Freiwilligendienst startet, Quelle: dpa
Audio: Inforadio | 04.01.2016

Rückblick auf fünf Jahre Bundesfreiwilligendienst - Die "Bufdis" schließen die Betreuungslücken

Der Bundesfreiwilligendienst wurde vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Wehrpflicht und Zivildienst hatten ausgedient. Für viele Sozialverbände Anlass zur Sorge, dass einige Betreuungsangebote mit diesem Systemwechsel auf der Strecke bleiben könnten. Eine Bilanz von Thomas Rautenberg  

Die damalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte Ende 2010 eines der größten Projekte ihrer vierjährigen Amtszeit zu schultern: die Einführung eines Bundesfreiwilligendiensts. Dadurch wurde der bis dato bekannte Zivildienst passé. Rund 90.000 junge Freiwillige, die ihren Zivildienst in Sozialeinrichtungen, Jugendclubs oder in der Seniorenbetreuung leisteten, würden ab Mitte 2011 fehlen.

Doch die Bundesministerin Schröder war sich auf dem CDU-Parteitag sicher, dass die drohende Betreuungslücke geschlossen werden kann - mit Freiwilligen aus allen Teilen und Altersgruppen der Gesellschaft. "Sie wollen sich engagieren, sie wollen etwas für ihre Familien, für ihr Umfeld aber auch für die Gesellschaft tun. Das ist ein Schatz, der zu heben ist. Wir müssen nur die Fantasie haben, um diesen Schatz auch wirklich zu heben", sagte Schröder damals.

Freiwilligendienst als Chance für junge und ältere Menschen

Schröder erhielt volle Rückendeckung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), der "eine völlig neue Freiwilligenkultur in unserem Land" vorschwebte. "Ich bin auch dafür, dass man gesellschaftliche Vorteile hat, wenn man sich eine Zeit lang für die Gemeinschaft eingesetzt hat", sagte Merkel.

Damit war der Bundesfreiwilligendienst geboren. In der Regel verpflichtet sich der Bufdi, wie die Freiwilligen umgangssprachlich heißen, für ein Jahr. Er ist in dieser Zeit sozial- und rentenversichert und er bekommt ein Taschengeld von maximal rund 350 Euro. Für junge Menschen eine gute Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren und gleichzeitig einen Einblick ins Berufsleben zu bekommen. 

Für die Älteren dagegen ist es häufig das Gefühl noch gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun. Wobei sich manch ältere Bufdis auch bewerben müssen, weil es das Job-Center so vorgibt und sie bei Hartz IV etwas dazu verdienen können. Für Tina Stampfl, Freiwilligenreferentin im Arbeiter-Wohlfahrt-Bundesverband, ist es insgesamt ein Erfolgsmodell: "Der Bundesfreiwilligendienst hat sich als eigenständiges Format schon bewährt und gut etabliert. Die Zahlen, die am Anfang mal geplant waren, sind bereits übertroffen worden."

Ab 2016 Bufdi-Plätze für Flüchtlinge

Der Bund finanziert 35.000 Stellen im Bundesfreiwilligendienst. Kostenpunkt: rund 170 Millionen Euro. Rechnet man die Freiwilligen im Sozialen oder Ökologischen Jahr hinzu, ist die Betreuungslücke, die der abgeschaffte Zivildienst hinterließ, so gut wie ausgeglichen.

Bufdi-Plätze sind begehrt, häufig gibt es mehrere Bewerber auf eine Stelle. In diesem Jahr kommt eine Neuerung hinzu: 10.000 Freiwilligenstellen in der Flüchtlingsbetreuung und für die Flüchtlinge selbst. "Für Flüchtlinge ist das eine große Chance, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen und zu lernen", sagt Stampfl. "Anderseits profitieren auch unsere Einrichtungen davon, wenn Menschen von außen kommen und ihre eigenen Erfahrungen einbringen." Das zusätzliche Angebot ist zunächst auf drei Jahre befristet. Der Bund stellt dafür rund 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Bundesfreiwilligendienst

Am 1. Juli 2011 löste der Bundesfreiwilligendienst (BFD) den Zivildienst ab. nBewerben können sich Männer und Frauen aller Altersgruppen.

Anders als der Zivildienst und die Jugendfreiwilligendienste kann der BFD nicht nur in sozialen oder ökologischen Einrichtungen geleistet werden, sondern auch in weiteren Bereichen wie Sport, Integration, Kultur, Bildung oder Zivil- und Katastrophenschutz. Der BFD dauert in der Regel ein Jahr, mindestens aber sechs und höchstens 24 Monate. Freiwillige, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit tätig werden.

Der BFD ist "arbeitsmarktneutral" ausgestaltet, das heißt die Freiwilligen leisten zusätzliche Arbeit, ersetzen aber keine hauptamtlichen Kräfte.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hat oft gestellte Fragen und Antworten zum Thema hier zusammengestellt.

Beitrag von Thomas Rautenberg

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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