Das Lichtinstallationsprojekt "Perlen aus Licht" ist für acht Brücken und Tunnelräume in Berlin geplant. Die erste Installation wurde im September 2013 in der Bleibtreustraße in Betrieb genommen. (Quelle: Bund der Steuerzahler / Alexander Kraus)

Bund der Steuerzahler kritisiert Kosten für "Perlenketten" - Ob es teuer wird oder nicht, sagt Euch gleich das Licht

Mit "Perlenketten aus Licht" wollte Berlin in der City West dunkle Unterführungen aufhübschen und das Sicherheitsgefühl der Passanten erhöhen. Ein hehres Ziel - zu hohe Kosten: 80 Prozent mehr als ursprünglich geplant kosteten die Lichterketten, heißt es jetzt vom Bund der Steuerzahler.

Schon im September 2015 tauchten im Schwarzbuch der Steuerzahler die Lichtinstallationen "Perlenkette aus Licht" in der Berliner City West auf. Nach der Endabrechung steht nun fest: Die Kosten für die Beleuchtung an Bahnbrücken in der Hardenbergstraße und der Kantstraße fallen noch höher aus als erwartet. Das machte der Bund der Steuerzahler (BdSt) Berlin bekannt und bezog sich dabei auf eine neue Aktenauskunft vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.

In dem neuen Bescheid wurde vom Bezirksamt mitgeteilt, dass sich die endgültigen Kosten für die Lichtinstallation unter der Bahnbrücke in der Hardenbergstraße auf 348.801,45 Euro belaufe. Die Kosten waren zuerst mit 170.000 und dann mit 290.000 Euro beziffert worden.

Eine ähnlich hohe Preissteigerung ergibt sich auch für die Lichtinstallation unter der Bahnbrücke in der Kantstraße: Zuerst auf 160.000 datiert, dann auf 197.000 erhöht, kommt man hier jetzt auf eine Gesamtsumme von 251.831,57 Euro.

Weg mit der Barrierewirkung

Unter dem Motto "Perlenkette aus Licht" hatte der Berliner Senat 2011 ein übergreifendes Lichtkonzept für die City West geplant. Aufgabe des damaligen Wettbewerbs zur Konzeptentwicklung war es, unter anderem Bahnbrücken durch Licht zu inszenieren, um die Barrierewirkung von Tunnelräumen abzumildern und das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen.

Im September 2013 wurde die erste Lichtinstallation in der Bleibtreustraße im Bezirk Charlottenburg in Betrieb genommen. Allerdings waren auch hier die Baukosten explodiert. Auch diese hatte mit 202.906,95 Euro statt der geplanten 130.000 Euro deutlich mehr gekostet, wie der BdSt schon damals durch eine Aktenauskunft des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf erfahren und bereits im Schwarzbuch 2014 kritisiert hatte.

80 Prozent Mehrkosten als 2011 angekündigt

Alle drei Lichtinstallationen haben mit zusammen über 803.539 Euro und damit über 80 Prozent mehr gekostet, als der Senat 2011 in den Wettbewerbsunterlagen angekündigt hatte. Der Anteil des Bezirks als Bauherr beläuft sich bei den beiden neuen Brückenbeleuchtungen auf lediglich 50.000 Euro. Für die Brückenbeleuchtung in der Bleibtreustraße gab es 2013 von der "Stiftung Lebendige Stadt" einen Zuschuss von 25.000 Euro. Der Rest wird aus dem Förderprogramm "Aktive Stadtzentren" durch den Bund und das Land Berlin finanziert.

Bereits in seinem Schwarzbuch 2012 hatte der Steuerzahler-Bund erstmals vor drohenden Baukostenüberschreitungen gewarnt. Als Stütze seiner Kritik führt der BdSt auch die Jury des Senats-Wettbewerbs von 2011 an. Diese habe bereits damals auf die baulich anspruchsvolle Ausführung des Siegerentwurfs hingewiesen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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