Lange Schlangen vor Berliner Bürgerämtern / Sonnenallee (Quelle: dpa)

Berlin erwartet starken Zuzug - Wie schnell wächst Ihr Bezirk?

Einer neuen Prognose zufolge bekommt Berlin in den nächsten 15 Jahren deutlich mehr Neubürger. Wenn der Flüchtlingszuzug in den nächsten Jahren anhält, könnte die Stadt 2030 die Vier-Millionen-Schallgrenze knacken. Doch der Zuzug in die einzelnen Bezirke sieht ganz unterschiedlich aus.

In Berlin steuert auf die Vier-Millionen-Grenze zu. Einer neuen Prognose zufolge wächst Berlins Bevölkerung bis 2030 um 265.000 Personen - von derzeit knapp 3,56 Millionen auf gut 3,83 Millionen. Das wäre ein Plus von 7,5 Prozent.


Diese Zahlen hat Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch vorgestellt - und er sagte auch, welcher Bezirk voraussichtlich am stärksten boomt: Pankow, dicht gefolgt Reinickendorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg.

Insgesamt wird Berlin auch älter - das Durchschnittsalter erhöht sich demnach bis 2030 von 42,9 auf 44,3 Jahre. Besonders stark steigt demnach die Zahl der Über 65-Jährigen. Sie nimmt laut Prognose bis zum Jahr 2030 um etwa ein Viertel zu - die der Über 80-Jährigen sogar um etwa 66 Prozent.

Aber auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt überproportional zu und steigt auf einen Anteil von 15 Prozent. Nur die Gruppe der erwerbsfähigen Personen - also zwischen 18 und 65 Jahre - bleibt demnach in etwa stabil.

Bis 2020 könnten bis zu 170.000 Flüchtlinge dazukommen

Die vielen Flüchtlinge sind in diesen Zahlen noch nicht eingerechnet. Diese Entwicklung lasse sich nicht prognostizieren, heißt es in dem Papier. Für die nächsten Jahre seien aber Schätzwerte erstellt worden. "Eine Szenario-Betrachtung kommt zum Ergebnis, dass für den Zeitraum zwischen 2015 und 2020 zwischen 94.000 und 174.000 Flüchtlinge im Saldo zusätzlich zu den in der Bevölkerungsprognose ausgewiesenen Ergebnissen zu erwarten sein könnten", heißt es. Damit könnte sich Berlins Einwohnerzahl im Jahr 2020 auf bis zu 3,92 Millionen Menschen erhöhen.

Außerdem rechnet der Senat bis 2020 mit einem Zuzug von 190.000 Menschen aus dem In- und Ausland. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass die meisten  Zuwanderer aus dem Ausland kommen, sagte Geisel. Dabei werde sich der Zustrom aus Europa abflachen.

"Bevölkerungswachstum ist eine Chance"

"Berlin verändert sich, und das ist gut für die Stadt", sagte Geisel zu den Zahlen. "Das Bevölkerungswachstum ist eine Chance, die wir alle gemeinsam nutzen sollten. "Zur Begründung sagte er, die Einwanderung sei wirtschaftsgetrieben. "Es ist eine Einwanderung in den Arbeitsmarkt, nicht in die sozialen Netze."

Die Regierung werde Berlin auf der Basis dieser Zahlen "sozial gerecht und nachhaltig gestalten", so Geisel. "Indem wir mehr Wohnungen bauen, mehr Kitas und Schulplätze sowie neue Arbeitsplätze schaffen. Wir werden Busse und Bahnen modernisieren und in die Infrastruktur der Stadt investieren."

In den nächsten zehn Jahren müssten pro Jahr 15.000 bis 20.000 neue Wohnungen gebaut werden, davon rund 6.000 in kommunaler Verantwortung. Das Ziel sei ehrgeizig, aber zu schaffen.

Die Entwicklung zeige auch, dass die Zuwanderung in den vergangenen Jahren die Wirtschaft Berlins gestärkt habe. So seien die Steuereinnahmen deutlich angewachsen und die Arbeitslosigkeit von fast 20 Prozent im Jahr 2000 auf jetzt 10,1 Prozent gesunken. "Die Einwanderung war wirtschaftsgetrieben und keine Einwanderung in die sozialen Netze."

"Es ist immer schwer, die Zukunft vorherzusagen"

Im Februar will das Land Berlin weitere "kleinteiligere" Daten für 60 sogenannte Prognoseräume herausgeben. Experten bezweifeln allerdings, dass sich Bevölkerungszuwächse oder -abnahmen zuverlässig voraussagen lassen. Noch vor wenigen Jahren hatte auch die Vorgängerstudie für den gleichen Zeitraum 2015 -2030 gerade mal die Hälfte des Zuwachses gesehen. Geisel betonte am Mittwoch auch: "Es ist immer schwer, die Zukunft vorherzusagen." Die Prognose sei eine Hilfestellung - mehr nicht.

Im Sommer letzten Jahres hatte der Senator selbst weit abweichende Zahlen genannt: Schon im Jahr 2019 könnten 250.000 mehr Menschen in der Stadt leben als noch 2012, sagte er. Bis 2030, so Geisel damals, nach noch einmal so viele Menschen nach Berlin kommen.

Mit Informationen von Thorsten Gabriel, rbb-Landespolitik

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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