bei Pegida-Demo

Am Dienstag hatte die Potsdamer Pegida zum zweiten Mal demonstriert. Nach vereinzelten Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten endete die Kundgebung vorzeitig. Rund 1.000 Polizisten waren vor Ort, es gab vier Festnahmen. Zwei Beamte wurden leicht verletzt.

An einer Gegenveranstaltung hatte auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) teilgenommen. "Brandenburg wird es nicht dulden, dass sich auf unseren Marktplätzen Ausländerfeinde und Rechtsextremisten breitmachen", sagte Woidke. "Brandenburg braucht alles - nur keine Rechtsextremisten."

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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