Goebbels Villa am Bogensee steht unter Denkmalschutz (Quelle: imago)

Kein Verkauf von früherer Goebbels-Villa - Berlin will Ex-FDJ-Hochschule am Bogensee nun doch behalten

Seit 15 Jahren versucht Berlin, eine seiner größten Immobilien - die ehemalige FDJ-Hochschule der DDR - zu verkaufen. Doch die riesige Immobilie am Bogensee, die NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als Villa errichten ließ, ist schwer belastet - geschichtlich wie auch unterhaltungstechnisch.

Die unendliche Geschichte der Immobilie am Bogensee hat vorerst ein Ende - das riesige Grundstück nördlich von Berlin steht nicht mehr zum Verkauf. Allerdings hat die Stadt Berlin als Verkäufer nicht etwa einen Investor gefunden. Vielmehr hat sie Bedenken, wer die möglichen Käufer sein könnten, weil NS-Propagandaministers Joseph Goebbel in den 30er Jahren seine Landvilla auf diesem Gelände errichten ließ. In der DDR hatte das Areal als FDJ-Hochschule der Ausbildung ihres Kadernachwuchses aus dem In- und Ausland gedient.

Furcht vor rechtsextremen Käufern

Nach dem dritten erfolglosen Versuch im vergangenen Jahr, das mehr als 16 Hektar große Areal am Bogensee in Wandlitz (Barnim) mit einer Ausschreibung zu vermarkten, habe Berlin als Eigentümer davon Abstand genommen, sagte Birgit Möhring, Geschäftsführerin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Die Vergangenheit des riesigen Geländes sei zu problematisch. "Unser Problem ist, dass wir bei einem Verkauf für maximal zehn Jahre die Nutzung festschreiben können", sagte Möhring. "Wir können nicht dauerhaft Einfluss nehmen, wer die Immobilie nutzt. Und da haben wir Bauchschmerzen."

Das ehemalige FDJ-Landhaus "Bogensee" (Quelle: dpa)
Die ehemalige Goebbels-Villa aus den 1930er Jahren steht unter Denkmalschutz

Das Land Berlin befürchtet, dass Neonazis oder andere rechtsextreme Gruppen verdeckt das Gelände erwerben und eine Wallfahrtsstätte daraus machen könnten. Die BIM will das Gelände wegen der unter Denkmalschutz stehenden Goebbels-Villa jetzt nur noch in langfristiger Miet- oder Erbbaupacht vergeben.

Keimzelle der FDJ im Stil der Stalinallee

1946 bekam die gerade gegründete sozialistische Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) das Gelände von den alliierten Sowjets geschenkt. Die ersten Seminare hielt die FDJ in den prachtvollen Räumen des Ex-Landhauses von NS-Propagandaminister Goebbels ab.

Rund 500 Studenten aus aller Welt kamen pro Jahr an den Bogensee, auf dem später weitere Studiengebäude errichtet wurden nach Entwürfen des Architekten Hermann Henselmann, der auch den Ost-Berliner Prachtboulevard Stalinallee zu verantworten hatte. Das Ensemble wurde im selben Stil gebaut. In einem Exposé zu dem Gelände heißt es, die Villa sei "die Keimzelle für die Jugendhochschule der FDJ" in der DDR gewesen.

Goebbels-Villa am Ufer des kleinen Bogensee/ehemalige Jugendhochschule am See; Quelle: rbb
Wie in der Stalinallee - die FDJ-Kaderschmiede ist vom gleichen Architekten entworfen worden

UFA sponserte Goebbels Luxus-Villa

Nach dem Mauerfall wurde die FDJ-Kaderschmiede abgewickelt und der gemeinnützige "Internationale Bund für Sozialarbeit" übernahm die Gebäude, um sozial benachteiligte Jugendliche in Handwerksberufen auszubilden. Auch ein Tagungshotel und ein Restaurant wurden betrieben. Ende 1999 war dann Schluss; seither steht die Immobilie des Landes Berlin leer. Die Renovierungskosten waren für den Internationalen Bund zu hoch und ein Investor ließ sich nicht finden.

Das Areal, das etwa 40 Kilometer von Berlins Stadtzentrum entfernt ist, wurde Goebbels 1936 von der Stadt geschenkt. Darauf stand zunächst nur eine Hütte, die ihm blad nicht mehr ausreichte. Drei Jahre später ließ er sich eine komfortable, weißverputze Villa bauen, die von der Filmfabrik UFA gesponsert wurden. Sie enthielt rund drei Dutzend Dienstzimmer, Garagen und einen Filmsaal  für 2,3 Millionen Reichsmark, berichtete der MDR 2014.

Lieber verpachten als verkaufen

Pressezentrum für Kanzler Schmidt

In der DDR wurde die Villa nicht nur für Ausbildungszwecke genutzt, sondern diente auch als Kindergarten. Auch ein Friseur und mehrere Läden zogen ein. Das holzgetäfelte Wohnzimmer beherbergte lange eine Kneipe. Später konnten Privatleute einen Teil der Privaträume von Goebbels für 200 Ost-Mark an einem Wochenende mieten.

1981 wurde das Areal am Bogensee zudem als internationales Pressezentrum für den Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bei DDR-Chef Erich Honecker genutzt. Im großen Lektionssaal des Hauptgebäudes waren in den Armlehnen der 525 Klappsessel im Saal Anschlüsse für Kopfhörer installiert. Die hohe technische Ausstattung stand im Gegensatz zum sonstigen Standard in der DDR. Nach der Wende wurde im Keller eines der Wohngebäude in der dortigen Telefonzentrale eine kleine Abhöranlage entdeckt. Eine der Leitungen soll direkt ins DDR-Innenministerium geführt haben, erzählt eine Mitarbeiterin der BIM.

Blick auf eines der Gebäude der ehemaligen Jugendhochschule der FDJ (Quelle: dpa)
Die Natur hät wieder Einzug auf dem Gelände am Bogensee bei Wandlitz

150.000 Euro Unterhaltkosten pro Jahr

Heute verfällt das Gelände zusehends. Das Parkett des Lektionssaal wölbt sich durch hereintropfendes Wasser, die Klappsessel sind verzogen. Vandalismus ist neben dem Leerstand das größte Problem. Fensterscheiben wurden eingeschmissen und vieles gestohlen. Selbst seltene Pflanzen wie japanische Azaleen sind aus den Grünanlagen ausgegraben worden.

In den Verhandlungen über die künftige Nutzung werde es auch darum gehen, was ein Pächter und was der Eigentümer finanziere. BIM-Chefin Möhring sagte, um Unterhaltskosten zu sparen sollen in diesem Jahr nicht mehr benötigte Nebengebäude abgerissen werden. Die Unterhaltkosten lägen derzeit bei 150.000 Euro im Jahr.

Das Land Berlin möchte die ehemalige FDJ-Hochschule am liebsten weiterhin als internationale Bildungseinrichtung nutzen. Auch andere kulturelle oder wissenschaftliche Nutzungen mit Übernachtungen seien denkbar, sagt die Geschäftsführerin. Möhring würde die Goebbels-Villa am liebsten abreißen: "Man muss nicht jedes Denkmal erhalten." Aber da sei jedoch noch nichts beschlossen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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