Der russische Außenminister Sergej Lawrow (Quelle: Archivbild dpa vom Februar 2015)

Streit über angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen - Russland ermahnt deutsche Behörden

Nach der angeblichen Entführung und Vergewaltigung einer 13-Jährigen in Berlin gibt es weiter Gerangel zwischen Moskau und Berlin. Der russische Außenminister Lawrow forderte die deutschen Behörden auf, "alle erforderlichen Informationen" zu liefern. Russland habe das Recht, vor Abschluss der Ermittlungen unterrichtet zu werden.

Im Fall des 13-jährigen deutschrussischen Mädchens aus Berlin-Marzahn, das Mitte Januar vorübergehend verschwunden war, hat Russland die deutschen Behörden am Donnerstag zu einer besseren Zusammenarbeit aufgefordert. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet, sagte Außenminister Sergej Lawrow während eines Besuchs in Turkmenistan, wenn Deutschland "alle erforderlichen Informationen" liefere, gebe es "weniger Missverständnisse".

Moskau will auf dem Laufenden gehalten werden

Da es sich um eine russische Bürgerin handele, habe Moskau das Recht, vor Abschluss der Ermittlungen unterrichtet zu werden. Deutschland habe "nicht rechtzeitig" informiert, fügte Lawrow hinzu. "Je mehr Transparenz es gibt, desto mehr Informationen gibt es über unsere Bürger", sagte der Minister. Dies sei besser für die deutsch-russischen Beziehungen. Am Mittwoch hatte die Bundesregierung Russland davor gewarnt, den Fall für politische Zwecke zu nutzen.

"Nicht freiwillig für 30 Stunden verschwunden"

Lawrow hatte die angebliche Vergewaltigung bereits auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag zum Anlass genommen, um schwere Vorwürfe gegen die Berliner Behörden zu erheben. "Es ist klar, dass das Mädchen nicht freiwillig für 30 Stunden verschwunden war", sagte Lawrow. "Die Informationen wurden während ihres Verschwindens aus einem unbekannten Grund sehr lange vertuscht."

Das Mädchen, das nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft über eine deutsche und eine russische Staatsangehörigkeit verfügt, hatte Medienberichten zufolge zunächst angegeben, drei "südländisch" aussehende Männer hätten es am 11. Januar in Berlin entführt. Sie sei in eine Wohnung verschleppt und dort vergewaltigt und misshandelt worden.

Die Berliner Polizei hatte später erklärt, es habe weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung gegeben. Stattdessen war von "einvernehmlichem Sex" die Rede. Die Angehörigen des Mädchens bestritten dies und warfen der Polizei vor, sie habe Druck auf die 13-Jährige ausgeübt, damit sie ihre ursprüngliche Aussage ändere. In mehreren Städten gab es wegen des Falls fremdenfeindliche Kundgebungen, an denen sich auch russisch-stämmige Demonstranten und Rechtspopulisten beteiligten.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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