Brandenburger Gymnasiasten stehen am 27.01.2016 in Oranienburg (Brandenburg) bei der Gedenkveranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen vor den in der Station Z niedergelegten Kränzen. Bundesweit wurde an diesem Tage an vielen Orten der Opfer des Nationalsozialismus gedacht (Quelle: Bernd Settnik/dpa)
Video: rbb aktuell | 27.01.2016 | Hanno Christ

Gedenken an Auschwitz-Befreiung vor 71 Jahren - Berlin und Brandenburg erinnern an Holocaust-Opfer

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Der 71. Jahrestag wird auch in Berlin und Brandenburg mit zahlreichen Gedenkstunden und Kranzniederlegungen begangen. Zudem wird in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen an das Schicksal belgischer Juden erinnert.

In Berlin und Brandenburg wurde am Mittwoch an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Landesweit wurden an Gedenkorten Blumen und Kränze niedergelegt. Im Plenarsaal des Bundestages fand eine Gedenkstunde statt, bei der Ruth Klüger, eine der jüngsten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz, eine Rede hielt. Darin lobte sie die Flüchtlingspolitik Angela Merkels. Deutschland, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich gewesen sei, habe heute angesichts seiner geöffneten Grenzen "den Beifall der Welt gewonnen", sagte sie. Dies sei auch der Hauptgrund, warum sie die Einladung in den Bundestag angenommen habe.

Seit 1996 wird in Deutschland alljährlich am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Seit 2005 gibt den internationalen Holocaust-Gedenktag.

Mahnung auch an Schicksal der Flüchtlinge heute

Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs legte auf dem Willi-Frohwein-Platz in Babelsberg - benannt nach einem Zeitzeugen - einen Kranz nieder. Er sagte: "Die Befreiung von Auschwitz bedeutet nicht die Befreiung aus der Geschichte." Auch wenn sich viele wünschten, von der Geschichte befreit zu sein, seien wir es den Opfern schuldig, gegen das Vergessen anzureden, so Jakobs. Dabei bezog er sich auch auf die Situation der Flüchtlinge im Land. "Lassen Sie uns nicht verzagen, sondern mit festem Willen und mit fester Stimme Nein sagen zu Fremdenfeindlichkeit und Hass."

Auch der Brandenburger Justizminister Helmuth Markov und Kulturstaatssekretär Martin Gorholt erinnerte bei einer Gedenkveranstaltung in Sachsenhausen an die Gegenwart. Gorholt sagte: "Die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 71 Jahren erinnert uns daran, dass wir niemals aufhören dürfen, für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, ein friedliches Miteinander und den Schutz von Minderheiten einzutreten – für ein Leben ohne religiösen Hass, ohne nationalen Hochmut und ohne politische Verblendung." Die Erinnerung sei besonders angesichts der vielen Flüchtlinge heute wichtig.

"Gedenken an den Holocaust eine Verpflichtung"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht in der Erinnerung an den Holocaust eine dauerhafte Aufgabe für die Politik, sich für Toleranz und Offenheit in der Gesellschaft einzusetzen. "Das Gedenken an den Holocaust, an die Millionen Opfer von Vernichtung und Krieg, ist für unsere Gesellschaft und für unsere praktische Politik Verpflichtung", sagte Müller am Vortag des Holocaust-Gedenktages am Dienstag in Berlin.

Besonders angesichts der "aktuellen Herausforderung durch die zahlreichen Menschen, die bei uns Schutz vor Verfolgung und Krieg" suchten, werde das "Erinnern an den Holocaust immer wieder von neuem deutlich", sagte Müller.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. Geistige Brandstifter dürften nicht Sorgen und Ängste mit Blick auf die Flüchtlinge für ihre Zwecke instrumentalisieren, sagte Woidke am Dienstag in einer Mitteilung. Der Schulterschluss zwischen Staat und Zivilgesellschaft sei für die Demokratie entscheidend.

Lichterkette in Pankow und freier Eintritt im DHM

In beiden Ländern fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. So gab es im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors eine Gedenkveranstaltung. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas lud gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) zu einer Gedenkfeier am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ein. Unter der NS-Herrschaft sei Homosexualität eine "widernatürliche Veranlagung" gewesen, die es gegolten habe "auszurotten", sagte LSVD-Geschäftsführer Jörg Steiner.

Die Evangelische Kirchengemeinde Pankow und der Bund der Antifaschisten veranstalten traditionell zum Holocaust-Gedenktag eine Lichterkette am ehemaligen Jüdischen Waisenhaus Pankow. Zugleich rufen sie in diesem Jahr zur Unterstützung der Flüchtlinge vor Ort auf.

Eine Lichtaktion gibt es auch in Berlin-Lichtenberg. An der Giebelwand des Stadthauses sind dabei bis zum Morgen des 28. Januar die Namen von mehr als 300 früheren Lichtenberger Juden zu lesen. Zudem finden an zahlreichen anderen Orten in Berlin, an Schulen sowie in Kirchengemeinden Gedenkveranstaltungen statt.

Besucher des Deutschen Historischen Museum haben zudem feien Eintritt. Es werde auch kostenlose Führungen durch die Dauerausstellung in deutscher und englischer Sprache zur Geschichte des Holocausts angeboten, kündigte das Museum an. Eine Kuratorin aus Israel soll auch durch die neue Ausstellung "Kunst aus dem Holocaust" führen.

Ausstellung dokumentiert Schicksale belgischer Juden in Sachsenhausen

Der 71. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird auch in Brandenburg mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen stehen in diesem Jahr die belgischen Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg (Oberhavel).

Eine neue Ausstellung, die am Mittwoch in der Gedenkstätte eröffnet wird, dokumentiert einige Schicksale der mehr als 2.000 Belgier, die zwischen 1940 und 1945 in Sachsenhausen inhaftiert waren. Von 193 von ihnen weiß man, dass sie die Haft nicht überlebten. In Frankfurt (Oder) wird mit einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema "Erinnern für die Zukunft" an die Opfer erinnert. Weitere Gedenkveranstaltungen sind in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, Potsdam, Eberswalde, Cottbus und in der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasiemorde in Brandenburg an der Havel geplant.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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