Der ehemalige DDR-Anwalt und frühere Vorsitzende des Demokratischen Aufbruchs Wolfgang Schnur betritt am 30.01.1996 vorbei an Kameraleuten das Kriminalgericht Berlin-Moabit, wo er sich wegen seiner Stasi-Verbindungen verantworten muss (Quelle: Andreas Altwein/dpa)

Oppositioneller, Stasi-Spitzel und Mann mit Ambitionen - Wende-Politiker Wolfgang Schnur gestorben

Er war einer der umstrittensten DDR-Politiker in der Wende-Zeit. Wolfgang Schnur sah sich schon im Amt des Ministerpräsidenten, Angela Merkel wurde seine Pressesprecherin - bis herauskam, dass er für die Stasi gearbeitet hatte. Mit 71 Jahren ist er nun in Wien gestorben.

Der DDR-Wendepolitiker Wolfgang Schnur ist tot. Der 71-Jährige starb bereits am Samstag in einem Krankenhaus in Wien. Das sagte ein Sprecher eines städtischen Bestattungsunternehmens am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

20 Jahre für die Stasi gearbeitet

In der Wende-Zeit 1989 wurde Schnur als Mitbegründer der Oppositionsbewegung Demokratischer Aufbruch (DA) bekannt. Bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 war er als Spitzenkandidat des DA aufgestellt.

Vier Tage vor der Wahl wurde bekannt, dass Schnur als Rechtsanwalt über 20 Jahre für die Staatssicherheit gearbeitet hatte. Dabei hatte er unter anderem von ihm vertretene Dissidenten bei der Stasi denunziert.

Nach Bekanntwerden seiner Tätigkeit für die Stasi trat Schnur vom Parteivorsitz und von seiner Spitzenkandidatur zurück. Der Pfarrer Reiner Eppelmann übernahm die Kandidatur für Schnur.

Rechtsanwalt Wolfgang Schnur spricht zu den Gottesdienstteilnehmern. Er war Rechtsbeistand für inhaftierte Demonstranten der Bürgerrechtsbewegung in der DDR, später wurde er als Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt (Quelle: imago/epd)
In der DDR arbeitete Schnur als Anwalt - und für die Staatssicherheit

Verlust der Anwaltszulassung wegen "Unwürdigkeit"

Nach der Wiedervereinigung 1991 eröffnete Schnur eine Anwaltskanzlei in Berlin. Zwei Jahre später verlor Schnur jedoch seine Zulassung wegen Mandantenverrats und "Unwürdigkeit". In den folgenden Jahren arbeitete er als Berater. Er musste sich mehrfach vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Beleidigung eines Richters und wegen Insolvenzverschleppung.

Für Wellen schlug ein Urteil des Landgerichts Berlin 1996 wegen "politischer Verdächtigung" in seiner Zeit als Informant der Stasi. Schnur hatte seine ehemaligen Mandanten, die Bürgerrechtler Stephan Krawczyk und Freya Klier verdächtigt, Verbindungen zum "Westfernsehen" und ein kritisches Manuskript versteckt zu haben.

Angela Merkel als Pressesprecherin

Der in Rostock geborene Schnur war zu DDR-Zeiten Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Mecklenburg und Vertrauensanwalt der evangelischen Kirche in Berlin. In dieser Zeit hatte enge Kontakte zum Vater von Bundeskanzlerin Merkel, Horst Kasner. 1990 stellte Schnur Angela Merkel als seine Pressesprecherin beim Demokratischen Aufbruch ein, der bei der Wiedervereinigung mit der CDU fusionierte.

Schnur war schon länger an Krebs erkrankt. In Deutschland hatte er zuletzt in Berlin-Spandau und Brandenburg gewohnt. Sein Leichnam soll noch am Mittwoch nach Berlin gebracht werden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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