Visualisierung: Luftansicht der Eisenbahnüberführung über die Bahnhofstraße in Lichtenrade für die geplante Dresdner Bahn, Blick Richtung Westen (Quelle: Deutsche Bahn AG / vectorvision)

Bahntrasse durch Lichtenrade - Bürgerinitiative bereitet Klage gegen "Dresdner Bahn" vor

Die "Dresdner Bahn" durch Lichtenrade soll mal den Hauptbahnhof mit dem Flughafen BER verbinden. Doch seit fast 16 Jahren kämpft eine Bürgerinitiative gegen die geplante Eisenbahntrasse mitten durch den Ortsteil. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte zwar im November die Pläne genehmigt, doch damit wollen sich die Gegner nicht zufrieden geben. Von Vanessa Witzki

Im November letzten Jahres billigte das Eisenbahn-Bundesamt die geplante Bahntrasse durch Berlin-Lichtenrade zum Flughafen BER. Jetzt bereitet die "Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner-Bahn" - wie damals angekündigt - eine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Behörde vor, wie der Vorsitzende Manfred Beck rbb online am Mittwoch bestätigte.

Das Eisenbahn-Bundesamt billigte damals die Vorzugsvariante der Deutschen Bahn, die vorsieht, dass zwei Fernbahngleise der sogenannten Dresdner Bahn oberirdisch durch Lichtenrade geführt werden. Die Bürgerinitiative kämpft seit fast 16 Jahren dafür, die Strecke durch einen Tunnel zu führen.

Unterlagen werden öffentlich ausgelegt

Gegen das Bauvorhaben "Dresdner Bahn" wollen drei Anwohner aus Lichtenrade klagen, die Bürgerinitiative werde als Nebenkläger auftreten, sagte Manfred Beck.

Doch bevor Klage eingereicht werden kann, müssen zunächst die Unterlagen des Planfeststellungsbeschlusses öffentlich ausgelegt werden. Vom 15. bis 29. Januar sind diese im Rathaus Schöneberg einsehbar, wie eine Mitarbeiterin der Behörde bestätigte. Nach Auslegung, also ab Ende Januar, habe man vier Wochen Zeit, Klage einzureichen, erklärte der Anwalt der Bürgerinitiative, Alexander von Aretin. Eine Klage habe zunächst keine aufschiebende Wirkung für das Vorhaben. Dazu müsse gleichzeitig ein "Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung" eingereicht werden, so der Jurist. Damit könnte ein geplanter Bau des sogenannten Teilabschnitts 2 gestoppt werden.

Auf einer Versammlung an diesem Donnerstag wolle man mit allen Mitgliedern der Bürgerinitiative das weitere Vorgehen beschließen. "Wir sind guter Dinge, dass die Versammlung, die mit unserem Anwalt stattfindet, unseren Vorschlägen zustimmt", erklärte der Vorsitzende der Initiative weiter.

Becks Hauptargument ist die lange Laufzeit der Planung: Seit Jahren hätten sich die Bürger in Lichtenrade nicht mehr in den Prozess einschalten können. Seitdem seien neue Menschen in den Bezirk gezogen, "die hatten damit kein Mitspracherecht". "Eine ganze Generation wurde ausgeschlossen", so Beck.

Bürgerinitiative sammelt Geldspenden

Doch um eine Klage einreichen zu können, benötige man viel Geld. Seit fast zehn Jahren  habe die Bürgerinitiative bereits einen Klagefonds von 50.000 Euro angesammelt, der sich aus Spenden der Mitglieder zusammensetze. "Aber inzwischen sind die Kosten überall gestiegen und wir haben seit Anfang Dezember wieder angefangen zu sammeln", so Beck.

Deshalb werden die bisherigen Unterstützer darum gebeten, der Bürgerinitiative finanziell unter die Arme zu greifen, wie es in einem Anschreiben an die Anwohner heißt, das rbb online vorliegt. "Jetzt bitten wir die Lichtenrader um Spenden, die vor 16 Jahren gegen die ebenerdige Bauweise Einspruch eingelegt haben", erklärte Beck weiter. Denn aller Voraussicht nach müsse ein Gutachter beauftragt werden, weshalb noch mindestens 30.000 Euro fehlen, "um vor Gericht bestehen zu können". Man wolle auf Fragen der Richter zum Beispiel zum Thema Schallschutz vorbereitet sein.

Ein ICE hält am Berliner Hauptbahnhof (Quelle: imago/Reiner Zensen)
Mit der "Dresdner Bahn" in 20 Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen BER

Tunnellösung zu teuer

In 20 Minuten mit dem Airport-Express vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen BER: Das sollte eigentlich schon längst möglich sein. Doch seit dem Jahr 2000 stellt sich die Bürgerinitiative gegen die Pläne der Deutschen Bahn, die Eisenbahntrasse oberirdisch verlaufen zu lassen. Die Gegner favorisieren eine Tunnellösung, die nach Angaben der Deutschen Bahn teurer sei und länger dauere. Zudem gebe es zu viel Erdbewegung. Eine Tunnelbohrung würde rund 250 Millionen Euro zusätzlich kosten, schätzte die Bahn im November letzten Jahres.

Das Land Berlin hat sich beim Bund und der Bahn wiederholt für eine Tunnelführung der Dresdner Bahn im Bereich Lichtenrade eingesetzt, wie Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Mittwoch schriftlich mitteilte, so wie es auch im Koalitionsvertrag stehe. Der CDU-Bundestagsabgeordnete für Tempelhof-Schöneberg Jan-Marco Luczak, der selbst auch Mitglied der Bürgerinitiative ist, hat gegenüber rbb online dieser Darstellung widersprochen. Luczak setze sich nach eigenen Worten seit 2009 für die Tunnellösung ein. Demnach habe sich Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) bereits mehrfach gegen die Tunnelvariante ausgesprochen. Sprecher Martin Pallgen wies darauf hin, Geisel habe auf die finanziellen und zeitlichen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Varianten, oberirdisch oder Tunnel, hingewiesen.

"Der Planfeststellungsbeschluss ist bitter für uns und unseren Ortsteil", teilte Luczak weiter mit. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir auf politischem Weg eine andere Entscheidung erreicht hätten." Enttäuscht sei er vor allem vom Regierenden Bürgermeister Müller und Verkehrssenator Geisel. "Beide haben sich nie klar zur Tunnellösung bekannt. Damit lassen sie die Lichtenrader Bürger im Stich – entgegen dem klaren Versprechen im Berliner Koalitionsvertrag."

Noch nicht gesamte Bahnstrecke unter Dach und Fach

Die Planfeststellungsverfahren für die Streckenabschnitte nördlich und südlich von Lichtenrade sind noch nicht abgeschlossen. Insgesamt ist die Strecke von Berlin-Südkreuz bis zum Flughafen 16 Kilometer lang. Der im Dezember veröffentlichte Planfeststellungsbeschluss betrifft den 2,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Schichauweg und Berliner Stadtgrenze. Die Bahnstrecke soll entlang der S-Bahn-Trasse gebaut werden. Die Bahn sicherte einen umfassenden Lärm- und Erschütterungsschutz zu.

Über sie soll der neue Flughafen im 15-Minuten-Takt erreichbar sein. Zudem soll die Strecke die Fahrt nach Dresden verkürzen und die weiter westlich verlaufende Verbindung Richtung Halle und Leipzig (Anhalter Bahn) entlasten. Sie soll mehr Fernzüge auf der künftigen Schnellstrecke Berlin-München aufnehmen. 2024 könnten die ersten Airport-Expresszüge auf der Strecke rollen.

Pläne der Deutschen Bahn für eine oberirdische Trasse

Beitrag von Vanessa Witzki

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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