Mutter mit Kind in der Küche (Quelle: dpa)

Kommentar | Das Frauenbild der AfD - Die AfD, der Femonationalismus und das Grundgesetz

Die AfD rief am Freitag unter dem Motto "Die Würde der Frau ist unantastbar" in Potsdam zur Demo. Damit macht sich ausgerechnet jene Partei für die Frauen stark, die sie bislang am liebsten an den Herd zurückverbannt hätte. Wie passt der feministische Aktivismus der Partei zu ihrem konservativen Geschlechterbild? Ein Kommentar von Heide Oestrich

Sie wollen keine liberale Sexualaufklärung in der Schule. Sie möchten Gleichstellungsbeauftragte abschaffen. Sie sind überhaupt gegen Gleichstellungspolitik. Sie wollen keinen Feminismus, weil der Mann doch ihr "Fels in der Brandung" ist, und Muttersein ein toller Beruf. Das war die AfD bis zum 31. Dezember 2015. Nach der Silvesternacht, in der hunderte Frauen von Männern angegriffen wurden, die augenscheinlich nicht deutscher Herkunft waren, intoniert sie: "Die Würde der Frau ist unantastbar", heißt es im Demoaufruf der AfD Potsdam. Und dass die Frauenrechte verteidigt werden müssen.

Wenn man diese beiden Aussagen zusammen bekommen will, kommt dabei etwas heraus, das "Femonationalismus" genannt wird: Femonationalisten und Femonationalistinnen - denn die Galionsfiguren sind oft auch Frauen - entdecken die Frauenrechte immer dann, wenn ausländisch aussehende Männer sie bedrohen. Bei "uns" dagegen ist so etwas kein Problem. Von der AfD hat man noch nie vernommen, dass der Griff an den Busen endlich strafbar werden muss. Oder für die Verurteilung eines Vergewaltigers das "Nein" der Frau ausreichen sollte. Das alles hat die AfD bisher offenbar nie gestört. "Dann mach doch die Bluse zu!", lautete die Aufforderung der Publizistin Birgit Kelle, als Frauen sich über deutschen Sexismus beklagten. Kelle ist übrigens in der CDU, die hat also sogar einen Popstar unter den Femonationalistinnen.

Alles zusammen genommen landen wir bei einem Frauenbild, das jenem konservativer Muslime erstaunlich ähnlich sieht: Es geht um die klassische tradierte Frauenrolle. Die Frau fühlt sich daheim am wohlsten, kümmert sich gern um die Familie und hat ansonsten nichts zu melden. Wenn Männer übergriffig werden, überlegt sie, ob die Bluse ein Knopfloch zu weit offen stand. Und noch etwas ist ähnlich: Die Frauen sind "unsere" Frauen, die "wir Männer" verteidigen müssen, gegen die anderen. Wie "wir" "unsere" Frauen dann konkret behandeln, wird weniger gern diskutiert.

Ja, der Vergleich der AfD mit den Fundamentalisten sitzt ein wenig schief. Denn wenn man eine Skala der Frauenfeindlichkeit aufstellen müsste, dann würden die Fundamentalisten mit ihrem archaischen Ehrbegriff und ihrem autoritären Verhalten sehr viel weiter hinten landen. Denn die AfD betrachtet die konservative Frauenrolle ja als freie Wahl, und demonstriert nun dafür, dass das Grundgesetz uneingeschränkt für jeden gilt, so heißt es im Demoaufruf. Aber wenn man so frei dabei landet, eine Politik der Gleichberechtigung abschaffen zu wollen, wie es die AfD ja außerdem noch will, dann hat man das mit dem Grundgesetz vielleicht doch noch nicht so ganz verstanden. Das hat einen Artikel 3, der den Staat zur Gleichstellungspolitik verpflichtet. Also genau zu der Politik, die die AfD so gern abschaffen möchte. Wenn das Grundgesetz für alle gelten soll, dann sollte die AfD es sich vielleicht einmal ganz durchlesen.

Beitrag von Heide Oestrich

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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